Die vergessenen Religionskriege in der Schweiz
Die Reformation spaltete die Alte Eidgenossenschaft entlang konfessioneller Linien. Reformierte Städte wie Zürich, Bern und Basel traten für die neue Lehre ein, während katholische Orte wie Luzern, Uri und Schwyz am alten Glauben festhielten. Diese religiöse Spaltung war eng verwoben mit politischen und territorialen Interessen und führte zu einer Reihe bewaffneter Konflikte.
1529: Erster Kappelerkrieg
Ursache war der Widerstand katholischer Orte gegen die Ausbreitung der Reformation. Der Konflikt endete ohne grössere Kämpfe.
1531: Zweiter Kappelerkrieg
Die Spannungen eskalierten erneut. Am 11. Oktober 1531 standen rund 2000 Zürcher Reformierte einer deutlich grösseren katholischen Streitmacht gegenüber. In der Schlacht bei Kappel fiel Zürichs Reformator Huldrych Zwingli. Der Krieg endete mit dem Zweiten Kappeler Landfrieden. Er bestätigte das Recht der Orte auf eigene Glaubenswahl und legte eine territoriale Konfessionsordnung fest, die jahrhundertelang prägend blieb.
1656: Erster Villmergerkrieg
Ursache war die konfessionelle Spannung zwischen reformierten und katholischen Orten, ausgelöst durch die Hinrichtung reformierter Flüchtlinge im katholischen Schwyz und den Versuch Zürichs, die eidgenössische Ordnung zu ändern. In der Ersten Schlacht von Villmergen wurde die reformierte Seite geschlagen. Der Krieg endete mit dem Dritten Landfrieden.

500 Jahre Badener Disputation: zuerst Eidgenosse, dann der Glaube.
Vor 500 Jahren stritten Reformierte und Katholiken in Baden über den wahren Glauben: Es gab keine Einigung. Trotzdem lernte die Schweiz, mit den konfessionellen Gräben zu leben.
1712: Zweiter Villmergerkrieg
Der blutigste Religionskrieg der Schweiz wurde durch konfessionelle und politische Rivalitäten um die Vormacht in der Eidgenossenschaft verschärft. Historische Schätzungen sprechen von mehreren tausend Opfern: In der Schlacht von Villmergen sollen gegen 4000 Soldaten gefallen sein. Der Frieden von Aarau beendete den Krieg.
Die Folgen waren tiefgreifend: Die reformierten Orte gewannen politischen Einfluss, und in den Gemeinen Herrschaften wurde zunehmend konfessionelle Parität eingeführt.
1847: Sonderbundskrieg
Der Konflikt zwischen konservativ-katholischen Kantonen im Sonderbund und den liberal-reformierten Kräften der übrigen Eidgenossenschaft war ursprünglich ein politischer Sezessionskrieg. Der Krieg forderte etwa 93 Opfer. Der Sieg der liberalen Kräfte führte zur Auflösung des Sonderbunds und zur Gründung des modernen schweizerischen Bundesstaats von 1848.
Folgen der Religionskriege
Die Konflikte führten nicht zu einer Spaltung der Eidgenossenschaft, sondern zu einer territorialen Konfessionsordnung: Jeder Ort bestimmte seine Religion selbst, Minderheiten erhielten begrenzte Rechte. Die Eidgenossenschaft blieb formal bestehen, entwickelte aber eine Praxis der politischen Koexistenz. Die Erfahrungen dieser Konflikte prägten den Weg hin zum modernen Bundesstaat und zu einer Kultur, in der Differenz nicht zwangsläufig gewaltsam gelöst wird.
Die vergessenen Religionskriege in der Schweiz