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Inspirierende Lebensgeschichten

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28.03.2022
Hans-Martin Kromer, Pfarrer in Uri, greift den Gottesdienst Intermezzo wieder auf. Er verbindet Lebensschicksale mit der Bibel.

Wie kamen Sie auf die Idee, den Gottesdienst Intermezzo einzuf√ľhren?
Im Kanton Uri gab es bereits vor einigen Jahren Intermezzo-Gottesdienste, die gut bei den Gl√§ubigen ankamen. Deshalb wollte unser Kirchenratspr√§sident Kurt Rohrer diese Gottesdienste wieder beleben. Da ich fr√ľher lange im Bereich der Lebensberatung t√§tig war und weiss, wie gut man Menschen mit pers√∂nlichen Lebensgeschichten abholen kann, war ich sofort von dieser Idee begeistert.

Was ist dabei anders?
Als Teil der reformierten Kirche möchten wir Menschen inspirieren und sie in ihrem Leben stärken, gerade auch diejenigen, die der Kirche nicht so nahestehen. Dazu muss die Kirche neue Formate entwickeln, um Menschen anzusprechen und abzuholen. Ziel der Intermezzo-Gottesdienste ist es, Menschen mit inspirierenden Lebensgeschichten von auswärts am Gottesdienst teilnehmen zu lassen. Zu dem, was erzählt wurde, versuche ich im Anschluss einen biblischen Bezug herzustellen.

Erzählen Sie uns doch bitte vom ersten Intermezzo-Gottesdienst.
Nach einer kurzen Einf√ľhrung habe ich die Sequenz eines Interviews mit Walter Kohl, dem Sohn des deutschen Ex-Bundeskanzlers, gezeigt, das man auf Youtube findet. Walter Kohl erz√§hlt darin von seiner Mutter, die in seinem Jugendzimmer Suizid begangen hatte. Die Aufarbeitung dieses Schicksalsschlags sowie die Vers√∂hnung mit seiner Mutter am Grab ben√∂tigten einen l√§ngeren Prozess. Im Anschluss rundete ich das Thema ¬ęVers√∂hnung¬Ľ mit einem biblischen Bezug ab, in diesem Fall mit der Geschichte von Josef, der sich mit seinen Br√ľdern vers√∂hnte, obwohl sie in verkauft hatten.

Wie sind Sie auf Walter Kohl, den Sohn des ehemaligen Kanzlers, gestossen?
Ich hatte die Biografie von Walter Kohl gelesen. Walter Kohl ist eine interessante Pers√∂nlichkeit, er arbeitet als Lebenscoach und ist sehr geerdet. Ich fand es spannend, in eine Politikerfamilie reinzusehen, die gerade die √Ąlteren von uns noch kennen. Obwohl er schwierige Startbedingungen hatte, schaffte er es, aufgrund seiner Resilienz grosse Krisen zu meistern. Besonders spannend f√ľr mich war das Thema ¬ęVers√∂hnung¬Ľ, das er aus seiner ganz pers√∂nlichen Sicht heraus erz√§hlte. Ich finde es wichtig, dass man das grosse Themenfeld ¬ęVers√∂hnung¬Ľ aus einem christlichen Aspekt heraus thematisiert und heute nicht einfach der Psychologie oder der Spiritualit√§t √ľberl√§sst.

Wie waren die Reaktionen im Anschluss?
Der Gottesdienst per se dauerte rund 40 Minuten. Ich hatte bewusst nicht eine Stunde veranschlagt, denn als Kirche sind wir Reformierten manchmal wortlastig. Wir sollten die Dinge verk√ľrzt und verdichtet auf den Punkt bringen. Im Anschluss gab es einen Ap√©ro f√ľr die Gottesdienstbesucher, frei nach dem Motto: ¬ęAlles kann, nichts muss sein.¬Ľ Fast alle Besucher, die am Gottesdienst teilnahmen, kamen zum Ap√©ro und tauschten sich aus. Eine Teilnehmerin erz√§hlte dort von ihrer eigenen Vers√∂hnungsproblematik. Es war sehr ber√ľhrend, zu sehen, wie sie sich in der Gruppe √∂ffnete und die anderen interessiert zuh√∂rten.

Hätten Sie Walter Kohl lieber live dabeigehabt?
Ich wusste nicht, wie die Situation mit Corona sein w√ľrde. Zudem w√§re ein Live-Auftritt von ihm wohl sehr teuer gekommen.

Wie regelm√§ssig wird der Gottesdienst Intermezzo k√ľnftig stattfinden?
Wir haben monatlich einen Intermezzo-Gottesdienst vorgesehen, vorerst ein Jahr lang. Im November werden wir ein Zwischenfazit ziehen und uns √ľberlegen, was wir verbessern oder √§ndern k√∂nnen.

Welche Themen w√ľrden Sie gerne noch aufgreifen?
Oh, da gibt es viele spannende Themen. Unter anderem das Thema ¬ęPalliativhilfe oder Lebensretter¬Ľ.

Interview: Carmen Schirm-Gasser

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