Menschlich bleiben
Im Kanton Uri leben derzeit rund 920 Personen aus dem Asyl- und Fluchtbereich. Rund 550 von ihnen werden vom Asyl- und Flüchtlingsdienst Uri des Schweizerischen Roten Kreuzes im Auftrag des Kantons begleitet. «Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und nun versuchen, in Uri Fuss zu fassen», sagt Marian Balli. Sie ist vom Asyl- und Flüchtlingsdienst Uri und betreut Menschen in den Asylzentren.
Der kantonale Flüchtlingstag will dafür Begegnungen schaffen, unkompliziert, niederschwellig und persönlich. Der diesjährige Flüchtlingstag findet am 20. Juni im Winkel in Altdorf statt und steht unter dem Motto «Menschlich bleiben – Geflüchtete schützen». Organisiert wird der Anlass vom Asyl- und Flüchtlingsdienst Uri des Schweizerischen Roten Kreuzes gemeinsam mit der Schweizerischen Flüchtlingshilfe.
Auf dem Programm stehen Live-Musik, Tanzvorführungen, Streetfood aus verschiedenen Ländern, ein Breakdance-Workshop sowie Angebote für Kinder und Erwachsene. Eröffnet wird der Tag mit Ansprachen von Regierungsrat Georg Simmen, Dominik Wäfler vom Asyl- und Flüchtlingsdienst Uri sowie Miriam Behrens von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe.
Bunt gemischt zusammensitzen
Für Marian Balli passt das diesjährige Motto besonders gut: «Menschlichkeit ist einer der sieben humanitären Rotkreuzgrundsätze und damit ein zentrales Fundament unserer Arbeit.» Gleichzeitig beteiligt sich die Schweizerische Flüchtlingshilfe mit ihrer Veranstaltungsreihe «Tour de Suisse der Menschlichkeit». Doch was bedeutet «menschlich bleiben» überhaupt? Für Balli zeigt sich das vor allem im direkten Kontakt. Viele Menschen hätten kaum persönliche Begegnungen mit Geflüchteten. «Wir sehen es als unsere Pflicht, interessierten Menschen eine möglichst niederschwellige Möglichkeit zu geben, mit geflüchteten Menschen in Kontakt zu kommen, um Vorurteile abzubauen», sagt sie.
Genau dafür soll der Flüchtlingstag Raum bieten. Menschen aus unterschiedlichen Nationen sitzen gemeinsam an Tischen, essen Spezialitäten aus verschiedenen Ländern, hören Musik, schauen Tanzaufführungen oder kommen miteinander ins Gespräch. «Ich erlebe gut besetzte Tische, an denen Menschen bunt gemischt zusammensitzen, diskutieren und lachen», erzählt Balli. Besonders geblieben sei ihr dabei immer wieder der Stolz vieler Geflüchteter. «Sie freuen sich, ihre Kultur näherzubringen – sei es mit traditionellen Speisen, Kleidern oder Tänzen.»
Aktiv in der Gesellschaft teilnehmen
Die Herausforderungen der Menschen, die nach Uri kommen, seien oft ähnlich. Viele beschäftigten Fragen rund um ihre Zukunft: Wie geht es mit dem Aufenthaltsstatus weiter? Finden sie Arbeit oder eine Ausbildung? Können sie sich langfristig ein neues Leben aufbauen? Dazu kommen Themen wie Wohnsituation, soziale Integration und die Verarbeitung belastender Erfahrungen.
Für Balli bedeutet gelungene Integration mehr als nur das Leben im selben Ort. «Integration gelingt dann, wenn Menschen aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, mit Zugang zu Arbeit, Bildung und sozialen Kontakten.» Gleichzeitig brauche es Offenheit auf beiden Seiten. Bereits kleine Gesten könnten viel bewirken: ein Gespräch, Unterstützung im Alltag oder gemeinsames Engagement im Verein. Der Flüchtlingstag will genau solche Begegnungen ermöglichen. Oder wie Balli sagt: «Ich wünsche mir, dass die Besucherinnen und Besucher gute Gespräche mit nach Hause nehmen, Freude an den Darbietungen und vielleicht auch den Wunsch, wiederzukommen.»
Der Flüchtlingstag findet am 20. Juni von 12 Uhr bis 22 Uhr im Winkel in Altdorf statt. Der Eintritt ist frei.
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