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Motion will die Pfarrwahl an der Urne abschaffen

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02.06.2016
Die Bestätigung des Pfarrers an der Urne soll im Kanton Zürich nach sieben Jahren wieder abgeschafft werden. Es komme zu Zufallsentscheidungen, und sie sei zu teuer. Ursprünglich wollte man mit ihr die Demokratie in der Landeskirche stärken und Gemeindespaltungen und Manipulationen umgehen.

Kirchenmitglieder beurteilen ihren Pfarrer meist gleich nach der Sonntagspredigt. Und im Kanton Z├╝rich alle vier Jahre auch an der Urne. Vor drei Monaten war es wieder soweit. In Meilen zum Beispiel sah das auf dem Stimmzettel dann so aus: ┬źWollen Sie folgende Pfarrerin und Pfarrer f├╝r die Amtsdauer 2016-2020 w├Ąhlen: Ja oder Nein.┬╗ Darunter standen die Namen der im Amt Stehenden, erg├Ąnzt mit dem Antrag der Kirchenpflege auf Best├Ątigung oder Nichtbest├Ątigung. Weiter unten dann das Kleingedruckte, ein Auszug des Gesetzes ├╝ber die politischen Rechte: ┬źStimmen f├╝r andere Personen sind ung├╝ltig.┬╗

Die gute Nachricht: Am 28. Februar wurden alle Pfarrpersonen wieder gew├Ąhlt, 84 Prozent sogar mit einer Zustimmung von ├╝ber 90 Prozent. Trotzdem will einer das Urnenobligatorium aufheben: Der Synodale Thomas Illi hat eine Motion eingereicht, ├╝ber welche die Z├╝rcher Synode am 14. Juni entscheidet. Es komme bei den Wahlen ┬źzu nicht voraussehbaren und objektiv unbegr├╝ndeten Zufallsentscheidungen┬╗, begr├╝ndet Illi, Mitglied der religi├Âs-sozialen Fraktion, seinen Vorstoss.

Es kostet zu viel Thomas
Illi nennt auf Anfrage zwei Beispiele: Den Pfarrer von Rafz, der 2012 abgew├Ąhlt wurde, obschon die Kirchenpflege seine Wiederwahl empfohlen hatte. Und den Pfarrer von Elsau, der dieses Jahr ohne objektiven Grund ein auffallend schlechtes Resultat gemacht habe. Es k├Ânne nicht sein, verdiente Pfarrer mit solchen Resultaten ├Âffentlich blosszustellen und sie in ihrem beruflichen Fortkommen zu behindern, heisst es in Illis Motion.

Bei vielen Stimmberechtigten stosse auch auf Unverst├Ąndnis, dass nur die von der Kirchenpflege Vorgeschlagenen gew├Ąhlt werden k├Ânnten. Ausserdem sei das Ganze eine kostspielige Sache. ┬źMan spricht von einem mittleren sechsstelligen Betrag┬╗, sagt der Motion├Ąr auf Nachfrage. Die Kirche k├Ânne sich einen derartigen Luxus an vermeintlicher Demokratie in Zeiten wachsender Finanzknappheit nicht leisten. Und schliesslich werde die Urnenwahl in Zukunft immer fragw├╝rdiger, wenn Kirchb├╝rger in den geplanten Grossgemeinden Pfarrerinnen w├Ąhlen m├╝ssen, die ihnen kaum bekannt sind.

Ein Zeichen von Anerkennung und Wertsch├Ątzung
Illi und sieben Mitunterzeichnende wollen, dass die Wahl nicht mehr an der Urne erfolgen muss. Sie schlagen eine R├╝ckkehr zum alten Regime vor: Vor Inkrafttreten der neuen Kirchenordnung 2009 wurden Pfarrer in stiller Wahl best├Ątigt, ausser die Kirchenpflege empfahl sie nicht zur Wiederwahl oder zehn Prozent der Stimmberechtigten verlangten eine Urnenwahl. ┬źDie stille Wahl ist unkompliziert und kosteng├╝nstig und zuf├Ąllige Abwahlen oder ungerechtfertigte Denkzettel sind ausgeschlossen┬╗, ist Illi ├╝berzeugt. Der fr├╝here Wahlmodus habe die Urnenwahl ┬źin strittigen Konstellationen┬╗ ebenfalls zugelassen, so zum Beispiel bei ablehnender Haltung der Kirchenpflege gegen eine Wiederwahl.

Warum man 2009 die obligatorische Urnenwahl eingef├╝hrt hat, erkl├Ąrt Martin R├Âhl, Leiter des Rechtsdiensts der reformierten Landeskirche: ┬źEinerseits wollte man damit die Demokratie in der Landeskirche st├Ąrken, andererseits auch auf negative Erfahrungen aus fr├╝heren Pfarrbest├Ątigungswahlen reagieren.┬╗ Das Sammeln von Unterschriften, um eine Urnenwahl zu erzwingen, habe Potential gehabt, Gemeinden zu spalten, und es sei auch zu Manipulationen gekommen: In Kirchgemeinden mit umstrittenen Pfarrern sei der Termin f├╝r die Unterschriftensammlung zum Beispiel in der Ferienzeit angesetzt und damit nicht beachtet worden. ┬źDie Urnenwahl wird andererseits aber auch als Zeichen der Anerkennung und Wertsch├Ątzung f├╝r die Pfarrerinnen und Pfarrer gewertet.┬╗

Abgew├Ąhlte sind schwer vermittelbar
Die Erfahrungen mit der obligatorischen Best├Ątigungswahl seien positiv, sagt R├Âhl, ┬źabgesehen vom administrativen und finanziellen Aufwand f├╝r die Kirchgemeinden┬╗. Die Frage stelle sich nat├╝rlich, wozu eine solche Wahl dienen soll, wenn alle Pfarrerinnen wieder gew├Ąhlt werden. Dabei werde ├╝bersehen, dass der Kirchenrat in mehreren Kirchgemeinden im Vorfeld der Wahl mit den Kirchenpflegen und den ┬źgef├Ąhrdeten┬╗ Pfarrern eine L├Âsung gesucht habe. Denn erfahrungsgem├Ąss seien ┬źabgew├Ąhlte Pfarrer zumindest vor├╝bergehend nur schwer auf eine andere Pfarrstelle vermittelbar┬╗.

R├Âhl sch├Ątzt die Kosten der Urnenwahl f├╝r die 174 Kirchgemeinden auf 150'000 bis 250'000 Franken. Eine ├ťbersicht ├╝ber geleistete Zahlungen habe der Kirchenrat nicht. Die Wahl werde von den politischen Gemeinden organisiert und nicht alle stellten ihren Aufwand in Rechnung. ┬źVermutlich weil dieser gerade in kleinen Gemeinden bescheiden ist und die Pfarrbest├Ątigungswahlen immer zusammen mit anderen Wahlen und Abstimmungen stattfinden.┬╗

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von ┬źreformiert.┬╗, ┬źInterkantonaler Kirchenbote┬╗ und ┬źref.ch┬╗.

Raphael Kummer / ref.ch / 2. Juni 2016

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