Baselland, Basel-Stadt, Luzern, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, Uri, Zug

«Plötzlich versagte mir beim Singen die Stimme»

min
27.01.2023
Zum letzten Mal hat Matthias Eichrodt die «Nacht der Lichter» im Münster geleitet. Ein berührender Abend für den scheidenden Stadtpfarrer.

Ein Meer aus tausend Kerzenlichtern taucht das Schaffhauser Münster in warmes Licht. Der Chor stimmt das berühmte Taizé-Lied «Laudate omnes gentes» an, die Gemeinde singt mit. 450 Menschen sind gekommen, um die «Nacht der Lichter» zu feiern: Zusammen singen, still sein, Gebete. Die «Nacht der Lichter» findet zweimal jährlich im Turnus in den Kirchgemeinden St. Johann-Münster und der Pfarrei St. Peter statt. Seit 2007 veranstaltet Pfarrer Matthias Eichrodt die Taizé-Abende im Münster. Die «Nacht der Lichter» vom Januar war sein letztes Mal. Diesen Sommer wird der Theologe nach dreissig Jahren Amtszeit in den Ruhestand treten.

«Bei einem bestimmten Lied versagte mir plötzlich die Stimme, das war ein sehr emotionaler Moment für mich», erzählt der Pfarrer. Das Lied heisst im holländischen Original «iedere nacht». Eichrodt hat es auf Schweizer Mundart übersetzt: «I dere Nacht verlang ich nach dir, o Gott, ich plange uf dich mit ganzer Seel.» Der Pfarrer verbindet mit dem Lied Begegnungen und seine lange Verbundenheit mit der Taizé-Tradition. «Das Lied habe ich in Taizé durch holländische Freunde kennen gelernt. Die Melodie hat mich sehr ergriffen. Sie und andere Taizé-Lieder lassen Dinge in mir anklingen, die guttun.»

Taizé zieht Jugendliche an Matthias
Eichrodt hat einen sehr persönlichen Bezug zur Taizé-Tradition, seit er im Jahr 1992 an einer Schweigewoche teilnahm und dabei einen der Ordensbrüder als geistlichen Begleiter kennen lernen durfte und mit ihm bis zu dessen Tod vor drei Jahren verbunden blieb. «Singend zu beten, hat etwas sehr Meditatives», sagt Eichrodt, «man ist Teil vom Ganzen in einem stimmungsvollen Ambiente.» Das spreche auch Menschen an, die ihre Spiritualität nicht unbedingt verbindlich kirchlich ausleben möchten, vor allem auch junge. «Mich hat immer fasziniert, wie spannend und humorvoll die Ordensbrüder mit Jugendlichen reden und Bibelarbeit machen. Davon habe ich mir einiges abgeschaut.»

Der Pfarrer ist regelmässig mit Konfirmandengruppen nach Taizé gereist. «Das waren wertvolle Erfahrungen. Die jungen Leute konnten dort Bekanntschaften schliessen mit anderen, vor allem aus Deutschland. Beim Abschied flossen manche Tränen, weil diese Erlebnisse sehr intensiv waren.» Auch aus seinen eigenen Taizé-Besuchen sind Freundschaften entstanden: «Vor zwanzig Jahren habe ich in Taizé einen Pfarrer aus Küssaberg im Klettgau kennen gelernt. Seither fährt er jedes Jahr mit einem Bus mit vierzig Leuten zu unserer ‹Nacht der Lichter›. Die Hälfte davon ist unter dreissig Jahre.»

Viele Freiwillige helfen mit
Matthias Eichrodt ist jedes Mal wieder neu überrascht vom grossen Andrang der Besucher. «In der Regel kommen mehr Leute als in der Christnachtfeier.» Um diese Grossveranstaltung bewältigen zu können, braucht es Freiwillige, die mithelfen. «Rund zwanzig Leute arbeiten jeweils mit.» Es gibt viel zu tun: Das Münster wird mit Tüchern, Teppichen und Kerzenlichtern dekoriert. Stühle und Podeste für Chor und Musiker werden aufgestellt.

Die Feier folgt immer demselben Ablauf: Lieder, Texte und Stille wechseln sich ab, Konfirmandinnen und Konfirmanden bringen das Kerzenlicht in die Bankreihen. Nach dem Abschluss gibt es vor dem Münster warme Suppe und Getränke. «Das Aufräumen dauert bis gegen Mitternacht, eine Pizzarunde für die Helfenden inbegriffen», erzählt Eichrodt. Er hofft, dass die Taizé-Tradition in Schaffhausen nach seiner Pensionierung weitergeht. «Mein Nachfolger hat ebenfalls eine enge Verbindung zu Taizé, ich bin zuversichtlich, dass die ‹Nacht der Lichter› fortbesteht, und hoffe, dass auch Neues entsteht.»

 

Unsere Empfehlungen

Brücken bauen zu anderen Kulturen

Brücken bauen zu anderen Kulturen

Es ist nicht ganz einfach, mit Migranten in Kontakt zu treten. Eine Konferenz zeigt, wie es Kirchgemeinden gelingt, mit Menschen aus der Ukraine, Eritrea oder dem Nahen Osten in Kontakt zu treten. Dabei ­entstanden spannende Projekte und Begegnungen.