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Franziskus kam, sah und segnete

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22.06.2018
Der Papst war am 21. Juni beim Weltkirchenrat in Genf zu Gast. Er rief zur Einheit der Christen auf und feierte mit 41 000 Fans eine Messe. Die Erwartungen waren gross. Konkretes zur Ökumene hörte man von Franziskus aber kaum.

Der Weltkirchenrat ├ľRK feiert in diesem Jahr sein 70-j├Ąhriges Bestehen und lud aus diesem Anlass Papst Franziskus in die Schweiz ein. 350 Kirchen mit rund 500 Millionen Christen geh├Âren dem ├ľRK an, darunter Lutheraner, Reformierte, Anglikaner, Orthodoxe sowie einige Pfingst- und Freikirchen. Die katholische Kirche mit ihren weltweit 1,2 Milliarden Mitgliedern ist nicht Mitglied des ├ľRK.

Zehntausende Menschen reisten nach Genf, um Franziskus zu sehen. Darunter drei Bundesr├Ąte und etliche Vertreter der christlichen Kirchen. Sie kamen mit hohen Erwartungen. Olav Fykse Tveit, Generalsekret├Ąr des ├ľRK, meinte schon als er den Papst begr├╝sste: ┬źDies ist ein Tag, den viele Menschen in aller Welt herbeigesehnt haben und f├╝r den sie gebetet haben.┬╗

Hoffnung auf Fortschritte in der ├ľkumene
Viele erhofften sich vom Papstbesuch Fortschritte vorab in der ├ľkumene.Bruder Alois, Prior der Taiz├ę-Gemeinschaft, erwartete mehr Elan f├╝r die ├ľkumene und dass Franziskus die sichtbare Einheit in Erinnerung ruft. Auch Lurdes Guimaraes Teixeira, die in der Kommunikationsabteilung des ├ľRK in Genf arbeitet, unterstrich die Bedeutung des p├Ąpstlichen Auftritts. ┬źSein Besuch ist ein Schritt auf eine sichtbare Einheit hin.┬╗

Vom Besuch bleibt der Eindruck eines charismatischen Papstes, der beim Bad in der Menge Kleinkinder segnete und mit begeisterten Gl├Ąubigen und Vertretern der christlichen Kirchen eine katholische Messe feierte. In seiner Ansprache blieb Franziskus jedoch eher vage.

Wurden die hohen Erwartungen trotzdem erf├╝llt? Ja meint, Martin Hoegger, reformierter Pfarrer aus dem Kanton Waadt. Es habe ihn ber├╝hrt, dass der Papst mit dem Besuch den Schwerpunkt auf den ├ľRK legte. ┬źDas Schiff der katholischen Kirche gibt einen neuen Impuls f├╝r die Einheit der Christen.┬╗ Dem stimmt auch Bisch├Âfin Rosemarie Wenner aus Deutschland zu, die den Weltrat methodistischer Kirchen im ├ľRK vertritt. Jetzt brauche es weitere gemeinsame Schritte f├╝r mehr Einheit und Ver├Ąnderung in der Welt. Das f├╝hre zu mehr Gerechtigkeit und Frieden - einem Herzensanliegen der Weltmethodisten.

Zufrieden mit dem Papstbesuch ist auch Georges Tamer, Mitglied der antiochisch-orthodoxen Kirche im Libanon. F├╝r ihn war es ein bedeutendes Zeichen der ├Âkumenischen N├Ąhe: ┬źDer Vatikan nimmt die ├Âkumenische Bewegung jetzt voll und ganz wahr. Franziskus liegt daran, mit uns zusammen zu feiern.┬╗ ┬źFranziskus zeigte uns, was die Einheit der prophetischen Stimme in der Welt bedeutet┬╗, sagt Pfarrerin Deolinda da Gra├ža Paulo Teca, Generalsekret├Ąrin des Rates christlicher Kirchen in Angola

Die Frauen warten auf ein Zeichen
Auch die Frauen meldeten sich mit ihren Anliegen zu Wort. Pfarrerin Laurence Ganglaff aus Hagenau im Elsass vertritt das internationale Komitee des Weltgebetstags. Sie hoffte, den Papst pers├Ânlich zu treffen, um ihm ein Poster des Weltgebetstags zu ├╝bergeben und ihm zu sagen, wie sehr die Frauen darauf warteten, dass er ihnen einen Platz gebe in der grossen Kirche. Ganglaff m├Âchte, dass der Papst mit den Frauen am Weltgebetstag mitbetet, dies w├╝rde eine ├ľffnung der katholischen Welt bedeuten. Im Elsass sei es schwierig, in einen Dialog mit katholischen Autorit├Ąten zu treten. ┬źWenn der Papst mit uns Frauen beten w├╝rde, w├╝rde er damit sagen: Ich habe mich informiert ├╝ber das, was ihr tut. Das w├Ąre ein wirkliches Zeichen.┬╗

Ob dies in Zukunft geschieht, bleibt offen. Zuzutrauen w├Ąre es Franziskus. ┬źDer Papst wird uns noch ├╝berraschen┬╗, prophezeit Jane Stranz Pfarrerin in der protestantischen unierten Kirche Frankreichs.

Esther R. Suter, Genf, kirchenbote-online.ch, 22. Juni 2018

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