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Marlene Odermatt

Kleine Taten, grosse Wirkung

von Carole Bolliger
min
01.10.2025
Marlene Odermatt packt an, wo andere nur zuschauen. Ob Kirche, Spitex oder soziale Projekte – sie gestaltet Strukturen, begleitet Menschen und beweist: Konsequent umgesetzte Taten können die Gesellschaft verändern.

«Wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, kann dies das Gesicht der Welt verändern»: Dieser Satz begleitet Marlene Odermatt durchs Leben – man spürt sofort, dass sie ihn ernst nimmt. Nicht als leere Floskel, sondern als Leitmotiv, das ihr Handeln prägt, ihr Engagement in der Kirche, bei der Spitex und in zahlreichen sozialen Projekten. Marlene Odermatt ist eine Frau, die mit Herzblut dabei ist, die Menschen bewegt und Strukturen gestaltet, immer mit einem klaren Blick dafür, was möglich ist.

Wirkung ihrer Engagements

Geboren und aufgewachsen in Luzern, zog zog sie nach der Jugend zunächst in die Welt: Paris, New York, internationale Firmen. Doch die Heimat hat sie nie ganz losgelassen. Odermatt kehrte zurück in die vertraute Umgebung, wo sie heute lebt und wirkt. Früh schon spürte sie die Kraft der Institution Kirche, doch es war nicht ihr katholisches Elternhaus, das sie prägte, sondern ihr eigenes kritisches Denken. Die Frage nach der Rolle der Frau in der Kirche, nach Sinn und Werten, führte sie schliesslich in die reformierte Kirche. Dort engagierte sie sich freiwillig, zunächst in der Kirchenpflege, dann im Kirchenvorstand der Reformierten Kirchgemeinde Luzern, den sie zwischen 2013 und 2021 präsidierte. Sie entdeckte, wie sehr sie darin aufblüht, Strukturen zu gestalten und Menschen zu begleiten. Marlene Odermatt ist auch aktiv beim Forum Luzern 60+, leitet dort die Gruppe, die den Marktplatz 60plus und den Zwischenhalt organisiert, und unterstützt den Hilfs- und Solidaritätsfonds für Strafgefangene und Strafentlassene.

Zwischen all ihren Engagements zieht sich eine klare Linie durch, wie Odermatt erklärt: «Ich habe das Bild, die Hoffnung, dass ich ganz wenig dazu beitragen kann, dass es in der Gesellschaft besser geht.» Damit unterstreicht sie, dass es ihr nicht um Titel oder Anerkennung geht, sondern um die konkrete Wirkung ihres Engagements in kleinen wie in grossen Projekten.

Ein weiteres grosses Anliegen ist ihr Einsatz im Vorstand des Vereins «Begleitung Schwerkranker – Luzern und Horw (mit Ebikon und Kriens)». Sie übernimmt dort keine Begleitungen, dafür aber Verantwortung im Hintergrund: Kommunikation, Jahresberichte, Fundraising. Sie übersetzt Gefühle und Bedürfnisse der Betroffenen in Worte, in Projekte, in Organisation. «Ich habe viel Kontakt, vor allem mit unserer Stellenleiterin, und höre zu. Mein Teil ist es, umzusetzen, was die Betroffenen und die Angehörigen fühlen, in Sprache und Struktur», sagt sie.

Erleichterung und Freude

Seit letztem Jahr ist sie Co-Präsidentin der Spitex Stadt Luzern – erstmals in einem Co-Präsidium, weil sie selbst keinen pflegerischen Hintergrund hat. Gemeinsam mit ihrem Co-Präsidenten ergänzt sie sich perfekt: Offenheit, Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung prägen die Zusammenarbeit. Odermatt spricht von einem Gefühl der Erleichterung und Freude, wenn es den Mitarbeitenden gut geht, und betont die kontinuierliche Herausforderung, die sich durch ein dynamisches Umfeld und steigende Anforderungen ergibt. Sie sieht die Verantwortung nicht als Last, sondern als Chance: eine Organisation zu gestalten, die Menschen trägt, schützt und unterstützt.

Trotz all dieser Aufgaben behält sie ihre Balance. Für sie ist freiwilliges Engagement Arbeit, die ernst genommen werden will – aber sie erlebt sie nicht als Belastung, sondern als Be­reicherung. Energie tankt sie in der Familie, bei Freundinnen, beim Sport und in der Kunst. Sie gönnt sich Pausen: «Früher war mein Tag länger als 24 Stunden, heute plane ich auch bewusst Zeit für mich ein.» Marlene Odermatt ist Mutter erwachsener Kinder, Stiefmutter und Grossmutter, sie beschreibt ihre Familie als ihren «Clan».

Ihr Engagement reicht weit über Kirche und Spitex hinaus: Sie übernimmt Aufgaben, die andere oft für selbstverständlich halten, sorgt dafür, dass Strukturen funktionieren, Fundraising gelingt und Menschen unterstützt werden. Sie ist diejenige, die hinter den Kulissen arbeitet, Projekte auf den Weg bringt und dabei die Menschen, die sie begleiten, nie aus den Augen verliert. Marlene Odermatt ist eine Frau, die wirkt, ohne sich selbst in den Vordergrund zu stellen, die Verantwortung übernimmt, aber immer die Menschen im Blick behält. Sie mag es, einer der vielen «kleinen Menschen» zu sein und als solcher ein Stück weit das Gesicht der Welt zu verändern.

 

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