Baselland, Basel-Stadt, Luzern, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, Uri, Zug

Ein Gartenprojekt treibt Blüten

min
01.01.2016
Seit einem Jahr existieren in Schaffhausen zwei Familiengärten für Flüchtlingsfrauen. Der Garten im Niklausen-Quartier bietet nun Platz für weitere Frauen. Projektleiterin Monika Wirz hofft, dass das Gartenareal zum Quartier-Treffpunkt wird.

Im Mai 2014 setzten rund 14 Frauen aus Eritrea, Indien, Thailand, Sri Lanka und der Dominikanischen Republik im Niklausen-Quartier den Spaten an. Sie machen rund 200 Quadratmeter brachliegendes Erdreich fruchtbar für einen Familiengarten. Das Projekt, lanciert vom Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz, Heks, fördert die Integration von Flüchtlingsfrauen und Migrantinnen. Die Evangelisch-reformierte Landeskirche Schaffhausen sowie die OeME Fachstelle Schaffhausen unterstützen die Initiative. «Ein gemeinsamer Garten ist eine tolle Motivation, aus dem Haus zu gehen, andere Frauen zu treffen und sich auszutauschen,» erläutert Monika Wirz die Grundidee des Projektes. «Gerade für Frauen, die in beengten Wohnverhältnissen wohnen, bietet der Garten Luft zum Durchatmen.»

Gesundes Gemüse anpflanzen
Deepa Bist stammt aus Indien und lebt seit 7 Jahren in der Schweiz. «Ich war schon immer ein grosser Gartenfan, wusste aber nicht, wie man das anpackt», sagt sie. Als sie vor eineinhalb Jahren im Deutschkurs von Integres vom Heks-Gartenprojekt hörte, war sie begeistert. «Das war meine Chance, endlich einen eigenen Garten aufzubauen.» Sie habe viel über Biogärten gelernt. «Bisher war mir nicht bewusst, wie wichtig es ist, gesundes Gemüse aus einem gesunden Boden zu essen. Deepa Bist hofft auf einen guten Sommer. Sie hat viel vor. Tomaten, Chili, Blumenkohl, Gurken, Koriander, Tomaten, Rettich will sie anpflanzen. Darüber hinaus mit ihrer Familie den Garten geniessen. Gemeinsam mit anderen.
Bei der Gartenarbeit gleich noch Deutsch lernen
Bereits im Jahr 2005 hat das Heks den ersten Garten in Basel eröffnet. Seither wurde das Erfolgsmodell in sieben Kantonen umgesetzt. In Schaffhausen begann das Projekt im Frühjahr vor einem Jahr mit einem Familiengarten für Flüchtlingsfrauen auf der Breite. Weil dieses Gartenareal platzmässig beschränkt ist, suchte Monika Wirz nach weiteren Gartenplätzen und wurde im Niklausen-Quartier fündig. Aus den 30 interessierten Frauen hat sich mittlerweile eine stabile Gruppe von rund 14 Frauen gebildet. Jeden Mittwochnachmittag treffen sich die Frauen, um zu lernen, was es braucht für einen Biogarten.
Nach der Eröffnung der Gartensaison am 25. März finden diese Nachmittage dann wieder im Garten statt. Gärtnerin Ilona Bächler unterstützt die gemeinsamen Gartenarbeiten fachkundig. Kinder sind an diesen Nachmittagen im Garten sehr willkommen, sie werden von Ruth Haltiner betreut. Das Heks stellt den Frauen die notwendigen Werkzeuge zur Verfügung, das Saatgut steuern die Gärtnerinnen selber bei. «Wir sind dankbar um Unterstützung», sagt Monika Wirz, «sei es durch einen Spendenbeitrag oder durch freiwillige Einsätze.» Zum Beginn der Gartensaison will Monika Wirz über die Deutschkurse von Integres und dem Arbeiterhilfswerk SAH weitere Frauen einladen. Deutsch zu lernen, ist ein weiteres Ziel des Gartenprojektes: «Weil die Frauen verschiedene Sprachen sprechen, müssen sie auf Deutsch zurückgreifen, um sich untereinander zu verständigen», sagt Monika Wirz.
Sie würde sich wünschen, dass mehr Nähe zum Quartier und seiner Bevölkerung entstünde: «Es wäre schön, wenn die Gärten vermehrt als Treffpunkt im Quartier genutzt würden, man darf gerne jederzeit hereinschauen.»



Zum Bild: Der Familiengarten im Niklausen-Quartier gedeiht durch gemeinsames Arbeiten. Beim Bestellen der Beete wird viel gelacht, das Arbeiten an der frischen Luft macht sichtlich Freude. | peps

Adriana Schneider

Unsere Empfehlungen

20 Jahre «Bibel in gerechter Sprache»

Die Evangelische Kirche in Deutschland lehnte die «Bibel in gerechter Sprache» einst ab, nun würdigt sie die Übersetzung, die Gott nicht «Herr» nennt. Mitgewirkt hat auch die Basler Theologin Luzia Sutter Rehmann.
Das letzte Drittel

Das letzte Drittel

Wann ist man eigentlich alt? Der ehemalige Industriepfarrer Martin Dürr hat sich dafür vor Jahren eine eigene Formel zurechtgelegt. Ob sie noch stimmt, überlegt er nun neu.