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Kirche Kunterbunt

Glauben zum Anfassen und Erleben

von Carole Bolliger
min
22.04.2026
Basteln, singen, reden, essen und dabei Glauben entdecken: Die Kirche Kunterbunt geht neue Wege. In Luzern wächst das ökumenische Angebot stetig und zeigt, wie Kirche heute für Familien erlebbar werden kann. 

Kaffee dampft in Bechern, Kinder rennen zwischen Bänken hindurch, irgendwo wird gelacht. Auf einem Tisch stehen Sirup und Zopf, daneben liegen Stifte, Namensschilder, Bastelmaterial. Familien kommen an, bleiben stehen, beginnen zu reden. Es ist kein Gottesdienst, wie man ihn kennt – und doch ist es genau das. Es ist Kirche Kunterbunt, für Kinder ab vier Jahren und ihre Familien.

«Es ist ein lockeres Ankommen», sagt Silvia Olbrich. Sie ist seit 2014 Pfarrerin im Weinbergli der Reformierten Kirche Stadt Luzern mit Schwerpunkt Kinder und Familien. Eine halbe Stunde Zeit, um sich einzufinden, sich zu begegnen. Dann beginnt ein gemeinsamer Einstieg: eine biblische Geschichte, erzählt als kleines Anspiel, mit einfachen Liedern, die Kinder und Erwachsene gleichermassen mitnehmen. Kurz, konzentriert und dann geht es weiter in die verschiedenen Ateliers.

Dort wird gebaut, gemalt, musiziert, gepflanzt. Bei der nächsten Kirche Kunterbunt am 3. Mai geht es um das Thema «Wachsen». Kinder und Erwachsene pflanzen Blumen, lassen Papierblüten im Wasser aufgehen, drücken mit Musik und Bewegung aus, was es heisst, zu wachsen. Immer dabei: die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, zu erzählen, zu beten. «Wir haben auch eine Segensstation», sagt Olbrich. «Ein ganz stiller Ort.»

Angebot wächst

Was die Kirche Kunterbunt besonders macht: Die Familien erleben alles gemeinsam. Es ist kein Kinderprogramm. Niemand bringt sein Kind und holt es später wieder ab. «Es ist ein gemeinsames Erproben von Glauben», sagt Olbrich. Kinder lernen von Erwachsenen und umgekehrt. Entstanden ist das Format ursprünglich in Deutschland. In Luzern wurde es 2023 gestartet, von Anfang an ökumenisch. Reformierte und katholische Kirche ar­beiten zusammen, wechseln sich in den Räumen ab. Für die Teilnehmenden spiele das kaum eine Rolle, sagt Olbrich. «Es ist einfach ein Miteinander.»

Rund 40 bis 50 Menschen nehmen jeweils teil. Keine grossen Zahlen. Und doch: «Wenn es für die Familien, die kommen, ein gutes und wertvolles Angebot ist, dann haben wir erreicht, was wir wollen.» Der Anspruch, möglichst alle zu erreichen, sei nicht mehr zeitgemäss. «Sonst macht man gar nichts mehr.»

Was wächst, ist nicht nur das Vertrauen, sondern auch das Angebot selbst. Begonnen hat die Kirche Kunterbunt mit drei Anlässen pro Jahr, inzwischen sind es vier. Für das kommende Jahr ist eine weitere Ausweitung geplant. «Wir möchten das Format häufiger anbieten», sagt Olbrich. Auch inhaltlich wird weiter­gedacht: So könnten künftig gezielt Angebote für ältere Kinder entstehen, die langsam aus dem bisherigen Rahmen herauswachsen.

Modell für die Zukunft

Kirche Kunterbunt ist ein Experiment und gleichzeitig mehr als das. «Ich glaube, es ist ein Modell für die Zukunft», sagt Olbrich. Ein Format, das sich weiterdenken lasse, auch für andere Generationen. Ein Raum, in dem Glauben nicht nur erklärt, sondern erlebt wird. Gleichzeitig fordert dieses Modell auch heraus. Innerhalb der Kirche stellt sich die Frage, wie viel Raum neue Formen einnehmen dürfen. Wenn Angebote für Familien wachsen, verändert sich das Gefüge. «Das muss man aushalten», sagt Olbrich. Es gehe nicht darum, etwas wegzunehmen, sondern darum, neue Zugänge zu schaffen.

Auch die Frage nach der Wirkung bleibt offen. Erreicht man damit auch nicht kirchennahe Menschen? Oder vor allem jene, die ohnehin eine gewisse Nähe mitbringen? Olbrich bleibt realistisch: «Ganz Kirchenferne kommen wahrscheinlich gar nicht.» Und doch entstehen neue Kontakte, neue Begegnungen, neue Formen von Zugehörigkeit.

Und was bleibt? Was geschieht nach diesen Begegnungen, wenn Kinder älter werden, wenn sich Lebensphasen verändern? Eine klare Antwort gibt es nicht. «Ich hoffe, dass etwas bleibt», sagt die reformierte Pfarrerin. Erfahrungen, die tragen. Erinnerungen, die wiederkehren. Vielleicht später, wenn eigene Kinder da sind.

Für sie ist Kirche Kunterbunt vor allem eines: eine Form von Kirche, die näher am Leben von Familien ist. «Miteinander sein, miteinander reden, gemeinsam essen», sagt sie. Eine Kirche, in der Glauben nicht vorgegeben wird, sondern wachsen darf. Oder, mit einem Bild aus der biblischen Geschichte: wie ein Senfkorn. Klein am Anfang. Aber mit der Möglichkeit, zu etwas Grösserem zu werden.

 

Kirche Kunterbunt das nächste Mal am Sonntag, 3. Mai, 10 Uhr, Kirche St. Anton, Luzern. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

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