Baselland, Basel-Stadt, Luzern, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, Uri, Zug

Schaffhauser treffen den Nagel auf den Kopf

min
08.12.2017
Am Reformationstag wurde in Schaffhausen gehämmert. Nach dem Vorbild von Martin Luther schlugen Frauen, Männer und Jugendliche eigene Thesen vor der Tür der Kirche St. Johann an.

Begleitet vom Trommelwirbel der Tambouren zogen am 31. Oktober hugenottische Fl├╝chtlingsfrauen und Zunftherren fackelbekr├Ąnzte Leiterwagen mit Gl├╝hwein und Weggen durch die Schaffhauser Altstadt. Auf ihrem Weg zur Stadtkirche St. Johann machten sie Halt, um den Herold im Namen der Kirche verk├╝nden zu lassen, dass Reformationstag sei und je- der Mann und jede Frau eigene Thesen an eine Holzwand vor der T├╝r des Gotteshauses nageln k├Ânne. Ob Mar- tin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen tats├Ąchlich an die Schlosskirche zu Wittenberg geh├Ąmmert hatte, war dabei zweitrangig. ┬źObgleich umstritten, ist der Thesenanschlag Luthers in der reformierten Welt nicht wegzudenken┬╗, sagte Matthias Eichrodt, Pfarrer der Stadtgemeinde St.Johann-M├╝nster und Mentor des Anlasses.

Keine falschen G├Âtter, auch nicht Geld oder Handys

Als Erstes griffen die beiden Konfirmandinnen Sina Zimmermann und Karina Spichiger aus Beringen zu Hammer und Nagel. Ihre Thesen hatten sie am Konfirmandentag in der Zwinglikirche mit vielen anderen Jugendlichen zusammen erarbeitet. ┬źF├╝r uns ist wichtig, dass die Thesen in die heutige Zeit passen und auf Jugendliche zutreffen┬╗, sagte Sina Zimmermann. ┬źDie Thesen sollten so sein, dass die Jugendlichen sie verstehen und verinnerlichen k├Ânnen.┬╗ Sinas Lieblingsthese lautet: ┬źMacht euch keine falschen G├Âtter, auch nicht Geld oder Handys.┬╗ Karina erg├Ąnzte mit ihrer Lieblingsthese: ┬źLebe jeden Tag so, wie wenn es der letzte deines Lebens w├Ąre.┬╗

Auch Hansueli Scheck aus Schaffhausen schlug seine These an die Wand: ┬źEine lebendige Kirche, welche die Bodenhaftung nicht aus den Augen verliert┬╗,┬ástand auf seinem Zettel. ┬źIch m├Âchte eine Kirche, in der viel l├Ąuft, die f├╝r alle offen ist und fest auf dem Boden steht┬╗, erkl├Ąrt er dazu.

Eine ┬źoffene Kirche┬╗ w├╝nscht sich auch Richard Blatter aus Schaffhausen. ┬źWie sieht die Kirche aus, die ihr lieben k├Ânnt?┬╗, fragte er auf seinem Thesenzettel. ┬źAus meiner Konfirmandenzeit habe ich die Kirche als stur und kalt in Erinnerung┬╗, erz├Ąhlte er. ┬źEs war das Haus Gottes, in dem man keinen Mucks machen durfte.┬╗

Doris Brodbeck von der Fachstelle f├╝r Kommunikation der reformierten Schaffhauser Kantonalkirche war in das Kleid einer Hugenottin geschl├╝pft. Ihre These lautete: ┬źMenschen merken: Ich bin Kirche.┬╗ ┬źIch finde es wichtig, dass die Menschen nicht immer nur sagen, dass die Kirche etwas bewegen soll. Wir selber sind die Kirche und k├Ânnen etwas tun┬╗, erkl├Ąrte sie.

Wesentliche fragen des Zusammenlebens

In der Menge war auch Stadtrat Raphael Rohner, der sich durch seine reformierte Mutter mit der reformierten Kirche verbunden f├╝hlt. ┬źIch w├╝nsche mir, dass unsere Kirchen in wesentlichen Fragen, bei denen es um das Zusammenleben und um ethische Grunds├Ątze geht, einen klaren Standpunkt einnehmen und Wege aufzeigen, die f├╝r die Menschen hilfreich sind┬╗, formulierte er seine These.

Gegen 19 Uhr nahm das H├Ąmmern ab. Im Innern der Kirche waren die Besucherinnen und Besucher zum Kinofilm ┬źLuther┬╗ eingeladen. Die Wand vor der T├╝r war kunterbunt. ┬źSo bunt wie die Zettel sind die Thesen auch inhaltlich┬╗, sagte Pfarrer Matthias Eichrodt. ┬źViele Thesen sagen aus, dass sich der Glaube im entsprechenden Handeln zeigen sollte.┬╗ Die Thesen werden sp├Ąter aufbewahrt, sodass sie die Kirchgemeinden wiederverwenden k├Ânnen. ┬źThesen sind dazu da, um eine Diskussion in Gang zu setzen┬╗, sagte Matthias Eichrodt. ┬źEs w├Ąre sch├Ân, wenn es da und dort eine Debatte geben w├╝rde. Denn dass die heutige Kirche neue Thesen braucht ,ist unbestritten.┬╗

Adriana Schneider

 

Unsere Empfehlungen

Mitglied sein oder nicht

Mitglied sein oder nicht

Die digitale Grossgruppen-konferenz der Reformierten Kirche des Kantons Luzern hat sich innert kurzer Zeit zu einem nationalen Event etabliert. Über 200 Teilnehmende aus allen Regionen und Bereichen nahmen teil und diskutierten über das Mitgliedsein.
Den Wandel meistern

Den Wandel meistern

Am 30. April stimmen die Mitglieder der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt über die Totalrevision der Kirchenverfassung ab. Für deren Annahme braucht es eine Zweidrittelmehrheit.