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Ein kleines Kulturbild

Projekt «Déjà vu?» – Orgeln in Basel

von Toni Schürmann
min
18.10.2023
Hundert Jahre nach Rudolf Löw-Schäfers «Erinnerungen aus meinem Organistenleben» wirft das Projekt «Déjà vu?» an vier Veranstaltungen einen Blick auf das Orgelschaffen in Basel.

Schon sein Vater, Rudolf Löw-Burckhardt, sei mit Leib und Seele Organist gewesen, schreibt Rudolf Löw Sohn in seinen Erinnerungen. Mit seinem Text aus dem Jahr 1923 hinterlĂ€sst Löw ein kleines Kulturbild des damaligen Basels aus der Perspektive des Organisten der Elisabethenkirche. «Hundert Jahre spĂ€ter ist der Text zum Ausgangspunkt fĂŒr das Projekt â€čDéjà vu?â€ș geworden», erklĂ€rt Susanne Böke, Organistin an der Titus Kirche und Leiterin des Projekts. «Wir knüpfen daran an und lassen die von Löw beschriebenen Erinnerungen aus der Kindheit, Erlebnisse mit seinen Amtskollegen der Innerstadtkirchen sowie der Orgelrevision 1913 an vier Veranstaltungen Revue passieren und stellen gleichzeitig die Verbindung zur aktuellen Situation her.» Die Basler Kirchen, die lĂ€ngst nicht mehr nur der Kirchenmusik offenstehen, bieten heute ein reichhaltiges Angebot an kulturellen Veranstaltungen. Im Projekt «DĂ©jĂ  vu?» gehe es um die Orgel, das Instrument, das wie kein anderes für einen (Kirchen-)Raum konzipiert und sowohl visuell als auch akustisch darauf abgestimmt sei, sagt Susanne Böke. 

Im laufenden Jahr feiert das «Orgelspiel zum Feierabend» das 50-Jahr-JubilĂ€um und die Münsterorgel ihr 20-jähriges Bestehen. Unter dem Titel «Erlebnis Orgel» hat der Basler Journalist Sigfried Schibli ein Kompendium zu sechzig Orgeln in Basel und Umgebung herausgegeben. Im Stadtcasino wirkt ein innovatives Team, das der Orgel im Konzertsaal einen festen Platz einrĂ€umt, und in den Kirchgemeinden blühen Konzertreihen. Das Projekt «Déjà vu?» fĂŒgt sich in den Reigen von Jubiläen rund um die Orgel. «Wir schauen zurück in die Zeit, als sich die ersten Auswirkungen der Industrialisierung in Basel bemerkbar machten», erklĂ€rt Böke. Aber auch andere Passagen aus Rudolf Löws Erinnerungen seien aufschlussreich. «So schildert Löw, dass ältere Freunde seines Vaters einem besonderen Organistentypus angehörten. Sie waren eigentliche Dilettanten, die sich durch eifriges Selbststudium eine musikalische Bildung angeeignet hatten.» Auch Orgelbaukunst und Orgelgeschichte werden im Rahmen einer FĂŒhrung thematisiert. «Die vier Veranstaltungen sind inhaltlich breit gefĂ€chert», sagt Susanne Böke. «Es ist zudem eine schöne FĂŒgung, dass die Schlussveranstaltung von â€čDéjà vu?â€ș in der Titus Kirche an der von Michael Klahre frisch revidierten Orgel stattfinden darf.»

 

Veranstaltungen

Dienstag, 31. Oktober, 19.30 Uhr, ­Quartieroase Bruderholz, Bruderholz­allee 169. Der Verein point d’orgue gibt einen Überblick ĂŒber das Projekt «Déjà vu?». Mit Kurzfilm-Premiere und Apéro.

Samstag, 4. November, 10.30 Uhr, Offene Kirche Elisabethen, Elisabethenstrasse 10: Orgelführung mit
Informationen zur Orgelbaugeschichte. Mit Organist Matthias Wamser. Es erklingt ein Choralvorspiel von Rudolf Löw-Burckhardt sowie Klaus Hubers Komposition «In te Domine speravi» aus dem Jahr 1964.

Freitag, 10. November, 18.15 Uhr, Leonhardskirche, Leonhardskirchplatz 10. Im Rahmen des Projektes «Déjà vu?» gestaltet Susanne Doll ­zusammen mit Bernhard Affolter (Textlesung) und Rebecca Reese (Gesang) ein Programm, das einer ­liturgischen Anordnung folgt. Es erklingen Werke von Olivier Messiaen, Arvo Pärt und Susanne Doll.

Sonntag, 12. November, 17 Uhr, ­Titus Kirche, Im tiefen Boden 75: Schlussveranstaltung. Konzertanter Anlass an der frisch revidierten ­Titus-Orgel, Kurzfilm-Vorführung und ­ApĂ©ro. Mit Matthias Wamser, Organist Offene Kirche Elisabethen, Andreas Liebig, Münsterorganist Basel, Dieter Lämmlin, Organist der Église française reformée Basel, Leonhardskirche, und Klaus Brömmelmeier, Schauspieler und Regisseur.

Bei allen Veranstaltungen: freier Eintritt mit Kollekte. Infos: www.pointdorgue.ch

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