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«Ein Facebook-Auftritt ist Gold wert»

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25.04.2017
Social-Media kann die Sozialdiakonie ankurbeln, findet die Fondia-Stiftung – und finanziert der Zürcher Kirchgemeinde Oberstrass eigens eine Stelle dafür.

Laut Facebook-AdPlanner waren im M├Ąrz 2017 rund 3,72 Millionen Nutzer auf Facebook aktiv. Das entspricht knapp der H├Ąlfte aller Einwohner der Eidgenossenschaft. Und weil so viele Menschen Zeit auf dieser Plattform verbringen, findet es Barbara Roth einen ┬źgroben Fehler┬╗, wenn Kirchgemeinden dort nicht vertreten seien. ┬źEin Facebook-Auftritt von Kirchgemeinden ist Gold wert f├╝r ihr Image┬╗, sagt die Beauftragte f├╝r Social Media und Webberatung der Z├╝rcher Landeskirchen.

Barbara Roth unterst├╝tzt Kirchgemeinden bei der Nutzung von Social Media. Sie ber├Ąt und schult sie, wie sie ihren Auftritt in der digitalen Welt organisieren k├Ânnen, analysiert Zielgruppen und hilft bei der Umsetzung. ┬źDas Interesse der Kirchgemeinden f├╝r Facebook ist da┬╗, sagt Roth. Aber weil sich die Landschaft der Z├╝rcher Kirchgemeinden im Umbruch befindet, warteten viele erst die weiteren Schritte ab.

┬źWir-Gef├╝hl┬╗ st├Ąrken
┬źDas Ziel ist es, aufzuzeigen, wer wir sind und was wir alles machen┬╗, sagt Roth nach der Frage was die Pr├Ąsenz der Kirchen in der digitalen Welt bewirken soll. Im Social-Media-Konzept der Z├╝rcher Landeskirche sind als weitere Ziele aufgef├╝hrt: ┬źMit m├Âglichst vielen Lebenswelten in Kontakt kommen. Mit interaktiven Diskussion das ┬źWir-Gef├╝hl┬╗ der Reformierten st├Ąrken. Und durch die sozialen Medien Anregungen und Impulse erhalten.┬╗

Um den Arbeitsaufwand f├╝r Facebook m├Âglichst gering zu halten, r├Ąt Roth: ┬źIdealerweise f├╝ttern jene Mitarbeiter Facebook mit Informationen, die sich um die Inhalte der Kirchgemeinde-Website k├╝mmern.┬╗ Das sei die effizienteste Art und Weise, einen Facebook-Account zu pflegen. Denn diese Personen w├╝ssten, was aktuell sei, und k├Ânnten Neues auf der Website gleich auch auf Facebook posten. Die von Roth betreute Kirchgemeinde Adliswil wende mit dieser Arbeitsweise nur zwei bis drei Prozent der Arbeitszeit f├╝r Facebook auf.

Aufwand minimieren
┬źEin weiterer Pluspunkt ist, wenn Pfarrerinnen und Pfarrer social-media-affin sind┬╗, sagt Roth und nennt die Z├╝rcher Kirchgemeinde Sihlfeld als gutes Beispiel. Dort postet Pfarrer Thomas Sch├╝pbach Inhalte der Kirchgemeinde auf seinem Facebook-Account und vergr├Âssert so die Reichweite.

┬źWie bei den meisten Kirchgemeinden liegt auch in der Kirchgemeinde Sihlfeld die Kompetenz f├╝r die Betreuung von Facebook beim Sekretariat┬╗, sagt Roth. Weniger zu empfehlen sei, die Facebook-Auftritte von einer externen Person betreuen zu lassen: ┬źDies generiert einen Mehraufwand.┬╗

Mit Facebook die Sozialdiakonie bekannt machen
In der Z├╝rcher Kirchgemeinde Oberstrass wurde vor einem Jahr eigens f├╝r die Betreuung der sozialen Medien eine 20%-Stelle geschaffen, die mit einer externen Person besetzt wurde. Finanziert wird diese von der Fondia-Stiftung, die die Gemeindediakonie im Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund f├Ârdert. ┬źSoziale Medien sind ein wichtiger Teil in der Diakonie, um junge Leute daf├╝r anzusprechen┬╗, sagt die Pr├Ąsidentin der Stiftung Nicolasina ten Doornkaat auf Anfrage.

Neben der Kirchgemeinde Oberstrass unterst├╝tzt Fondia eine Kirchgemeinde in Lausanne, die ein Nachbarschaftsprojekt ├╝ber Social Media betreibt. ┬źAus der 2014 lancierten Diakonie-Kampagne haben wir erfahren, dass es viele junge Frauen gibt, die sich in der Sozialdiakonie engagieren k├Ânnten.┬╗ Und ein wichtiger Kanal um diese Zielgruppe zu erreichen, seien die sozialen Medien, sagt ten Doornkaat.

Kirchenferne erreichen
In der Kirchgemeinde Oberstrass konnten junge Frauen, vor allem junge M├╝tter, via Facebook ├╝ber das Angebot im Kirchgemeindehaus informiert werden. Das h├Ąufig leerstehende Geb├Ąude sollte belebt und so in ein Gemeindezentrum verwandelt werden.

┬źAuch Familien und Kinder, die sonst nicht mit der Kirche zu tun haben, wollten wir erreichen┬╗, sagt Werner Sieg, verantwortlich f├╝r die ├ľffentlichkeitsarbeit, Diakonie und Freiwilligenarbeit in Oberstrass. ┬źViele junge M├╝tter kommen heute, nachdem sie die Kinder in die nebenstehende Schule gebracht haben, noch im Gemeindezentrum vorbei.┬╗

Positive Bilanz
Sieg zieht eine positive Bilanz nach dem einj├Ąhrigen Testlauf: ┬źWir haben bei Facebook auf den raschen Erfolg gehofft, um mehr Menschen durch Facebook auf das Angebot der Kirchgemeinde aufmerksam zu machen.┬╗ Doch auch bei Facebook brauche es Geduld, denn ein Umdenken m├╝sse stattfinden. Das weiss der 73-J├Ąhrige aus eigener Erfahrung: ┬źUm auf den Literaturzirkel aufmerksam zu machen, denke ich nicht immer als Erstes an Facebook.┬╗

Auch wenn man via Facebook junge M├╝tter f├╝r das Gemeindeleben gewinnen konnte, nicht erreicht wurden die Jugendlichen. ┬źDie treffen sich nach wie vor lieber an anderen Pl├Ątzen und nicht in unserem Gemeindezentrum┬╗, sagt Sieg. Deshalb ├╝berlegt sich die Kirchgemeinde Oberstrass, ob sie neben Facebook nun auch einen Instagram-Account er├Âffnen soll.

Nicola Mohler / reformiert. / 25. April 2017

ÔÇĘDieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von ┬źreformiert.┬╗, ┬źInterkantonaler Kirchenbote┬╗ und ┬źref.ch┬╗.

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