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EU-Fördergelder für Basler Theologieprojekt

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01.01.2016
Martin Wallraff, Professor für Kirchengeschichte an der Uni Basel, erhält vom Europäischen Forschungsrat drei Millionen Franken für ein internationales Bibelforschungsprojekt.

Rund 3000 Handschriften in Altgriechisch wird das Forscherteam um den Theologen Martin Wallraff in den nächsten vier Jahren an der Theologischen Fakultät in Basel unter die Lupe nehmen. Dabei handelt es sich um sogenannte Paratexte. Das sind Passagen, die einen biblischen Haupttext ergänzen wie zum Beispiel Inhaltsverzeichnisse, Gebete, Besitzvermerke, Kapiteleinteilungen oder kurze Einleitungen. Die herkömmliche Bibelforschung im Protestantismus interessiere sich ausschliesslich für den originalen «Ur-Text», kritisiert Martin Wallraff: «Wir hingegen wollen untersuchen, wie Paratexte die Überlieferung der Bibel beeinflussten und begleiteten.»

Ein Blick in die Zeit der Schreiber
Die Ergänzungstexte können wesentliche Informationen über ihre Entstehungszeit liefern. Als Beispiel führt Martin Wallraff eine Schlussnotiz am Ende des Matthäusevangeliums an. Sie ist in einer Handschrift des 13. Jahrhunderts erhalten. Die Notiz lautet: «Das Evangelium nach Matthäus ist in hebräischer Sprache geschrieben und von ihm [Matthäus] selbst in Jerusalem acht Jahre nach der Himmelfahrt Jesu herausgegeben worden. Es wurde von dem Apos­tel Jakobus, dem Herrenbruder, [ins Griechische] übersetzt; dieser war Bischof dem Fleische nach und ist von den Heiligen Aposteln ordiniert worden.» «Man sollte diesen Paratext nicht als neue historische Information zum Matthäusevangelium deuten», erklärt Wallraff. Die Notiz sei vielmehr als «historische Information über die Zeit des Schreibers» im Mittelalter zu deuten: «Sie drückt aus, welches biblische Grundwissen damals für wichtig gehalten wurde mit welcher Brille der Text gelesen wurde.»
«Das Mittelalter wird nur allzu gerne als notwendiger finsterer Kanal durchschritten von der Entstehungszeit der Bibel bis in die Gegenwart», meint Wallraff. Das Projekt «Paratexte der Bibel» erbringe fehlendes historisches Wissen über jene «dunkle» Zeit. «Die Bibel ist eine jahrhundertealte Geschichte, die sich ständig fortschreibt», so der Kirchenhistoriker. Es sei die «Faszination für das grosse Buch der Menschheit», die ihn ansporne, diese aufwendige Forschungsarbeit in Angriff zu nehmen.

Internationale Zusammenarbeit
Das Quellenmaterial, das die Forscher untersuchen, reicht vom frühen Christentum bis zum Beginn des Buchdrucks im 15. Jahrhundert. Die Handschriften sind gemäss Wallraff heute über die ganze Welt verteilt, schwerpunktmässig in Europa. Viele von ihnen sind bereits vom Institut für neutestamentliche Textforschung an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster digitalisiert worden: «Das ist eine enorme Arbeitserleichterung», sagt der Theologieprofessor. Auch mit dem Institut de recherche et dhistoire des textes in Paris arbeitet man eng zusammen. Ziel des Forschungsprojektes ist es, die 3000 Handschriften zu erfassen, zu untersuchen und einige Paratexte in gedruckter Form herauszugeben.



Zum Bild: In dieser Bibelhandschrift beginnt der Text der Apostelgeschichte unter dem Bild. Darum herum finden sich diverse ergänzende Passagen, sogenannte Paratexte. | Patrick Andrist

Anna Wegelin

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