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Kirchenblatt schockiert mit Teufel

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08.02.2018
Die aktuelle Frontseite des St. Galler Kirchenboten sorgt für Schlagzeilen. Besorgte Eltern protestieren gegen die dort abgebildete Teufelsmaske, sagen «20minuten» und «Radio FM1». Sie fürchteten um ihre Kinder.

¬ęSo etwas verschickt ihr in alle Briefk√§sten? Wollt ihr meinen Kindern Albtr√§ume bereiten?¬Ľ, twittert ein besorgter Vater. Und weitere schockierte Eltern fragen sich gem√§ss ¬ęRadio FM1 Today¬Ľ, was haben sich die Herausgeber nur dabei gedacht?

In der Tat: Auf dem Cover der j√ľngsten Ausgabe des St. Galler Kirchenboten prangt die diabolische Fratze eines Teufels. Die Ausgabe widmet sich in der Fastnachtszeit dem Satanischen. Das Foto zeige die Gestalt des Ruprechts. ¬ęIn der alemannischen Fastnacht gehen jene Teufel um, welche die B√∂sen in ihr Reich holen¬Ľ, sagt Andreas Schwendener, Chefredaktor des St. Galler Kirchenblatts. Die traditionellen Holzmasken w√ľrden derzeit von jungen Fastnachtsgruppen m√∂glichst schauerlisch dargestellt ‚Äď ¬ęwarum nicht ein solches Foto w√§hlen, um heute den Teufel zu thematisieren?¬Ľ

Generation der Horror- und Zombiefilme

Schwendener ist sich durchaus bewusst, dass die Abbildung auf der Front Kinder √§ngstigen k√∂nnte. Trotzdem habe man sich in der Redaktionskommission f√ľr das ¬ęgf√ľrchige¬Ľ¬†Bild entschieden. Denn es gehe in der Ausgabe nicht um altert√ľmliches Fastnachtsbrauchtum, sondern um den Teufel, wie er in der Bibel bezeugt sei. Um auf dieses Thema aufmerksam zu machen, habe die Kommission eine moderne Teufelsmaske gew√§hlt, die der jungen Generation, die mit Horror- und Zombiefilme aufwachsen, n√§hersteht. Ziel war es, die biblischen Aussagen zum Teufel in Erinnerung zu rufen und zu fragen, ob es nach der Aufkl√§rung noch sinnvoll oder legitim sei, an den Teufel zu glauben.

Probleme mit dem Kruzifix

Die Kirchenbote-Ausgabe mit dem sinnigen Titel ¬ęDer Teufel und die Seinen¬Ľ sorge f√ľr Diskussion, sagt Andreas Schwendener. Eine Mutter erz√§hlte ihm, dass sie die Rietteufel aus Altst√§tten ¬ęzu gf√ľrchig¬Ľ¬†finde. Sie gehe mit ihren Kindern dort nicht hin. Eine Frau rief auf der Redaktion an und berichtete von √§hnlichen Br√§uchen in Wil. F√ľr sie seien √ľbrigens auch die Kruzifixe ein Problem. Kinder im Alter zwischen drei und f√ľnf Jahren k√∂nnten die Darstellung der Kreuzigung nicht verstehen, trotzdem sei sie √ľberall pr√§sent. Dabei wollte sie ihren Kindern so lange wie m√∂glich vermitteln, dass das Leben sch√∂n und die Welt gut sei.

Der Theologe findet es gut, dass die Diskussion ins Rollen kommt. ¬ęGerade im Rheintal, im Sarganserland und im F√ľrstenland werden die Teufel in der Fastnachtszeit umgehen. Etwas Reflexion dar√ľber, dass hinter der Gestalt des Teufels vielleicht doch M√§chtigeres steckt, kann nicht schaden. Damit wird auch die Gottesfrage neu aufgeworfen.¬Ľ

In den Medienforen geht es indes weltlicher zu: Viele verstehen die Aufregung nicht und stellen fest, dass Zombies und andere Monster schon l√§ngst ins Kinderzimmer eingezogen sind. Und ein Mann erkl√§rt trocken zum Kirchenboten im Briefkasten: ¬ęMeine Steuerrechnung macht mir mehr Angst.¬Ľ

Tilmann Zuber, kirchenbote-online.ch 8. Februar 2018,

 

 

 

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