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Keine Gottesdienste in der Kirche, Seelsorge per Telefon

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18.03.2020
In Zeiten des Notstandes leisten Kirchenmitarbeitende vermehrt praktische Unterstützung, etwa beim Einkaufen oder der Kinderbetreuung. Das zeigt sich zum Beispiel in reformierten Kirchgemeinden im Kanton Zürich.

Schulen, Restaurants, fast alle Gesch√§fte sind geschlossen. Die Schweiz steht still, seit der Bundesrat am Montag den Notstand erkl√§rt hat, um die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Die Einschr√§nkung treffen auch das religi√∂se Leben. Gottesdienste finden nicht mehr statt, einzelne Gemeinden √ľbertragen Predigten √ľber Live-Stream. Taufen, Trauungen und Konfirmationen werden verschoben, wie der Kirchenrat der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Z√ľrich in seinen Massnahmen zur Bek√§mpfung des Coronavirus mitteilte.¬†Auch kirchliche Veranstaltungen m√ľssen abgesagt werden, ob Bibelkreis, Vortrag, Konzert oder Ferienlager.

Tragisch f√ľr die Hinterbliebenen sind die Einschr√§nkungen bei Todesf√§llen: Beerdigungen werden zwar weiterhin durchgef√ľhrt, allerdings nur noch in kleinem famili√§ren Kreis. F√ľr Kinder f√§llt nicht mehr nur der normale Schulunterricht aus, auch der religionsp√§dagogische Unterricht ist gecancelt. Allerdings gibt sich die Kirche kulant: Die verbindlichen Veranstaltungen gelten als besucht und m√ľssen von den Kindern nicht nachgeholt werden.¬†

Die Kirchen bleiben offen
Als einen ¬ęgrossen Vertrauensbeweis¬Ľ wertet der Kirchenrat die Erlaubnis des Bundesrates, die Kirchen weiterhin offen zu lassen. Dies empfiehlt er auch den Kirchgemeinden, um den Menschen die pers√∂nliche Andacht weiterhin zu erm√∂glichen. Allerdings m√ľssten die Gemeinden sicherstellen, dass sich Gl√§ubige nicht spontan in den R√§umen zu Veranstaltungen tr√§fen.¬†

Trotz der weitgehenden Einschr√§nkungen will der Rat ein spirituelles Zeichen setzen. Die Kirchenglocken d√ľrfen am Sonntag weiterhin zum Gottesdienst rufen ‚Äď im Sinne einer ¬ęVersammlung im Geiste¬Ľ, heisst es. Die Massnahmen wirken sich stark auf den Berufsalltag von Pfarrpersonen und weiteren Kirchenmitarbeitenden aus. Pfarrer und Pfarrerinnen d√ľrfen Seelsorgegespr√§che nur noch in Ausnahmen pers√∂nlich f√ľhren. Die Gespr√§che sollen prim√§r √ľber das Telefon oder elektronische Medien erfolgen. In den Spit√§lern mit eigenem Pfarramt sind nur noch die zugewiesenen Pfarrpersonen seelsorgerisch t√§tig.

Wie auch viele andere Arbeitgeber fordert die Kirche ihre Angestellten zum Homeoffice auf. Doch auch die Aufgaben ändern sich: Statt Eltern-Kind-Singen, Jugendtreffs oder Seniorenkreise zu leiten, leisten Sozialdiakone und Pfarrpersonen vermehrt Krisenhilfe.

Die Stadtz√ľrcher Kirchenkreise 3 und 9 schalten unter der Telefonnummer 044 465 4515 eine Helpline auf, bei der sich Menschen melden k√∂nnen, die jemanden zum Reden oder praktische Unterst√ľtzung ben√∂tigen, etwa beim Einkauf oder dem H√ľten der¬†Kinder.¬†¬ęViele Menschen brauchen jetzt ein offenes Ohr. Gerade die Senioren gehen sehr unterschiedlich mit der Situation um, die einen sind extrem ver√§ngstigt, andere ignorieren noch den Ernst der Lage¬Ľ, sagt Pascal Mueller-Born, Betriebsleiter vom Kirchenkreis 3. Sein Team telefoniert derzeit s√§mtliche √§lteren Kirchenmitglieder ab, um die Bed√ľrfnisse der Menschen abzuholen.¬†

Menschliche Nähe trotz Notstand
F√ľr Hilfe in praktischen Belangen arbeitet die Helpline auch mit der Initiative ¬ęSolidarit√§t f√ľr Z√ľrich¬Ľ der Jungen Kirche Z√ľrich zusammen. Sie vermittelt auf ihrer¬†Plattform¬†und √ľber Facebook Menschen, die Hilfe ben√∂tigen, freiwillige Helfer, etwa f√ľrs Einkaufen, die Kinderbetreuung oder das Ausf√ľhren von Hunden. Innerhalb von vier Tagen ist die entsprechende Facebook-Gruppe, gegr√ľndet von Sozialdiakon Simon Brechb√ľhler, auf rund 200 Mitglieder gewachsen.¬†

√Ąhnliche Angebote gibt es auch ausserhalb der Stadt, etwa in St√§fa. Dort bieten Mitarbeiter der Kirche praktische Unterst√ľtzung an. Zudem haben sich Pfarrpersonen und Kirchgemeindeleitung M√∂glichkeiten √ľberlegt, um trotz des Notstandes N√§he zu schaffen. So sollen etwa die Konfirmanden an dem Nachmittag, an dem normalerweise der Unterricht stattfindet, einen √§lteren Menschen aus der Familie oder dem Freundeskreis anrufen. Geplant ist auch die Verteilung von 400 ¬ęErmutigungsrosen¬Ľ an Senioren und weitere Personen - unter Einhaltung der Hygienebestimmungen. Den Chorraum der Kirche will das Pfarrteam mit biblischen Figuren ausstatten. Auf diese Weise solle ein liturgisch gepr√§gter Raum entstehen, der M√∂glichkeiten zu rituellen Symbolhandlungen bietet, so Pfarrer Michael Stollwerk.

Cornelia Krause, reformiert.info, 17. März 2020

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