Niggi Ullrich: «Es geht nicht darum, Teddybären an die Front zu schicken»
Krisen werfen Fragen auf. Wie helfen? Was tun mit den Menschen auf der Flucht? Mit der Koordinationsstelle Flucht und Ankommen hat die Evangelisch-reformierte Kirche Baselland (ERK BL) 2022 eine schweizweit einzigartige Antwort auf diese Fragen geschaffen. «Es geht nicht darum, Teddybären an die Front zu schicken», betont Kirchenrat Niggi Ullrich. «Es geht darum, den geflüchteten Menschen, die zwischenzeitlich hier sind, einen sinnvollen Aufenthalt zu gewähren.»
Die Koordinationsstelle bündelt Informationen zu Integrationsangeboten und vernetzt Geflüchtete mit unterstützenden Personen, Kirchgemeinden und relevanten NGO-Organisationen. In den fast vier Jahren ihres Bestehens sind aus den Bemühungen Früchte gewachsen, aber auch neue Herausforderungen entstanden.
Unterstützung für Kirchgemeinden und Geflüchtete
Es war der Ausbruch des Ukrainekriegs am 24. Februar 2022, der Niggi Ullrich, Leiter des Pfarramts für weltweite Kirche, und seinen Kollegen Daniel Frei zur Umsetzung einer Koordinationsstelle inspirierte. Ullrich ahnte damals, dass der Konflikt länger dauern könnte.
«Ich wusste, es braucht Resilienz auf allen Seiten», sagt er rückblickend. «Schnelle, oberflächliche Hilfe im Notfall-Modus reicht nicht.» Die Koordinationsstelle sollte den Menschen, die in die Schweiz geflüchtet sind, beim Ankommen helfen.
Aber Sprachen lernen, Arbeit finden und mit der Schweizer Bürokratie zurechtkommen, das stellt nicht nur Geflüchtete vor grosse Fragezeichen. Auch Kirchgemeinden fühlen sich bei vielen Fragen überfordert. Die Koordinationsstelle wurde darum von Anfang an in Zusammenarbeit mit der Heks-Geschäftsstelle beider Basel aufgebaut, eine Zusammenarbeit, die sich ergänzt: Heks bietet die Ressourcen und die Erfahrungswerte, die Kantonalkirche die Mittel. Auch der Kanton Basel-Landschaft unterstützt die Koordinationsstelle mit den Finanzen.
Verschiedene Herkunftsländer
Mittlerweile richtet sich die Koordinationsstelle an alle Geflüchteten, unabhängig von ihrer Herkunft. Dabei habe es aber nicht gereicht, die Angebote bloss zu öffnen, so Niggi Ullrich, denn die Bedingungen und die Bedürfnisse der unterschiedlichen Flüchtlingsgruppen unterscheiden sich massgeblich. «Die meisten syrischen Flüchtlinge zum Beispiel haben den Fluchtweg zu Fuss auf sich genommen», erklärt Ullrich. «Die Frage, die wir uns stellen müssen», meint Niggi Ullrich, «lautet: Wo können wir Mittel einsetzen, um einerseits Know-how bereitzustellen, aber auch zu erfahren, was diese Menschen wirklich von uns brauchen – anstatt uns nur vorzustellen, was sie brauchen könnten?»
Die Koordinationsstelle bietet regelmässig Infoveranstaltungen und Tagungen an und versucht, zwischen Geflüchteten und hiesigen Institutionen zu vermitteln. Dazu gehören auch Speed-Datings mit Arbeitgebern sowie Unternehmensbesichtigungen, die den Einstieg in die Arbeit erleichtern sollen. «Die Kirche hat neben der seelsorgerischen Arbeit auch eine wichtige zivilgesellschaftliche Funktion», so Niggi Ullrich.
Niggi Ullrich: «Es geht nicht darum, Teddybären an die Front zu schicken»