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Mission: «200 Jahre sind ein guter Anfang»

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01.01.2016
Aussprachesynode zu 200 Jahre Mission: Mission-21-Direktorin Claudia Bandixen und der Theologe Christoph Stückelberger zeigten an der Aussprachesynode der Baselbieter Kirche auf, wie die Mission helfen kann, die Welt besser zu machen.

«Willst du den Heiden Hilfe schicken, so lass mich Ärmsten freundlich nicken!» Das Bild des um Spenden bittenden «nickenden Negerleins» prangte auf der Einladung zur Aussprachesynode der Reformierten Kirche Baselland. Sie setzte sich am 17. September mit dem 200-Jahr-Jubiläum der Basler Mission auseinander.
Die alte Sammelbüchse für die Missionskollekte hat schon seit Jahrzehnten ausgedient. Doch was hat die Mission erreicht und wie sieht ihre Zukunft aus? Mission-21-Direktorin Claudia Bandixen und der Theologe Christoph Stückelberger befassten sich in ihren Referaten mit diesen Fragen. Stückelberger, der das Ethiknetzwerk Globethics gründete und leitet, formulierte aus 200 Jahren Missionsarbeit Thesen, aus denen er Empfehlungen für die Zukunft ableitete.

Verantwortung für Erneuerung
Die Stärke der Mission, so der Theologe, beruhe auf dem Engagement der Missionare, das besonders in den Anfängen einen Einsatz auf Leben und Tod bedeutet habe. Die Schwäche ortet Stückelberger im Mangel an strukturell-politischem Denken.
Am Beispiel Indien erklärte er, wie die Leitungen einheimischer Kirchen, nachdem diese in die Selbstständigkeit entlassen worden waren, Probleme mit Korruption und Skandalen bekommen hätten. In den letzten dreissig Jahren hätten sie ihre Strukturen nicht angepasst. Die Mission habe die Verantwortung, die Kirchen in diesem Bereich zu begleiten, damit sie sich erneuern können.
Eine weitere Aufgabe für die Zukunft sieht Stückelberger im Vordringen der Mission in die ethisch verantwortliche Technologieentwicklung. Die traditionelle Unterstützung der Bauern und Handwerker reiche in einer «globalisierten, urbanen und hoch technisierten Welt» nicht mehr aus, wenn man den Anschluss nicht verlieren wolle. An Ghana zeigte Stückelberger das erfolgreiche Zusammengehen von Mission, Handel und Wirtschaftsethik in den Anfängen. Der Kakaohandel, den die Basler Handelsgesellschaft ab 1893 aufzog, habe wirtschaftliche mit missionarischer Kompetenz verbunden und gilt als Vorläufer des fairen Handels.
Als wichtigen Aspekt der Missionstätigkeit nannte Stückelberger die Bildung von Identität. In manchen Ländern seien die Menschen von ihrer Geschichte abgeschnitten. So etwa in China, wo die Kulturrevolution vieles zerstört habe. Das Archiv der Mission bringe chinesische Christen in Kontakt mit ihrer Vergangenheit und gebe ihnen ein Gefühl von Zugehörigkeit.
Mission-21-Direktorin Claudia Bandixen erläuterte, wie sich die Missionstätigkeit in 200 Jahren verändert hat, vom Aufbau der ersten christlichen Station der Basler Mission in Ghana bis zum anwaltschaftlichen Einsatz von Mission 21 für die Würde der Menschen in Nigeria gegen den Terror von Boko Haram. Ban-
dixen betonte: «200 Jahre sind ein guter Anfang.» Es gehöre heute zu den Aufgaben der Mission, sich in der Friedensförderung zu engagieren.
Claudia Bandixen stellte sich den «bösen» Fragen, mit denen sie als Leiterin von Mission 21 immer wieder konfrontiert wird: Ist die Mission nicht schon längst erfüllt? Man müsse nach den Sternen greifen, forderte Bandixen. Noch immer seien nicht alle Menschen gleichwertig. Dies sei das Ziel der Missionstätigkeit.
Ob der Überlegenheitsanspruch des Christentums nicht fehl am Platz sei, lautete die zweite Frage. Die Mission fühle sich nicht überlegen, konterte Bandixen. Man sei stolz auf das Erreichte, doch das habe nichts mit Überlegenheit zu tun. Bereits die ersten Missionare hätten lernen müssen, dass sie nur mithilfe der einheimischen Bevölkerung überleben konnten.
In den 200 Jahren habe die Basler Mission knapp 4000 Missionare in die Welt geschickt. Es seien aber einheimische Evangelisten gewesen, welche die gute Nachricht weiterverbreitet und Kirchen gegründet hätten. Mission bestehe aus einem Geben und Nehmen, sagte Bandixen.

Aus verschiedenen Blickwinkeln
Die dritte Frage thematisierte die leeren Kirchen in Europa: Müssten nicht wir missioniert werden? Austausch und Kontakt zwischen den weltweiten Kirchen sei wichtig, meinte Claudia Bandixen: «Indem wir uns durch die Augen der anderen sehen, fliesst die Mission zu uns zurück.» Allerdings müsse jeder seinen Weg selber gehen, denn theologisch hätten die Kirchen aus Afrika, Asien und Lateinamerika einen Ansatz, der uns nicht entspreche. Mission heute heisse «solidarisch einstehen füreinander».


Zum Bild: Mission-21-Direktorin Claudia Bandixen und der Theologe Christoph Stückelberger würdigten die Arbeit der Basler Mission und erklärten, warum die Mission auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen muss. | Plüss

Karin Müller

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