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«Reformen sind dringend nötig»

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16.04.2019
Die Zürcher Katholiken schlagen Alarm. Sie fordern vom Papst tiefgreifende Reformen. Generalvikar Josef Annen, Stellvertreter des Bischofs von Chur in Zürich, trägt die Forderungen mit.

Josef Annen, warum war jetzt die Zeit f├╝r einen offenen Brief an Papst Franziskus?
Die r├Âmisch-katholische Kirche ist eine Weltkirche. In vielen L├Ąndern produziert sie Schreckensmeldungen, diese ├╝berrollen jedes Mal auch die Schweiz, obwohl wir seit dem Jahr 2000, nach Bekanntwerden einer Welle von sexuellen Missbr├Ąuchen, ein gutes Krisenmanagement und Schutzkonzept aufgebaut haben. Wir versuchen, unsere Hausaufgaben zu machen, doch das allein n├╝tzt nichts. Viele Skandale sind ausserhalb der Schweiz, doch bei jedem treten auch Mitglieder in der Schweiz aus. Letztes Jahr war die Anzahl Austritte sehr hoch.

Anlass f├╝r Selbstkritik sehen Sie nicht?
Wir wollen uns nichts vormachen. Wir haben nicht alles im Griff. Der Seelsorgeberuf ist ein Risikoberuf. Verfehlungen k├Ânnen immer wieder vorkommen. Aber dann gilt es, den Opfern beizustehen und die n├Âtigen Massnahmen umzusetzen, statt die Institution zu sch├╝tzen.

Letzten November traten prominente Katholikinnen wie Monika Stocker und┬á C├ęcile B├╝hlmann aus. Ist das Fass am ├ťberlaufen?
Es herrscht bei sehr vielen eine grosse M├╝digkeit. Die kirchlich Engagierten und die Seelsorger m├╝ssen st├Ąndig die Folgen von negativen Geschichten ausl├Âffeln, obwohl sie nichts damit zu tun haben. Unser Brief richtet sich auch an sie. Sie sollen sp├╝ren: Wir sind f├╝r sie da, wir sehen die grossen Probleme, und wir wollen etwas dagegen tun.┬á

Haben Sie im Vorfeld Koalitionen mit anderen gesucht?
Nein. Wir haben aus eigener Betroffenheit und eigenem Antrieb gehandelt.

Der Bischof Ihres Bistums, Vitus Huonder, ist weder f├╝r eine synodale Kirche noch f├╝r Frauen in Leitungsgremien. Als sein Stellvertreter lehnen Sie sich weit aus dem Fenster.
Es ist meine Aufgabe, f├╝r die Gl├Ąubigen und Seelsorger hinzustehen, wo es n├Âtig ist und Reformen sind nun dringend n├Âtig.

Denken Sie, dass Ihre Botschaft in Rom ankommt?
Papst Franziskus hat schon viele klare Worte gesprochen, auch der Haltung gegen├╝ber Sexualit├Ąt hat er eine neue, positive Richtung gegeben. Ebenso ist er f├╝r eine synodale Kirche. Das anerkennen wir im offenen Brief. Doch Worte gen├╝gen nicht, es braucht weltweite Richtlinien. Leider drehen die M├╝hlen des Vatikans langsam. Der Tenor nach Reformen ist rund um den Globus da, aber es braucht im Vatikan wohl erst eine neue Generation.

Anouk Holthuizen, reformiert.info, 15. April 2019

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