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Landwirtschaft im Bergkanton

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30.08.2022
Elsbeth Hefti-Schiesser und Thomas Hefti aus Mitlödi/Glarus Süd bewirtschafteten ihren Bauernhof und eine Alp im Glarnerland. Auf dem mittlerweile von ihrem Sohn Hannes Hefti-Fischbacher übernommenen Betrieb wird nach den Bio-Suisse-Richtlinien produziert. Im Interview erzählen sie über die Landwirtschaft im Bergkanton Glarus.

Von Johanna G├Âring

Frau Hefti-Schiesser, Herr Hefti, Sie bewirtschafteten einen Bauernhof im Tal und eine Alp. M├Âchten Sie uns etwas zu ihrem Hof H├╝sliguet erz├Ąhlen?

Thomas Hefti: Der Hof umfasst 25 Hektar Wiesland, haupts├Ąchlich mit Milchwirtschaft. Das heisst, wir haben rund 30 behornte K├╝he und circa 12 St├╝ck Jungvieh, in einem grossen Laufstall. Ausserdem 2.000 Legehennen. Wir arbeiten nach den Bio-Suisse-Richtlinien. 2013 haben wir unseren Hof an unseren Sohn Hannes Hefti-Fischbacher ├╝bergeben. Unsere S├Âhne betreiben auch die Alp Guatb├Ąchi, da werden pro Jahr f├╝nf Tonnen Bio-Alpk├Ąse und 500 Kilo Bio-Alpbutter produziert.

Elsbeth Hefti-Schiesser: Viele unserer Produkte haben wir auch in der Direktvermarktung. Jeder kann zu uns auf den Hof kommen und Lebensmittel aus eigener Produktion kaufen.

Was bedeutet f├╝r Sie Landwirtschaft? Und was ist ihre Motivation, Landwirtin und Landwirt zu sein?

Elsbeth Hefti-Schiesser: Gute Nahrungsmittel zu produzieren ist unsere gr├Âsste Motivation. Wir haben den Hof immer so bewirtschaftet, dass die n├Ąchste Generation den Hof ├╝bernehmen und fortf├╝hren kann. Uns ist die Zusammenarbeit in der Familie sehr wichtig.

Thomas Hefti: Vorteile hat sicher, dass wir uns die Zeit frei einteilen k├Ânnen und unser eigener Herr und Meister sind.

Welches ist die gr├Âsste Herausforderung, mit der sich die Landwirtschaft im Glarnerland derzeit konfrontiert sieht?

Thomas Hefti: Eine Schwierigkeit sind die vielen Vorschriften und die Bürokratie. Der Wolf ist für die Bewirtschaftung der Alp und auch den Hof im Tal eine riesige Herausforderung. Es ist einem nicht mehr wohl, wenn 50 Meter vom Stall entfernt ein Wolfsrudel heult. Und auch der Klimawandel, das merkt man. Wir bestossen die Alp 14 Tage früher. 

Elsbeth Hefti-Schiesser: Die Darstellung der Landwirte in den Medien ist auch schwierig. Wir haben oft das Gef├╝hl, angegriffen und als S├╝ndenb├Âcke gesehen zu werden. Fast so, als ob es ohne Landwirtschaft eine heile Welt w├Ąre.

Sie haben mit Ihrem Betrieb auf Bio gesetzt. War das eine bewusste Entscheidung oder eher eine ÔÇ×organischeÔÇť Entwicklung?

Thomas Hefti: Die Bio-Suisse-Zertifizierung haben wir seit 1997. Eigentlich war das keine grosse Umstellung, wir produzieren ja das Futter f├╝r unsere K├╝he selbst und f├╝r Wiesen braucht man keine Pestizide. Und die Haltungsvorschriften f├╝r Tiere sind strenger, was entweder neue, teure Laufst├Ąlle oder viel Arbeitsaufwand in den bestehenden Anbindest├Ąllen bedingt.

Elsbeth Hefti-Schiesser: Wir schauen auch, dass wir in einem Kreislauf wirtschaften. Unsere K├╝he sind nicht hochgez├╝chtet, m├╝ssen keine Hochleistung in der Milchproduktion bringen. Die Gesundheit der K├╝he ist wichtiger ÔÇô und nat├╝rlich, dass sie ein gutes Leben haben, sie hier in der Region geschlachtet werden k├Ânnen und keine langen Transportwege haben. Das Berggebiet besteht haupts├Ąchlich aus Grasland, das wir nur ├╝ber raufutterverzehrende Nutztiere, wie K├╝he, Schafe und Ziegen bewirtschaften k├Ânnen. Die Tiere liefern uns Milch und Fleisch, das wir f├╝r die menschliche Ern├Ąhrung nutzen k├Ânnen. Darum h├Ątte ein Verzicht auf tierische Produkte unvorstellbare Auswirkungen f├╝r grosse Teile der Schweiz.┬á

Haben kleine Betriebe langfristig ├╝berhaupt noch eine Chance?

Thomas Hefti: Es ist nicht wichtig, ob ein Betrieb gross oder klein ist. Es h├Ąngt eher davon ab, wie man leben m├Âchte, weil der Lebensunterhalt und die Betriebskosten aus einem Topf kommen. Wir leben sparsam und gehen auch nicht in die Ferien. Uns war es wichtig, unseren Nachkommen einen zukunftsf├Ąhigen Betrieb zu ├╝bergeben.

In der Landwirtschaft h├Ąlt auch die Digitalisierung Einzug. Wie erleben Sie das?

Thomas Hefti: Grad die J├╝ngeren haben schon mehr PC-Kenntnisse, da geht das alles schneller. Aber es ist auch aufw├Ąndiger, wir m├╝ssen alles melden: Jedes Tier muss eine l├╝ckenlose R├╝ckverfolgung bis zur Geburt aufweisen, wobei jede Standortver├Ąnderung auf eine Datenbank gemeldet werden muss, jede tier├Ąrztliche Behandlung mit Antibiotika ebenso. Jede Ausbringung von Mist und G├╝lle, das M├Ąhen von jeder Parzelle muss dokumentiert sein. Als Landwirt hat man ohnehin schon wenig Freizeit und davon geht jetzt viel f├╝r die Dokumentation drauf.

Elsbeth Hefti-Schiesser: Es sind auch Vorschriften, die vom Bund kommen, und die manchmal nicht ganz auf die Berglandwirtschaft passen und sich widersprechen. Wir sind hier zum Beispiel in einem Bergsturzgebiet, da ist die Humus-Schicht ├╝ber den Felsen sehr d├╝nn, darum haben wir unsere D├╝ngung auf gut verrotteten Mist ausgelegt. Wenn wir den Mist mit dem Streuer verteilen k├Ânnen, ist das f├╝r das Bodenleben viel besser, dann kriegen die Pflanzen mehr N├Ąhrstoffe, als wenn wir viel G├╝lle mit dem Schleppschlauch punktuell ausbringen.

Welche Bedeutung hat f├╝r Sie die Bewahrung der Sch├Âpfung und die Naturn├Ąhe?

Thomas Hefti: Die hat ganz klar grosse Bedeutung.

Elsbeth Hefti-Schiesser: Eben deswegen wirtschaften wir im Kreislauf, weil wir die Sch├Âpfung bewahren m├Âchten. Deswegen ist es auch wichtig, dass wir regional und saisonal einkaufen. Und manchmal haben wir das Gef├╝hl, dass die Argumente von den Medien zu kurz gegriffen sind oder nicht im Zusammenhang gesehen werden, als w├╝rden wir absichtlich der Natur schaden wollen.

Gibt es heute noch christliches Brauchtum in der Landwirtschaft?

Elsbeth Hefti-Schiesser: Christliches Brauchtum nicht direkt. Es ist normal, dass wir in der Kirche aktiv sind. Ich bin Kirchenr├Ątin in der Kirchgemeinde Mitl├Âdi. Und gerade wenn Berggottesdienst ist, dann helfen alle mit.

Thomas Hefti: Die christlichen Grundwerte und das Leben danach zu führen, das finde ich auch wichtig. 

Was w├╝rden Sie gerne den Leserinnen und Lesern mitteilen?

Thomas Hefti: Dass wir miteinander reden k├Ânnen und auch aufeinander zugehen. Extreme Ansichten sind schwierig, wir m├Âchten eher den Dialog, die Mittelwege und den Konsens suchen.

 

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