Dort, wo die Lücken sind: Gesundheitsseelsorge startet
Mit sichtbarer Erleichterung und spürbarer Freude spricht Lilian Bachmann, Präsidentin des Synodalrats, über den Start des neuen Pilotprojekts «reformierte Gesundheitsseelsorge». Nach zwei intensiven Jahren der Abklärungen mit Studien zur Seelsorge, Visitation in den Kirch- und Teilkirchgemeinden zum Thema Seelsorge sowie der öffentlichen Grossgruppenkonferenz, Konzeptarbeit und vielen Gesprächen erhält das Projekt nun grünes Licht. «Es ist eine grosse Freude für diesen wichtigen kirchlichen Auftrag», sagt Bachmann. «Wir haben sorgfältig gearbeitet. Jetzt endlich loszulegen, fühlt sich gut an.»
Der Impuls für das Projekt kam aus der kantonalen Planung zur Gesundheitsversorgung, in welche die Reformierte Kirche Kanton Luzern einbezogen wurde. Dort wurde für Bachmann klar: Die Kirche muss ein aktiver Teil der ambulanten Gesundheitslandschaft werden. «Wir müssen dort sein, wo Menschen uns brauchen. Viele haben keinen Bezug mehr zur Kirchgemeinde. Sie wissen gar nicht, wohin sie sich wenden sollen, wenn sie Seelsorge benötigen.»
Start mit schlankerem Budget
Die Vision der Gesundheitsseelsorge ist eine mobile, niederschwellige und standortunabhängige Begleitung an den Nahtstellen des Lebens: im Palliativbereich oder nach Letzte-Hilfe-Kursen zum Beispiel. «Überall dort, wo Menschen Unterstützung brauchen, bisher aber kein Anschluss an die kirchliche Seelsorge bestand.» Sie ist eine Brücke, mit der die Versorgungslücken geschlossen werden können.
Ein Stolperstein in der Synode war der Vorwurf, der Umsetzungsplan sei zu wenig konkret. Bachmann widerspricht: «Der Plan liegt vor als internes Arbeitsinstrument. Wir sind startklar, wir haben ein 30-seitiges Papier mit Struktur, Abläufen und Massnahmen.» Der praktische Rollout beginne nun im Januar: Stellenausschreibung, zentrale Telefonnummer, Website, digitale Angebote. Besonders erfreulich sei, dass die Spitex Stadt Luzern im Bereich Palliative Care umgehend die Zusammenarbeit starten werde.
Die Synode kürzte den beantragten Kredit von 540‘000 Franken auf 300‘000 Franken. Bachmann gibt sich pragmatisch: «Es ist eine rollende Dreijahresplanung. Wir starten 2026 mit dem gesprochenen Betrag und evaluieren, wie es anläuft.»
Kooperationen und Drittmittel
Die Reformierte Kirche übernimmt mit dem Projekt eine Aufgabe, die der gesamten Bevölkerung zugutekommt. Für Bachmann ist das selbstverständlich: «Wir sind eine Volkskirche. Wir sind für alle Menschen da.» Gleichzeitig setzt sie auf Kooperationen: mit Spitex, Spitälern, Psychiatrie, der Dargebotenen Hand, dem Brückendienst der Spitex Stadt Luzern – und auch ökumenisch mit der Koordinationsstelle Palliative Care. «The more the merrier», sagt sie lachend. «Wir haben unterschiedliche Strukturen, aber wir sind offen.»
Drittfinanzierungen werden ein Schlüssel sein. Gespräche mit Partnerorganisationen laufen bereits. «Wenn das Projekt einschlägt, hätten auch 540‘000 Franken nicht gereicht. Die Versorgungslücken sind gross.» Kritik, die Gesundheitsseelsorge sei ein «Luxusprojekt», weist Bachmann entschieden zurück: «Wenn wir als Kirche einen Auftrag haben, dann Seelsorge. Es geht um Menschen in schwierigen Situationen, nicht um Extras.»
Was sie sich nach drei Jahren wünscht? «Dass es weitergeht.» Hinter dem nüchternen Satz steht eine tiefe Überzeugung. Bachmann erlebt bei jeder Rückmeldung, jedem Gespräch, dass das Projekt einen Nerv trifft: «Es macht Freude, weil es so sinnvoll und so wichtig ist. Die Menschen brauchen es. Und wir wollen für sie da sein.»
Dort, wo die Lücken sind: Gesundheitsseelsorge startet