Samuel Koch und Christoph Baumann: Zwei Männer, die das Leben wagen
Ein Unfall während einer Fernsehshow, die Diagnose Multiple Sklerose: Samuel Koch und Christoph Baumann haben beide erlebt, wie sich das Leben von einem Moment auf den anderen grundlegend verändern kann. Der eine ist seit seinem Unfall bei «Wetten, dass..?» vor 16 Jahren gelähmt, der andere lebt seit 25 Jahren mit einer chronischen Erkrankung. Zwei unterschiedliche Lebensgeschichten, die dennoch einiges verbindet. Denn beide mussten lernen, mit Einschränkungen umzugehen und einen Weg zu finden, ihr Leben unter veränderten Vorzeichen zu gestalten.
Am Wochenende vom 24. und 25. Oktober waren Samuel Koch und der reformierte Pfarrer Christoph Baumann in Zug gemeinsam zu erleben. «Leben wagen» lautete das Motto der beiden Veranstaltungen. Am Samstagabend stellten sie sich den Fragen von Moderator Remo Hegglin, am Sonntag gestalteten sie einen ökumenischen Gottesdienst mit.
Nicht alles muss gut sein
Was bedeutet es, mit einer Krankheit oder einer Behinderung zu leben, die den Alltag bestimmt? Woher nimmt man die Kraft, weiterzumachen, wenn vieles nicht mehr möglich ist, was früher selbstverständlich war? Und welche Rolle spielt dabei der Glaube? Um solche Fragen drehten sich die Gespräche. Dabei wurde deutlich, dass es keine einfachen Antworten gibt. Auch nicht für zwei Männer, die seit vielen Jahren mit ihrer jeweiligen Situation leben.
Weder Samuel Koch noch Christoph Baumann möchten als Helden oder Mutmacher gesehen werden. Denn eine Krankheit oder ein schwerer Unfall wird nicht plötzlich zu etwas Gutem, nur weil man daraus auch positive Erfahrungen ziehen kann. Die Einschränkungen bleiben, ebenso die schwierigen Momente. Und doch haben beide Wege gefunden, ihrem Leben immer wieder Freude und Hoffnung abzugewinnen.
Auch der Humor hat seinen Platz
Trotz der ernsten Themen war die Begegnung keineswegs von Schwermut geprägt. Im Gegenteil: Die beiden Männer begegneten sich mit Offenheit und Humor, griffen die Gedanken des anderen auf und ergänzten sie mit eigenen Erfahrungen. Dabei ging es nicht nur um die Herausforderungen ihres Alltags, sondern auch um die Frage, wie sich der persönliche Glaube im Laufe der Jahre verändert. Und darum, dass Lebensmut nicht bedeutet, immer stark sein zu müssen.
Wie sich diese Haltung in Worte fassen lässt, brachte Barbara Baumann, ebenfalls reformierte Pfarrerin und Ehefrau von Christoph Baumann, auf den Punkt: «Vielleicht ist Lebensmut am Ende genau das: nicht so zu tun, als sei alles gut, sondern weiterzuleben, obwohl es das nicht immer ist.»
Foto: Matthias Jurt

Samuel Koch und Christoph Baumann: Zwei Männer, die das Leben wagen