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«GO EAST»: Vom Prunk des Ex-Diktators und der Armut der Roma

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01.01.2016
In den Sommerferien reisten die Gymnasiasten Jasmine Bosshard und Christoph Buser mit anderen Jugendlichen nach Rumänien. Was sie gesehen und erlebt haben, hat ihre Erwartungen übertroffen.

Bilder von sozialistischen Prunkbauten und kargen Landschaften, Begegnungen mit Gleichaltrigen, der Besuch in einer Romaschule, Sozialarbeit in den Gärten von alten Leuten. Die Reise nach Rumänien werden Jasmine Bosshard und Christoph Buser nicht so schnell vergessen. Sie erlebten ein Land der Gegensätze. Im Sommer flogen sie im Rahmen des Projekts «Go East» zusammen mit zwölf weiteren Jugendlichen und vier Leitern nach Bukarest. Elf Tage lang waren sie in Rumänien unterwegs: «Wir haben so viel erlebt, dass es uns viel länger vorkam», sagen die beiden 16-Jährigen aus Pratteln und Augst und lassen ihre Eindrücke Revue passieren.
In der rumänischen Hauptstadt Bukarest besichtigte die Gruppe das ehemalige «Haus des Volkes» und heutige Parlamentsgebäude. Ein gigantischer Palast, den der kommunistische Diktator Ceaușescu in den Achtzigerjahren errichten liess. Am nächsten Tag führte sie eine Fahrt auf dem Pferdewagen in eine abgelegene Romasiedlung in der Nähe von Ilieni. Krasser könne man sich den Gegensatz von Überfluss und Elend kaum vorstellen, meint Christoph Buser. «Als ich die armseligen Hütten sah, war ich froh, dass ich in der Schweiz lebe und wir es so gut haben hier», sagt Jasmine Bosshard.

Unkraut jäten und abwaschen
Doch es gab auch Verbindendes. Mit den Jugendlichen aus Ilieni, die sie zum Ausflug mit den Fuhrwerken eingeladen hatten, verstanden sie sich auf Anhieb, obwohl sie kein deutsch und kaum englisch sprachen: «Wir spielten zusammen Fussball und sie nahmen uns am Abend mit in den Ausgang», erzählt Christoph Buser.
Auch die Arbeiten, die sie für alte und pflegebedürftige Leute erledigten, brachten die beiden Gymnasiasten in Kontakt mit der lokalen Bevölkerung. Unkraut jäten, Rasen mähen, die Einfahrt von Hundekot säubern, Vorhänge und Geschirr waschen «Die Leute waren stolz darauf, dass ihr Heim wieder schön und sauber aussah. Vor allem aber freuten sie sich darüber, dass wir vom anderen Ende Europas zu ihnen kamen und uns für sie interessierten», betont Jasmine Bosshard.
Im Dorf Roșia bei Sibiu war die Gruppe dann zu Gast in einer Schule für Romakinder, die unter anderem durch Spenden aus der Schweiz finanziert wird. Zwar leben auch hier Rumänen und Roma getrennt. Doch einige der Romafamilien haben es zu bescheidenem Wohlstand gebracht. Die Trostlosigkeit, wie sie sie in der Siedlung bei Ilieni angetroffen hatten, sei hier nicht zu spüren gewesen, erinnern sich Jasmine Bosshard und Christoph Buser. Die Schule vermittle den Kindern Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Sich auf Unbekanntes einlassen
Wenn sie höre, wie die Leute in der Schweiz klagten, denke sie, dass es ihnen gut täte, einmal zu sehen, wie schlecht es vielen in Rumänien gehe, sagt Jasmine Bosshard. Allerdings müsse man für eine solche Reise offen sein für Neues und arbeitswillig: «Ich lerne gerne neue Länder kennen, auch ihre weniger schönen Seiten.» Man müsse bereit sein, sich auf Unbekanntes einzulassen, pflichtet ihr Christoph Buser bei: «Viele haben Vorurteile.» Beide würden sofort wieder mitfahren: «Die Reise hat unsere Erwartungen übertroffen und sie hat uns als Gruppe zusammengeschweisst.»





«Go East»
Begegnungsreisen für junge Erwachsene. Mit dem Projekt «Go East» will die reformierte Kirche Baselland Jugendliche im Alter von 16 bis 20 Jahren ansprechen. Die Reise nach Rumänien vom 29. Juli bis zum 8. August wurde organisiert vom Pfarramt für weltweite Kirche, von der Fachstelle für Jugendarbeit, der Kirchgemeinde Pratteln-Augst und dem HEKS.




Zum Bild: Von links: Christoph Buser mit Reisegefährten Romana Giossi und Luc Vögtlin in einer Burg in der Nähe von Brasov. |zvg

Karin Müller

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