Kirchenasyl für Flüchtlinge
Gäbe es Platz für Flüchtlinge in Ihrem Kloster? Könnten Sie jemanden aufnehmen? Markus Sahli, theologischer Leiter des Klosters Kappel, schluckt zuerst einmal leer, findet die Frage aber doch «interessant und durchaus bedenkenswert». Das Seminarhotel in den Räumen des ehemaligen Zisterzienserklosters in der Nähe von Baar verfügt über Seminarräume, einen wunderschönen Garten und einen ausgebauten Restaurationsbetrieb. Doch das historische Gebäude wurde vor einigen Jahren total umgebaut.
Heute stehen im ehemaligen Kloster, das der reformierten Zürcher Landeskirche gehört, 74 eher kleine Zimmer mit Bad zur Verfügung. An die Aufnahme einer Familie ist aus diesem Grund nicht zu denken. Kommt dazu: Eine Flüchtlingsfamilie bräuchte Betreuung, gibt Sahli zu bedenken. «Wir könnten sie ja nicht einfach hotel-mässig unterbringen». Dies müsse schon bedacht werden, «so sympathisch und passend die Idee an sich wäre».
Neuer Anlauf, gleiche Anfrage. Diesmal bei Hans Zoss, dem Präsidenten der Stiftung Diaconis in Bern. Das Haus an schönster Aarehanglage in der Stadt Bern beherbergt eine reformierte Schwesterngemeinschaft, Alters- und Pflegeplätze und verfügt über diverse Konferenzräume. Diaconis setzt sich aktiv ein für soziale Integration und gelebte Nächstenliebe. Man habe sich das tatsächlich auch schon überlegt, sagt Hans Zoss. Im Moment sei es aber schlicht nicht machbar. Man habe lediglich ein, zwei leere Betten. Aber: Der Stiftungsrat habe nächstens eine Sitzung. Er werde den Gedanken gerne einbringen. Immerhin wäre ein Flüchtlingsasyl genau auf der Linie des Hauses, die da heisst: Zuwendung für Notleidende.
Die nächste Anfrage führt zur Zürcher Landeskirche, zu Gabriela Bregenzer, der Beauftragten für Migrationsfragen. Sie hat kürzlich die Idee lanciert, dass Kirchgemeinden sich bei der Raumsuche für Flüchtlinge aktiv engagieren. Ein Impulstag für Interessierte am Projekt «Flucht.Punkt» findet am 8. Mai statt. Das Interesse stimme sie zuversichtlich.
Und bereits hat sich die Stadtzürcher Kirchgemeinde Neumünster gemeldet. Sie hat ein leerstehendes altes Kirchgemeindehaus, das sie für eine Flüchtlingsfamilie zur Verfügung stellt. Eine andere Stadtzürcher Gemeinde überlegt sich im Moment den gleichen Schritt.
Fazit: Kirchen sind nicht untätig in der Asylfrage, aber spontanen Aktionen stehen hier und dort noch Hindernisse im Weg.
Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».
Zum Bild: Offene Türen für Flüchtlinge? Bei der Stiftung Diaconis in Bern wäre ein Flüchtlingsasyl «auf der Linie des Hauses».
Marius Schären / reformiert.info
Rita Jost / reformiert.info
Kirchenasyl für Flüchtlinge