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Keine Zeit? Ewigkeit!

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01.01.2016
Den einen vergeht sie zu schnell, den andern zu langsam: Die Zeit. Obwohl sie genau messbar ist, scheint sie dennoch relativ zu sein. Am Diskussionsabend «Bibel und Wissenschaft» vom 6. November in Riehen wird der Wahrnehmung von Zeit im Christentum und in den Naturwissenschaften nachgegangen.

Was ist die Zeit? Wahrscheinlich geht es vielen bei der Suche nach einer Antwort ähnlich wie Augustinus von Hippo, der im elften Buch seiner «Confessiones» gesteht: «Wenn niemand mich danach fragt, so weiss ich es; will ich es aber einem Fragenden erklären, so weiss ich es nicht.»
In unserem Alltag spielt Zeit eine grosse Rolle, obwohl wir sie nicht sehen, nicht hören, nicht riechen und eigentlich auch nicht fühlen können. Mit unseren Uhren lässt sie sich zwar mit beachtlicher Genauigkeit messen. Zwischen der objektiv gemessenen Zeit und der subjektiv wahrgenommenen bestehen jedoch grosse Unterschiede. Sobald eine Aufgabe in bestimmter Zeit durchgeführt werden muss, ist sie meist zu kurz. Dagegen kann nach einem Unfall das Warten auf die Ambulanz in Zeitlupe ablaufen. Was bedeutet Zeit für Tiere und Pflanzen? Haben Lebewesen eine innere biologische Uhr? Ist diese vom Tageslicht, von den Bewegungen der Sonne und des Mondes abhängig?
In der Physik ist Zeit eine fundamentale Grösse mit einer unumkehrbaren Richtung. Sie dient zur Beschreibung des Geschehens und wird mittels ihrer Messverfahren definiert. Die Zeitmessung gehört zu den ältesten Aufgaben der Astronomie. An der Sonne lässt sich das Vergehen der Zeit mithilfe eines Schattenstabes erfassen. Sonnenuhren sind aber nachts oder bei wolkigem Himmel nutzlos. Daher wurden andere Typen von Messgeräten entwickelt. Lange galt die damit festgestellte «absolute» Zeit als unumstritten, bis Albert Einstein die Relativitätstheorie formulierte. Ihr zufolge gehen bewegte Uhren langsamer als unbewegte, wie es sich mit Cäsium-Atomuhren in Verkehrsflugzeugen belegen liess. Die Zeit ist somit weder absolut noch universell, sondern dehnbar und individuell.

Zeitloser Gott, zeitlicher Mensch
Die Bibel ist reich an Zitaten über die Zeit. Gott hat sie geschaffen, genau wie alles andere auch. Er selbst ist zeitlos. Für den einzelnen Menschen ist die Zeit jedoch begrenzt; er soll sie daher gut nutzen! Im alten Israel wurde wie in der griechisch-römischen Denkweise die Zeit strukturiert; der jeweilige Tagesablauf gleicht mehr oder weniger dem andern sowie auch der Zyklus des Jahres mit seinen stillen und lauten Zeiten. Andererseits bewegt sich die Zeit mit der Abfolge von der Schöpfung, Offenbahrung, Jüngstem Gericht bis hin zum Jenseits linear in die Zukunft. Das christliche auf den Menschen ausgerichtete Zeitverständnis beruht somit auf einem zyklischen sowie auch auf einem linearen Konzept.
Unweigerlich beschäftigen den Menschen Fragen nach der Endzeit, der Zukunft des Universums, der Ewigkeit. Gemäss dem Bibeltext in Offenbarung 10,6 ist die Zeit endlich und vergänglich. Wie sehen dies die Naturwissenschaften? Folgt dem Urknall einmal ein «Big Crunch» und damit ein Ende der Zeit? Das komplexe Phänomen «Zeit» soll auf gut verständliche Weise am diesjährigen Riehener Diskussionsabend vom 6. November im Meierhof bei der Dorfkirche behandelt werden. Die Einführungsreferate werden von Professor Martin Wallraff, Ordinarius für Kirchen- und Theologiegeschichte an der Universität Basel, und von Professor Urs Albrecht, vom Biochemischen Institut der Universität Fribourg, gehalten. Zudem nimmt der Astronom Bruno Binggeli, Professor am Institut für Physik der Universität Basel, an der Diskussion teil.



Donnerstag, 6. November, 20 Uhr, Meierhofsaal bei der Dorfkirche Riehen, Haltestelle «Riehen Dorf», Tram 6.

Hansjakob Müller

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