Ökumene: Errungenschaft des 20. Jahrhunderts
Mit Huldrych Zwinglis Wirken in ZĂĽrich (ab 1519) beginnt die Reformation in der Schweiz. Es kommt zur Spaltung zwischen protestantischen und katholischen Orten. Die Kappelerkriege (1529/1531) besiegeln die konfessionelle Trennung.
1545–1563: Konzil von Trient
Die katholische Gegenreformation festigt die konfessionellen Gegensätze. Jesuiten und Kapuziner stärken den Katholizismus insbesondere in der Innerschweiz.
19. Jahrhundert: Industrialisierung
Im Zuge des Baus der Eisenbahn wandern Reformierte in die katholischen Gebiete, umgekehrt arbeiten mehr und mehr Katholiken in den Fabriken der protestantischen Metropolen.
1847: Sonderbundskrieg
Der Konflikt zwischen liberal-reformierten und katholisch-konservativen Kantonen eskaliert militärisch. Der Sieg der Liberalen führt 1848 zur Bundesverfassung. Die konfessionellen Spannungen bleiben bestehen.
1870er-Jahre: Kulturkampf
Im Zuge des Ersten Vatikanischen Konzils (1870) verschärfen sich die Spannungen zwischen dem liberalen Bundesstaat und der katholischen Kirche. Bistümer werden neu organisiert, der Staat greift ein. Gleichzeitig entstehen christkatholische Gemeinden als Folge der Ablehnung des Unfehlbarkeitsdogmas.
1948: GrĂĽndung des Ă–kumenischen Rates der Kirchen (Ă–RK)
In Genf wird der ÖRK gegründet. Reformierte Kirchen spielen dabei eine zentrale Rolle. Die römisch-katholische Kirche ist zunächst kein Mitglied, beteiligt sich aber später an Dialogen.
1962–1965: Zweites Vatikanisches Konzil
Mit dem Dekret «Unitatis redintegratio» (1964) öffnet sich die katholische Kirche offiziell der Ă–kumene. Dies markiert einen Wendepunkt auch in der Schweiz. Der Dialog mit den ReforÂmierten wird intensiviert.
Â

500 Jahre Badener Disputation: zuerst Eidgenosse, dann der Glaube.
Vor 500 Jahren stritten Reformierte und Katholiken in Baden über den wahren Glauben: Es gab keine Einigung. Trotzdem lernte die Schweiz, mit den konfessionellen Gräben zu leben.
Â
1971: Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK)
Die AGCK wird gegrĂĽndet. Sie vereint die römisch-katholische, die reformierte, die christÂkatholische und die orthodoxe Kirche. Ziel ist die Förderung der Einheit und der theologischen Zusammenarbeit. Gemischtkonfessionelle Ehepaar sind bald keine Seltenheit mehr: Katholische und reformierte Kirchen in der Schweiz einigen sich 1973 auf die gegenseitige Anerkennung der Taufe und – unter bestimmten Voraussetzungen – auch der Eheschliessung.
1973: Leuenberger Konkordie
Reformierte, lutherische und unierte Kirchen Europas erklären Kirchengemeinschaft und Einigung im Abenmahlsstreit. Dies stärkt die ökumenische Gesprächsbasis mit den Katholiken. 1986: Der Besuch von Papst Johannes Paul II. in der Schweiz setzt ein starkes ökumenisches Zeichen.
1999: gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre
Unterzeichnet vom Lutherischen Weltbund und von der katholischen Kirche in Augsburg. Die Erklärung wirkt auch in der Schweiz als wichtiger Durchbruch in einem reformatorischen Streitpunkt um Ablass, Gnade und Glaube.
2001: Charta Oecumenica
Die Kirchen Europas verpflichten sich zu Leitlinien der Zusammenarbeit. Die Schweizer Kirchen unterzeichnen und bekräftigen ihr Engagement für Dialog, gemeinsame Verantwortung und gegenseitige Anerkennung. Was möglich ist, sollen Reformierte und Katholiken gemeinsam machen.
2016: 500 Jahre Reformation
Reformierte und katholische Kirchen in der Schweiz begehen das Reformationsgedenken mit zahlreichen gemeinsamen Veranstaltungen. Der Fokus liegt nicht auf Abgrenzung, sondern auf Versöhnung und gemeinsamem Zeugnis.
Gegenwart
Heute bestehen vielfältige Formen praktischer Ökumene: gemeinsame Gottesdienste, ökumenische Seelsorge, Religionsunterricht, soziale Projekte und öffentliche Stellungnahmen. Doch die Unterschiede zwischen den Konfessionen bleiben bestehen, etwa im Amtsverständnis, in der Frage von Frauen im Pfarr- und Priesteramt und bei der Auffassung von Abendmahl/Eucharistie. Die Ökumene zwischen Reformierten und Katholiken tritt auf der Stelle.
Â
Ökumene: Errungenschaft des 20. Jahrhunderts