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Klare Worte von Rita Famos kommen gut an

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25.10.2022
Sehr deutliche Kritik richtet Rita Famos, Ratspräsidentin der Evangelischen Kirche Schweiz, an den ÖRK-Generalsekretär zu dessen Treffen mit Russlands Patriarch. Und erhält viel Unterstützung.

Sie sei «entsetzt ob der Mutlosigkeit der Delegation und der Respektlosigkeit gegenüber den Hoffnungen vieler Mitgliedkirchen für dieses Treffen», eröffnete Rita Famos den Beitrag am 22. Oktober auf ihrem Facebook-Profil. Dabei bezog sich die Ratspräsidentin der Evangelischen Kirche Schweiz (EKS) auf ein Treffen von Ioan Sauca, Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), mit dem russischen Patriarchen Kyrill I.

Sowohl über die sozialen Medien wie auch andere Kanäle habe sie «vor allem sehr freundliche, zustimmende und dankbare Nachrichten erhalten», sagt Rita Famos auf Anfrage. Das klare Statement seit mit Erleichterung zur Kenntnis genommen worden. «Die Resonanz hat mich positiv überrascht.»

EKS stellt Fragen an den Ă–RK
Mit dem Kommentar und der Diskussion in sozialen Medien ist die Sache aber nicht abgeschlossen. Die Ratspräsidentin stellt in Aussicht, dass die EKS im Zentralausschuss des ÖRK die Prüfung folgender Fragen beantragen wird:

  • War die Ă–RK-Delegation genĂĽgend vorbereitet auf den Besuch?
  • War sie sich des Missbrauchspotenzials durch das Patriarchat bewusst und hat sich entsprechend vorbereitet?
  • Hat sie die vom Zentralausschuss formulierte Haltung klar kommuniziert?
  • Wie konnte es kommen, dass in der Medienmitteilung der Patriarch unwidersprochen den Krieg als Verteidigungskrieg darstellen konnte?
  • Weshalb waren keine Frauen in der Delegation des Ă–RK?

Ihre Reaktion sei auch aus der persönlichen Betroffenheit heraus entstanden, sagt Famos. Und: «Ich hoffe, ich konnte für diejenigen sprechen, die über die Medienmitteilung des ÖRK unglücklich waren, und signalisieren, dass viele an einem Dialog interessiert sind, der als eine echte Auseinandersetzung geführt wird.» Zudem hoffe sie, dass das neue Generalsekretariat und der neue Moderator aufgrund der Rückmeldungen eine neue Form des Dialogs mit dem Moskauer Patriarchat aufziehen könne.

Grosse Landeskirchen unterstĂĽtzen Famos
Unterstützung erhält die EKS-Ratspräsidentin von den beiden grössten reformierten Schweizer Landeskirchen, Bern-Jura-Solothurn (Refbejuso) und Zürich. Die Berner Synodalratspräsidentin Judith Pörksen hat sich zwar nicht selbst auf Facebook geäussert, sagt aber auf Anfrage klar: «Ich unterstütze die Kritik von Rita Famos. Bei aller Diplomatie seitens des ÖRK hätte es mehr Klarheit und Transparenz gebraucht.»

An der kommenden Synode der EKS vom 7. und 8. November in Bern ist ein mündlicher Zwischenbericht zur Versammlung des Weltkirchenrates vom September geplant, wo der ÖRK eine Resolution zur Ukraine verabschiedete. Der Bericht ist zwar nur «zur Kenntnisnahme» traktandiert, doch Judith Pörksen rechnet auch da mit einer Diskussion.

Angemessene Emotionalität
Ihr Zürcher Kollege, Kirchenratspräsident Michel Müller, hat für diesen Anlass keine weitere Eingabe geplant. Eine Motion von ihm wurde bereits an der Synode im Juni verabschiedet. Sie verlangt, dass die «Suspendierung oder allenfalls gar den Ausschluss» der russisch-orthodoxen Kirche aus dem ÖRK geprüft werde.

Vor weiteren Inputs will Michel Müller die Antwort auf die Motion abwarten. Doch seine Freude über Rita Famos’ klare Worte verhehlt er nicht. «Ein ganz starkes Statement», kommentierte er bereits auf Facebook. Und auf Anfrage ergänzt er: «Gefreut hat mich vor allem, dass sie die Kritik sehr deutlich äussert. Und auch die Emotionalität finde ich angesichts der Peinlichkeit des Verhaltens der ÖRK-Delegation gegenüber dem Patriarchen angemessen.»

Weitere Kritiken am Ă–RK-Verhalten
Ähnlich wie Rita Famos äussert auf Facebook auch Bernd Berger, Leiter Weiterbildung bei Refbejuso, sein «Erschrecken» darüber, wie der ÖRK vom Treffen mit dem Patriarchen berichtet hat. Dieser habe zumindest im Bericht das letzte Wort – «und niemand konfrontiert das Friedensgerede mit den Fakten des Angriffskrieges und der Rolle der Russisch-Orthodoxen Kirche im bisherigen Konflikt». In Karlsruhe sei betont worden, dass der ÖRK eine Dialogplattform sei, schreibt Berger weiter. «Dieser Dialog aber droht zur Farce zu werden, wenn Offenheit und Ehrlichkeit dabei auf der Strecke bleiben.»

Stefan Kube ergänzt, dass es noch schlimmer sei, als vom ÖRK dargestellt, wenn man die Mitteilung des Moskauer Patriarchats anschaue. Der Theologe und Leiter des Ökumenisches Forums für Glauben, Religion und Gesellschaft in Ost und West (Institut G2W) schreibt in seinem Kommentar zu Rita Famos’ Beitrag: «Patriarch Kirill lobt die 'neutrale Position' des ÖRK in Bezug auf den Krieg in der Ukraine.» Zudem betreibe er Täter-Opfer-Umkehr, indem er den Ausbruch des Krieges auf ukrainisches Bombardement des Donbass 2014 zurückführe. «Eine 'Argumentation', auf die ÖRK-Generalsekretär Sauca auch noch eingeht.»

Marius Schären, reformiert.info

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