Nachhaltige Entwicklung als kirchlicher Auftrag
Nachhaltige Entwicklung ist für Peter Willi mehr als ein Schlagwort. Der Pfarrer und Kirchenvorstand mit einem Master in nachhaltiger Entwicklungszusammenarbeit orientiert sich an der klassischen Definition des Brundtland-Berichts: Jede Generation soll so leben, dass sowohl heutige als auch zukünftige Menschen ein gutes Leben führen können. Nachhaltige Entwicklung umfasst deshalb immer ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte – eine Dreidimensionalität, die auch in den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der UNO abgebildet ist.
Für Willi ist klar: Nachhaltige Entwicklung ist kein Zusatzthema der Kirche, sondern Teil ihres Auftrags. Wer sich am Evangelium orientiert, müsse sich für Gerechtigkeit einsetzen – sozial, ökologisch und ökonomisch. «Setzt sich Kirche nicht für eine Transformation unserer Welt ein, verliert sie ihre Glaubwürdigkeit», sagt er.
Die Reformierte Kirchgemeinde Luzern orientiert sich deshalb an der Agenda 2030. Ziel ist vor allem, das Bewusstsein zu stärken: Entscheidungen sollen künftig stärker im Zusammenhang von Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft gedacht werden. «Jeder und jede trägt Mitverantwortung für die Gegenwart und die Zukunft unseres gemeinsamen Lebensraums Erde», betont Willi.
Gleichzeitig steht die Kirche – wie die Gesellschaft insgesamt – erst am Anfang. Nachhaltige Entwicklung sei eine Generationenaufgabe. Aktivismus allein reiche nicht, vielmehr gehe es um ein dauerhaftes Lernen und Abwägen. Nachhaltigkeit werde überall dort sichtbar, wo Entscheidungen bewusst im Blick auf das grössere Ganze getroffen werden.
Mentale Grenzen als Hürde
Peter Willi bedauert die Ablehnung der Konzernverantwortungsinitiative. Deren Scheitern bezeichnet er als verpasste Chance für die Schweiz, ihre Mitverantwortung für Menschenrechte und Umweltstandards zu tragen. Auch dass die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) die zweite Initiative nicht mehr aktiv unterstützt, enttäuscht den Pfarrer und Fachmann. Kirche könne gar nicht unpolitisch sein: «Nichts zu sagen, bedeutet ebenfalls, Position zu beziehen.»
Als grösste Hürde sieht Willi nicht fehlendes Geld oder starre Strukturen, sondern mentale Grenzen. Nachhaltig zu handeln, bedeute, Zielkonflikte auszuhalten und über den eigenen Horizont hinauszudenken. Finanzverantwortliche müssten akzeptieren, dass nicht jede Rendite vertretbar sei, Umweltengagierte wiederum, dass Kompromisse nötig bleiben.
Für die kommenden Jahre wünscht sich Peter Willi ein wachsendes Bewusstsein in der Kirchgemeinde: Nachhaltigkeit soll in Entscheidungen, Projekten und im Alltag mitgedacht werden. Letztlich gelte jedoch: «Jede und jeder Einzelne ist gefragt, hinzuschauen, was auf dieser Welt nicht in Ordnung ist – und danach zu handeln», so der Pfarrer und Kirchenvorstand.
Nachhaltige Entwicklung als kirchlicher Auftrag