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«Eine Wirkung gibt es immer»

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28.02.2023
Seit zehn Jahren wird in der Lukaskirche in Luzern Handauflegen praktiziert. Die Initiantin Yvonne Lehmann berichtet von ihren Erfahrungen.

Zw├Âlf Jahre ist es her, als Yvonne Lehmann, 68, von der Reformierten Teilkirchgemeinde Stadt Luzern die Erlaubnis erhielt, Handauflegen zu praktizieren. Zehn Jahre sp├Ąter hat sie ein Team von 20 Helferinnen und Helfern aufgebaut, das ├Âkumenische Projekt ist gut integriert und wird von reformierter wie auch von katholischer Kirche unterst├╝tzt.

Jeden Freitagabend, das ganze Jahr ├╝ber, bietet sie zwischen 17 und 19 Uhr in der Lukaskirche Handauflegen an. Vier Helferinnen stehen bereit, eine Person empf├Ąngt die Besucherinnen und Besucher, drei stehen f├╝rs Handauflegen und f├╝r ein Gespr├Ąch zur Verf├╝gung.

Es kamen mehr als gedacht
Yvonne Lehmann erinnert sich noch gut an die Anf├Ąnge. ┬źAm ersten Abend kamen viel mehr Menschen, als wir dachten, 12 an der Zahl. Das war anstrengend, aber ein guter Start.┬╗ Mittlerweile hat sich die Zahl der Besucher eingependelt. ┬źManche kommen regelm├Ąssig, andere schauen zum Schnuppern vorbei und bleiben h├Ąngen.┬╗ Dabei ist das Handauflegen keine Luzerner Erfindung. Am l├Ąngsten kennt man es in der Elisabethenkirche in Basel, seit rund 20 Jahren, auch in Z├╝rich und St. Gallen wird es praktiziert.

Die Handaufleger haben unterschiedliche berufliche Hintergr├╝nde. Viele arbeiten in der Kirche, andere in der Beratung oder der Pflege. Auch die Techniken sind unterschiedlich. Yvonne Lehmann, ehemals Diakonin, etwa hat bei Anne H├Âfler gelernt. Diese hat unter dem Titel OpenHands eine kontemplative Form des Handauflegens entwickelt. Die Menschen werden meist an der Schulter, am R├╝cken oder an der Hand ber├╝hrt. Doch eigentlich sei es egal, wo, sagt Lehmann. Die Wirkung sei dieselbe. Zuvor fragt sie jedoch, was das Anliegen des Besuchers, der Besucherin ist. Manche erz├Ąhlen dann aus ihrem Leben. Oder berichten von Schmerzen im K├Ârper.

Sitzung geht eine halbe Stunde
┬źWer etwa Knieschmerzen versp├╝rt, bei dem macht es Sinn, die Hand dort hinzulegen. Eine Wirkung, eine Resonanz gibt es immer.┬╗ Eine der Helferinnen, Verena K├╝ttel, 75, ehemals Supervisorin, hat ihre Ausbildung in England absolviert. Ihr Ansatz ist mehr spiritualistischer Natur. ┬źEs gibt keine Vorgabe, wo die Hand aufgelegt wird┬╗, sagt Verena K├╝ttel. ┬źEs geht viel mehr darum, in Verbindung zur g├Âttlichen Kraft zu kommen und zu bleiben.┬╗

Die meisten Sitzungen dauern etwa eine halbe Stunde. Bezahlen muss niemand daf├╝r, doch freut man sich ├╝ber eine Spende. Die Mitarbeitenden erhalten kein Geld f├╝r ihren Einsatz. Das, was eingenommen wird, wird in die Weiterbildung investiert. Und das Ergebnis? Auf Wunderheilungen warte man noch, sagt Yvonne Lehmann lachend. ┬źWir sehen jedoch viele Menschen, die bedr├╝ckt sind, wenn sie zu uns kommen. Beim Rausgehen wirken sie anders. Die meisten f├╝hlen sich getragen, sagen, es tue ihnen gut.┬╗

Neue T├╝ren ├Âffnen sich
Ein Dauerklient schrieb ihr unl├Ąngst, dass er sich verstanden und getragen f├╝hle auf seinem schwierigen Weg. Aufgrund des grossen Zuspruchs wurde das Projekt mittlerweile ausgeweitet. Seit einem Jahr wird auch in der katholischen Peterskapelle Handauflegen angeboten: einmal im Monat, jeweils samstags nach dem Mittagsimpuls ┬źzw├Âlfnachzw├Âlf┬╗. Auf Einladung war man vergangenes Jahr auch im Alterszentrum Rosenberg in Luzern. Vier Tage lang boten sie im Rahmen von speziellen Wohlf├╝hltagen Einzelsitzungen an. Zahlreiche weitere Anfragen werden gepr├╝ft. ┬źEs gehen T├╝ren auf, wo ich es nicht gedacht h├Ątte┬╗, sagt Yvonne Lehmann.

Und wie wirkt das Handauflegen auf die Handauflegenden selbst? ┬źMein Glaube ist dadurch noch gewachsen┬╗, sagt Yvonne Lehmann. ┬źDas Handauflegen war ein Kerngesch├Ąft von Jesus. Er hat das getan, was Menschen guttut. Das hat mir den Mut gegeben.┬╗

 

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