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Interview mit Maria von Magdala: Das letzte Teil des Puzzles

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01.01.2016
Das Osterereignis wirft Fragen auf. Was geschah am Grab? Maria von Magdala gehört zu den Frauen, die Jesus bis zum Tod am Kreuz folgten. Sie gilt als erste Zeugin der Auferstehung Jesu.

Maria, wie kommt es überhaupt, dass du eine Anhängerin Jesu wurdest?
Maria von Magdala: Jesus hat in meinem Leben eine 180-Grad-Wende bewirkt. Er hat mich von schweren Belastungen und Bindungen befreit, sodass ich ein neues Leben beginnen konnte. Ich habe gemerkt: Dieser Mensch ist etwas Besonderes. Bei ihm spürte ich wahres Leben und wahre Liebe. Als Dank und aus Überzeugung diente ich Jesus und war mit ihm unterwegs.

Bis zum Kreuz.
Ja, das war der traurigste Tag meines Lebens. Da hing das Leben selbst am Pfahl, zu Unrecht und aus lauter Missgunst, Intrigen und Lügen zum Tode verurteilt.

Warum bist du bei ihm geblieben? Diese Situation war auch für dich gefährlich?
Ich war über Jahre selbst innerlich am Sterben, gequält und gefoltert von Mächten, denen ich ausgeliefert war bis Jesus kam und mir eine andere Perspektive und eine neue Lebensqualität schenkte. Für mich war es selbstverständlich, ihm in seinen schwersten Stunden beizustehen.

Warst du alleine?
Nein, da waren noch einige andere Frauen in der Nähe vom Kreuz: Maria, seine Mutter, ihre Schwester und die Mutter des Jakobus und Josef und noch andere.

Wo waren denn die Männer?
Alle weg. Alle aus Angst geflohen. Ausser Johannes.

Und als Jesus gestorben war?
Wohin hätte ich denn gehen sollen? Jesus hatte mir Heimat gegeben. Ich bin ihm zum Grab nachgefolgt, zusammen mit Maria, der Mutter von Jakob und Josef. Wir sahen Josef von Arimathäa zu, wie er Jesus in ein Leinentuch wickelte und in sein eigenes nagelneues Felsengrab legte. Schliesslich wälzten wir einen grossen Stein vor die Tür des Grabes. Wir Frauen setzten uns dem Grab gegenüber hin und trauerten.

Die Evangelien berichten, dass du nach dem Sabbat wieder zum Grab gegangen bist.
Diese Sehnsucht und eine innere Unruhe trieben uns zurück. Wir wollten gemäss der Tradition, Jesu Leichnam mit wohlriechenden Ölen salben.

Was ist passiert?
Es war, wie wenn wir durchgeschüttelt und wachgerüttelt wurden. Wir sahen jemanden, der wie ein Engel oder ein junger Mann aussah, und hörten ihn sagen: Fürchtet euch nicht! Ich weiss, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Geht hin und sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten. Er wird vor euch hingehen nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen.

Und das Grab war leer?
Ja.

Das gibt es doch gar nicht!
Ja, bis zu diesem Zeitpunkt hätte ich das auch so behauptet. Und doch habe ich mit Jesus solche Situationen erlebt, die mein Verstand jeweils als unmöglich einstufte. Die Begegnung am Grab war wie das letzte Puzzleteil, das noch gefehlt hatte. Auch wenn unser Verstand dies immer noch nicht begreift. In Folgendem wich unsere Angst und eine übernatürliche Freude erfasste uns.

Mit Verlaub, für moderne Menschen braucht es handfeste Beweise.
Wir haben unsere Augen und Ohren, unsere Hände und unser Herz. Wir haben gesehen und gehört. Wir durften spüren und das Wesentliche und den Wesentlichen mit unserem Herzen sehen. Für mich ist das Beweis genug. Es hat mein Leben nachhaltig verändert. Solche Erfahrungen sind ja auch für euch moderne Zeitgenossen nicht fremd. Hat nicht der Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry festgestellt «Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar!»? Oder mit Worten der Bibel: «Selig sind die nicht sehen und doch glauben!»

Interview Sabine Herold

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