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Mehr als ein Augenblick Stille im Shoppingcenter

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23.08.2016
Handys, Kleider und edle Weine: Das Einkaufszentrum Glatt bietet für jeden etwas. Seit Mai auch Nahrung für die Seele. In der oberen Verkaufs­ebene findet man Stille, Spiritualität und Seelsorge.

600 Millionen Franken Jahresumsatz, 9 Millionen Besucher, 1800 Angestellte und Verkaufsfl├Ąche, so weit bis die F├╝sse schmerzen. Das Glattzentrum in Wallisellen ist das umsatzgr├Âsste Einkaufszentrum der Schweiz.

Zum Einkaufsrummels gibt es seit Mai einen Kontrastpunkt: Den ┬źRaum und Stille┬╗ im Turm. Betreut wird dieses Angebot vom reformierten Pfarrer Matthias Jost und seiner katholischen Kollegin Myriam Duff.

Die Seelsorge im Shopping-Tempel ist eines der zahlreichen Spezialpfarr├Ąmter, die in den letzten Jahren in der Schweiz entstanden sind.

In Wallisellen ging die Initiative von Gemeindepfarrer Adrian Berger aus, der im Studiums in einer Sportabteilung im Glatt gejobbt hatte. Schon l├Ąnger hatte er diese Idee mit sich herumgetragen. Als er den Kontakt zur Gesch├Ąftsf├╝hrung des Shoppingzentrums aufnahm, stiess er auf offene Ohren. Heute kommt die Betriebsgesellschaft Zentrum Glatt f├╝r die Raum auf und die Kirchgemeinden stellen das Personal. Matthias Jost versteht seine 30-Prozent-Stelle nicht als Ersatz f├╝r das traditionelle Pfarramt. Die Kirche gehe dorthin, wo sie gebraucht werde. Das sei sowohl am Wohnort wie auch an den neuralgischen Punkten, an denen sich das Leben abspiele, erkl├Ąrt der B├╝ndner. In der Hektik und des Einkaufens bietet der Raum der Stille die M├Âglichkeit, inne zu halten, zur Ruhe zu kommen und aufzutanken. Vielleicht spricht der eine oder andere auch ein Gebet. ┬źStille ist ein rares Gut im Leben┬╗, meint Jost, gerade hier in einem Einkaufszentrum, in dem viele bei schlechtem Wetter ihre Freizeit verbringen.

Das Angebot im Glattzentrum ist ein Pilotprojekt mit einem Zeithorizont bis Ende 2017. Im Moment befinde man sich in der Aufbauphase und wolle noch etwas ┬źAtmosph├Ąre in den Raum bringen┬╗. Der Raum ist eng, bietet Platz f├╝r einzelne Sessel. Auf einem Regal liegen die Heiligen Schriften der Weltreligionen. Auch wenn die beiden Landeskirchen das Projekt tragen, sei man f├╝r alle da, versichert der Pfarrer.

An einem kleinen Tisch f├╝hrt Matthias Jost etwas abgeschirmt die Seelsorgegespr├Ąche. Zurzeit schauen die meisten aus Neugier vorbei. ┬źSie finden es toll, dass es so ein Angebot gibt┬╗, sagt der Pfarrer. Gerade die Angestellten.

K├╝rzlich erz├Ąhlte ihm ein Verk├Ąufer, dass er in den Pausen oft die Stille suche. Da es im Glatt wirklich keinen Ort gebe, wo er zu Ruhe komme, setze er sich f├╝r einige Minuten in sein Auto auf der Parkebene. Das sei f├╝r ihn ein wichtiger Moment im Tag.

Der ┬źRaum der Stille┬╗ hat von Mittwoch und Samstag ge├Âffnet. Findet man mehr Freiwillige f├╝r die Betreuung, werden die ├ľffnungszeiten k├╝nftig verl├Ąngert.

Nach den Herbstferien beginnt im Glattzentrum die Weihnachtszeit. Bald glitzert und funkelt die Dekoration in den L├Ąden. Das Einkaufzentrum verwandelt sich in eine weihnachtliche Landschaft mit einem zwanzig Meter hohen, geschm├╝ckten Weihnachtsbaum. F├╝r die Adventszeit habe man noch nichts geplant, sagt Pfarrer Matthias Jost. Das sei noch zu fr├╝h. Man werde sicher pr├Ąsent sein, gerade an den offenen Verkaufssonntagen, wenn die Schlangen an den Kassen nicht mehr abbrechen.

Tilmann Zuber, Kirchenbote, 23.8.2016

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