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«Ich verurteile nicht mehr»

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05.01.2018
Die neue Schaffhauser Kirchenrätin Cornelia Busenhart-Hofer ist Fachfrau für Kultur- und Führungskräfteentwicklung. Ihr Know-how will sie in den Kirchenrat einbringen.

Ihr Lachen ist herzlich und offen. Der Blick wachsam und klar. Cornelia Busenhart-Hofer, die neue Frau im Schaffhauser Kirchenrat, strahlt Sicherheit aus. Seit ihrer Wahl an der Novembersynode amtet sie als Nachfolgerin von Marcelina Z├╝rcher f├╝r das Ressort Entwicklungszusammenarbeit. ┬źEin Arbeitsgebiet, f├╝r das mein Herz schl├Ągt┬╗, wie sie sagt.

Dialog st├Ąrken

Das fachliche R├╝stzeug hat sich der selbstst├Ąndige Business-Coach bei World Vision erworben. Busenhart-Hofer war vier Jahre lang verantwortlich f├╝r die Kultur- und F├╝hrungskr├Ąf-teentwicklung w├Ąhrend einer Umbruchphase. Die angestrebte Zusammenarbeit mit Firmen erforderten sowohl Professionalisierung wie hohe Fachkompetenz. ┬źEs wurden viele neue Leute ins Boot geholt, s├Ąkular, landeskirchlich und freikirchlich orientierte F├╝hrungsleute und Mitarbei- tende arbeiteten zusammen. ┬źMeine Aufgabe war es, ein Konzept zu erstellen, wie diese verschieden denkenden Menschen am besten zusammenarbeiten konnten.┬╗ Busenhart-Hofer f├╝hrte eine wertsch├Ątzende Gespr├Ąchskultur ein und sch├Ąrfte das Bewusstsein f├╝r den gemeinsamen Nenner. Ihr Fachwissen will sie im Kirchenrat einsetzen. ┬źIch werde mich f├╝r den Dialog starkmachen, den wir in grossem Respekt voreinander f├╝hren m├╝ssen.┬╗

Auf die Kirche bezogen hat sie w├Ąhrend der Wahlgespr├Ąche ein Bed├╝rfnis und Handlungsbedarf nach Entwicklung wahrgenommen. ┬źEffizienz, Umsetzung und Kompetenzfragen sind f├╝r mich F├╝hrungsthemen, die auch die Kirche betreffen.┬╗

Als bei World Vision im Jahr 2016 ein weiterer Strategiewechsel anstand, stieg Cornelia Busenhart-Hofer aus und machte sich selbstst├Ąndig. ┬źIch w├Ąre sonst nicht glaubw├╝rdig ge- wesen┬╗, sagt sie. Und Glaubw├╝rdigkeit ist ihr wichtig. Genauso wie Klarheit und Ruhe.

Herz in der Landeskirche

Letzteres holt sich die Grossmutter einer Enkelin im Kr├Ąutergarten Allerheiligen, im Schaffhauser M├╝nster und im Abendgebet auf der Insel Werd. ┬źAn solchen Orten komme ich zur Ruhe und kann ├╝ber das Leben nachdenken┬╗, sagt sie. Die Reflexion ist ein Lebenskonzept, das sie seit mehr als 20 Jahren pflegt. ┬źAus der Reflexion heraus geht man anders an die Dinge heran als aus dem Trubel.┬╗

Dieses Erleben w├╝nscht sie auch Arbeitnehmern und F├╝hrungskr├Ąften, die unter Leistungsdruck leiden. ┬źMein Traum ist, dass diese den sakralen Raum als Ort der Erquickung┬áentdecken. Es w├Ąre sch├Ân, wenn wir als Kirche Wege f├Ąnden, das zu unterst├╝tzen┬╗, sagt sie.

In Schaffhausen geboren und aufgewachsen, hatte Kirche im Elternhaus von Cornelia Busenhart-Hofer immer eine Rolle gespielt. Glauben ist f├╝r die Kirchenr├Ątin etwas Befreiendes, das Mut und Hoffnung gibt. ┬źDas Leben von Jesus hat f├╝r mich Vorbildcharakter┬╗, sagt sie.

Nach ihrer Ausbildung als Kinderg├Ąrtnerin und ihrer Heirat lebte sie mit ihrem Mann eine l├Ąngere Zeit lang in Amerika und besuchte dort eine Baptistengemeinde. Nach der R├╝ckkehr war das Ehepaar f├╝r einige Jahre lang Doppelmitglied in der reformierten Landeskirche und der Baptistengemeinde Schaffhausen. ┬źAls junge Familie mit drei Kindern bot die Freikirche ein ideales Umfeld f├╝r uns┬╗, erz├Ąhlt die Buchthalerin. Gleichzeitig engagierte sie sich stark in der reformierten Landeskirche. ┬źIch hatte eine Br├╝ckenfunktion zwischen den Gemeinden. Mein Herz ist aber in der Landeskirche geblieben. Ich wusste immer, dass ich eines Tages zu ihr zu- r├╝ckgehen w├╝rde.┬╗

Wenn sich Cornelia Busenhart- Hofer selber beschreiben soll, sagt sie als Erstes: ┬źIch habe mir abgew├Âhnt, Menschen zu verurteilen.┬╗┬áDer biblische Satz ┬źWer ohne S├╝nde ist, werfe den ersten Stein┬╗ hat f├╝r sie eine besondere Bedeutung. ┬źDie eigenen Erfahrungen haben mich gelehrt, dass Schuldzuweisungen nur verletzen und Entwicklung blockieren. Andere nicht zu verurteilen, ist oft der erste Schritt zum Dialog┬╗, sagt sie. Man sagt ihr nach, dass sie mit unterschiedlichsten Menschen umgehen kann. ┬źDas ist keine nat├╝rliche Gabe von mir┬╗, sagt sie, ┬źdas kommt aus der Reflexion heraus.┬╗ Ihre nat├╝rliche Gabe kann die Kirchenr├Ątin schlecht verstecken. ┬źDas ist meine Fr├Âhlichkeit, mein inneres Kind┬╗, lacht sie.

Adriana Schneider

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