«Manchmal reichen ein Gartenzaun und ein offenes Ohr»
Mit viel Respekt, einer grossen Portion Neugier und einem offenen Ohr für die Anliegen der Gemeinden nimmt van Welden seine neue Aufgabe als Synodepräsident seit vergangenem Juli an. Seine Devise: miteinander reden, Unterschiede aushalten und gemeinsam Kirche gestalten.
Als Präsident hat van Welden eine moderierende und repräsentative Funktion. Doch was auf dem Papier vor allem nach Sitzungsleitung klingt, bedeutet für ihn mehr: «Ich sehe mich in dieser Rolle vor allem als Brückenbauer», sagt er. «Brücken zwischen Regionen, Generationen, Meinungen – und zwischen dem kirchlichen Alltag in der Gemeinde und den strategischen Fragen auf Kantonsebene.»
Zuhören als Schlüsselwort
Dass David van Welden als Pfarrer im Luzerner Hinterland tief in der Gemeinderealität verankert ist, prägt seine Sicht auf die Kirche. Seit fast 15 Jahren ist er in der Evangelisch-Reformierten Kirchgemeinde Dagmersellen (mit Nebikon und Umgebung) tätig. Er kennt das ländliche Umfeld, die Herausforderungen, aber auch die Chancen. Diese Bodenhaftung ist ihm wichtig: «Ich möchte weiterhin mit beiden Beinen in der Gemeindearbeit stehen. Denn dort erlebe ich, was die Menschen wirklich beschäftigt.»
Manchmal ergeben sich seelsorgerliche Gespräche ganz unerwartet. Zum Beispiel, wenn er in seinem Garten arbeitet oder Äpfel von den Bäumen pflückt. «Neulich stand ich auf der Leiter, und unten blieb jemand stehen, wir kamen ins Gespräch – über Gott und die Welt, aber auch über persönliche Sorgen. Solche Momente zeigen mir: Die Kirche braucht nicht immer einen offiziellen Rahmen. Manchmal reichen ein Gartenzaun und ein offenes Ohr.»
Trotz allem bleibt van Welden, der zuvor lange Mitglied in der Synode war, zuversichtlich: «Natürlich spüren wir die Veränderungen, die Herausforderungen. Aber ich sehe auch so viel Potenzial, so viel Herzblut. Das berührt mich immer wieder. Und es motiviert mich, die Kirche mitzugestalten.» Entscheidend sei, dass die Menschen spürten: Da ist jemand, der zuhört, der mitdenkt, der bereit ist, Dinge zu bewegen. Gemeinsam, nicht über die Köpfe hinweg.
Zuhören, das ist für van Welden ein Schlüsselwort. Auf die Frage, was ihm als Synodepräsident besonders wichtig ist, muss er nicht lange überlegen: «Zuerst einmal genau hinhören: Was bringen die Delegierten mit? Welche Themen und Ideen leben in den Kirchgemeinden? Welche Sorgen, welche Hoffnungen?» Er möchte die Synode nicht als Pflichtveranstaltung führen, bei der Protokolle abgearbeitet werden. Sondern als Ort des echten Austauschs, des engagierten Diskurses. «Die Synodalen sollen spüren, dass ihre Stimme zählt – und dass wir zusammen mehr erreichen können als allein.»
Mut für Neues
Gleichzeitig plädiert der 61-Jährige für eine gewisse Gelassenheit. Nicht alles müsse perfekt sein. «Aber wir sollten ehrlich sein, authentisch, nah an den Menschen. Und auch mal mutig etwas Neues ausprobieren.» Mutig, aber nicht leichtsinnig. «Wir müssen nicht alles umstürzen. Aber wir dürfen hinterfragen. Und wenn wir merken, dass etwas nicht mehr trägt, dann sollten wir den Mut haben, loszulassen. Um Raum für Neues zu schaffen.»
Als Pfarrer engagiert sich van Welden besonders gern in seelsorgerlichen Gesprächen, in der Gestaltung von Gottesdiensten – auch ökumenisch. In seiner Kirchgemeinde feiert man regelmässig mit der katholischen Kirche, organisiert gemeinsame Feiern, bringt Menschen zusammen. «Das Gemeinsame steht für mich immer im Vordergrund», sagt er. «Gerade in einer Zeit, in der so vieles auseinanderdriftet, ist es wichtig, dass wir zeigen: Kirche kann verbinden.»
Im Herbst steht in Dagmersellen ein besonderes Ereignis an: Das Kirchengebäude wird 100 Jahre alt – für Luzerner Verhältnisse ein stolzes Alter. «Wir planen ein grosses Fest mit Musik, Rückblicken und einem offenen Blick in die Zukunft», verrät van Welden. Die Kirche sei zwar ein altes Gebäude, aber sie gehöre nach wie vor mitten ins Dorf. «Ich wünsche mir, dass unsere Kirche ein Ort bleibt, an dem Menschen sich willkommen fühlen. Ganz egal, woher sie kommen, was sie glauben oder wie sie leben.»
Gemeinsam unterwegs
Was ihm persönlich in der Kirche besonders am Herzen liegt? «Dass wir nicht aufhören, zu fragen, zu staunen, zu suchen. Dass wir den Menschen auf Augenhöhe begegnen und ihnen etwas zutrauen. Und dass wir nicht stehen bleiben, sondern in Bewegung bleiben. Kirche ist für mich kein statischer Ort, sondern ein Raum der Begegnung und des Wandels.»
David van Welden bringt dafür die nötige Mischung mit: Bodenständigkeit, Wärme, eine klare Sprache und eine gesunde Portion Humor. Auf sein neues Amt freut er sich – trotz der zusätzlichen Verantwortung. «Ich bin gespannt auf die Begegnungen, auf das gemeinsame Ringen um gute Lösungen.» Sein Ziel: Die Synode soll ein Ort sein, an dem miteinander gedacht, gestritten, gefeiert und gelacht werden darf. Wo Glauben und Kirche nicht nur verwaltet, sondern gelebt werden. Und wo man – auch in bewegten Zeiten – sagen kann: Wir sind unterwegs. Gemeinsam.
«Manchmal reichen ein Gartenzaun und ein offenes Ohr»