Baselland, Basel-Stadt, Luzern, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, Uri, Zug

Reformation 2015: Neue Thesen gefordert

min
01.01.2016
1517 hämmerte der Reformator Martin Luther seine 95 Thesen an die Kirche in Wittenberg und löste einen Umbruch in Europa aus. Im Hinblick auf das 500-Jahr-Jubiläum der Reformation lanciert der Kirchenbund SEK eine neue Thesen-Diskussion.

«Was haben Frau Rosenblatt, Luthers Thesen und der Reformationssonntag miteinander zu tun?», fragt Daniel de Roche, SEK-Delegierter für das Reformationsjubiläum, und liefert die Antwort gleich selbst: Wibrandis Rosenblatt stehe für die Gleichberechtigung der Frauen, welche die Reformation mit sich brachte. Diese These soll in der Botschaft zum Reformationstag vom 2. November in den Kirchgemeinden diskutiert werden.

Aufgerufen, eigene Thesen zu formulieren
Luthers Thesenanschlag sei von hohem symbolischem Wert, so Daniel de Roche, denn er gab den Anstoss zu einer grundlegenden Erneuerung von Kirche und Gesellschaft in Europa. Der 1819 in der Schweiz eingeführte Reformationssonntag erinnert die Protestanten an die Bedeutung der Reformation im Laufe der Jahrhunderte.
Auf den Vorabend des 500-Jahr-Jubiläums der Reformation lädt der Schweizerische Evangelische Kirchenbund alle Gläubigen ein, neue Thesen für das Evangelium in der heutigen Welt zu formulieren. Als Denkanstoss dient das von der Vereinigten Protestantischen Kirche Frankreichs konzipierte Heft «Mit 40 Themen auf dem Weg», das der Kirchenbund zur Verfügung stellt.
Für Daniel de Roche hat das Kernthema der Reformation, dass Gottes Gnade dem Menschen zugewandt ist, nichts von seiner Aktualität verloren. Die Liebe Gottes hänge nicht von unseren Leistungen ab. «Dieses Angenommensein von Gott verleiht uns einen tieferen Lebenssinn und befreit zur Hilfe an anderen.» Heute sei der Kapitalismus allgegenwärtig. Der Glaube an den Mammon führe die Leistungsgesellschaft nichts ins Paradies, sondern zu gesellschaftlicher Ungerechtigkeit und Unbarmherzigkeit, erklärt Daniel de Roche.

Die Liebe der Mutter als Bild der Liebe Gottes
Die These zum diesjährigen Reformationssonntag bezieht sich auf die Gleichberechtigung der Frauen, die durch die Reformation angestossen wurde. Vieles was in der reformierten Kirche heute selbstverständlich ist, wie Frauen im Pfarramt und in den Kirchenleitungen, musste mühsam errungen werden. In den meisten christlichen Kirchen sind Frauen und Männer bis heute nicht gleichberechtigt.
Schon die Figur von Wibrandis Rosenblatt zeigt die besondere Stellung der Frauen in der reformierten Kirche: Wibrandis Rosenblatt war mit den drei Reformatoren Johannes Oekolampad, Wolfgang Capito und Martin Buser verheiratet. Sie starb am 1. November 1564 in Basel. Die Mutter von elf Kindern war den drei Reformatoren eine wertvolle Unterstützung. In den Zeiten der europäischen Umwälzungen und Glaubensflüchtlingen hiess sie zahlreiche Durchreisende in ihrem Haus willkommen. «Für ihre Zeitgenossen war Wibrandis Rosenblatt als Hausherrin, Ehefrau und Mutter ein menschgewordenes Zeichen dieser Liebe Gottes für die Menschen, die er nach seinem Bilde geschaffen hat», ist Daniel de Roche überzeugt.
Anhand solcher Figuren und Themen ruft der Kirchenbund dazu auf, darüber nachzudenken, was sich in der Kirche und der Gesellschaft ändern müsste, sodass sich die Liebe Gottes zu den Menschen noch besser zeigt.



Zum Bild: Der Reformator schlägt die ­Thesen an. Szene aus dem Film «Luther». | zvg

Tilmann Zuber / pd

Unsere Empfehlungen

20 Jahre «Bibel in gerechter Sprache»

Die Evangelische Kirche in Deutschland lehnte die «Bibel in gerechter Sprache» einst ab, nun würdigt sie die Übersetzung, die Gott nicht «Herr» nennt. Mitgewirkt hat auch die Basler Theologin Luzia Sutter Rehmann.
Das letzte Drittel

Das letzte Drittel

Wann ist man eigentlich alt? Der ehemalige Industriepfarrer Martin Dürr hat sich dafür vor Jahren eine eigene Formel zurechtgelegt. Ob sie noch stimmt, überlegt er nun neu.