Keine Ökumene beim Abendmahl
Beim reformierten Abendmahl scheint es fast wie beim Angebot für Kochbücher zu sein: Die Vielfalt an «Rezepten» ist kaum mehr zu überblicken. Doch wo der Appetit fehlt, nützen auch die besten Kochbücher wenig. In einer Beziehung ist die Abendmahlspraxis sogar am Verhungern: in der Ökumene. Das alle Christen verbindende Mahl wird von reformierten und römisch-katholischen Gemeinden kaum mehr gemeinsam gefeiert in welcher Form auch immer. Ja, beim Abendmahl ist das gebrochene Brot zum Symbol für das gebrochene Verhältnis der beiden Kirchen geworden. Die ablehnenden Verlautbarungen aus Rom und Solothurn der vergangenen Jahre haben unter anderem dazu geführt. Eine Annäherung beim Abendmahl ist in den Umfrageergebnissen des Kirchenboten, die in acht Kantonen durchgeführt wurde, nicht erkennbar.
In Basel existiert nur in der «Eglise Française Reformée» eine regelmässige gegenseitige Einladung zu gemeinsamen Gottesdiensten. Bei allen andern Kirchgemeinden werden keine gemeinsamen Abendmahlsfeiern mehr begangen. Dies sei früher möglich gewesen, heute indes nicht mehr, wird zweimal in Bemerkungen zur Umfrage angeführt.
Zum Mahl eingeladen
Geht es indes um die Zulassung von Katholiken zum Abendmahl, dann ist dies in den meisten Kirchgemeinden die Regel. In gewissen Gemeinden werden die Gläubigen anderer Konfessionen sogar speziell zur Teilnahme eingeladen. Diese Gastfreundschaft werde, so die Umfrageergebnisse, von den Angehörigen römisch-katholischen Glaubens auch angenommen und geschätzt. Das Ergebnis deckt sich mit jenem in Basel. Die meisten Gemeinden feiern das Abendmahl einmal monatlich (z.T. inklusive Feiertage) oder weniger. Damit soll auf die besondere Stellung und den Wert des Mahls hingewiesen werden, «Abnützungserscheinungen» könnten so vermieden werden, lautet der Tenor dieser Gemeinden. Wo öfter gefeiert wird, wird argumentiert, dass dadurch der wortlastige Gottesdienst bereichert würde und den Refromierten die Scheu vor dem «frommen» Abendmahl genommen werde oder die Appetitlosigkeit, wie es Professor David Plüss nennt (Artikel Seite 2). Die Gemeinde könne das Abendmahl durch das vermehrte Feiern als etwas Natürliches erfahren und würden dadurch gestärkt.
Monatliche Abendmahlsfeiern
In Basel feiern die meisten Kirchgemeinden zwölf Mal jährlich das Abendmahl, bei gewissen Kirchgemeinden zusätzlich noch an hohen Feiertagen. Nur zwei Seelsorgende wünschten sich mehr Abendmahlsfeiern, wobei die Gemeinden mit dem Status quo zufrieden seien.
Die grösste Vielfalt punkto Abendmahlspraxis herrscht bei der Wahl der Liturgie. Hier findet von der altkirchlichen Praxis über die reformierte Tradition bis zur katholischen, selbst verfassten oder an Taizé angelehnten Liturgie Anwendung auf Deutsch oder Dialekt. Dies trifft auch auf Basel zu, wobei noch die Liturgie der Waadtländer Kirche hinzukommt.
Die Antworten auf die Frage, ob die Kirchgänger die Bedeutung des Abendmahl verstünden, lässt vermuten, dass die Möglichkeiten der Interpretation so zahlreich sind, wie jene der Teilnehmenden. Eine detaillierte Auswertung der Ergebnisse aller vom Kirchenboten bedienten Kantone ist ab 25. April unter www.kirchenbote-online.ch aufgeschaltet.
Umfrage
Angefragt wurden 25 Pfarrerinnen und Pfarrer aus 9 Kirchgemeinden, wovon 9 Antworten aus 6 Kirchgemeinden eingingen, was zwei Drittel entspricht (66,6 Prozent).
Ist die Grundlage die Zahl der angefragten Pfarrerinnen und Pfarrer (25), dann haben 36 Prozent auf die Umfrage geantwortet (9).
Franz Osswald
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