«Schön, dass du dabei bist!»
Im Takt der Hip-Hop-Musik bewegen sich die Mädchen über die Bühne. Ausfallschritt nach links, vorne und hinten. Die Musik spornt sie an. Plötzlich sinken die Körper auf den Boden und die grazilen Bewegungen setzen sich fort. So wie bei ihren Vorbildern in den Musikvideos von MTV oder bei Viva.
Auf «Roundabout», wie das Tanzprojekt heisst, folgt der Chor. Die sechs jungen Frauen singen Lieder von «Motown». Das Plattenlabel produzierte in den 60er- und 70er-Jahren zahlreiche Welthits, erzählt die Chorleiterin.
Für die meisten der hundert Jugendlichen, die an diesem Samstagabend in die Pauluskirche Olten gekommen sind, sind die 70er-Jahre Lichtjahre weit entfernt. Trotzdem lassen sie sich von der Musik mitreissen. An anderen Posten können sie sich wie Stars vor einer Fotowand fotografieren lassen, Lego spielen, Hotdogs und Burger essen und um die Wette trinken. Natürlich ohne Alkohol.
Für Andreas Wurzer, Jugendarbeiter der Kirchgemeinde Olten, war der Anlass ein Erfolg. Die Konfirmanden und andere Jugendliche hätten sich wohlgefühlt. Wichtig war ihm, dass die Besucher sehen konnten, welche Angebote die Kirchgemeinde macht und wo sie sich unter Umständen engagieren können.
Eigene Akzente in der Jugendarbeit setzen
In der kirchlichen Jugendarbeit versuche man auf die Bedürfnisse der Jugendlichen einzugehen, erzählt Andreas Wurzer. Die Kirchgemeinde Olten bietet Verschiedenes an: Lager, Gottesdienste wie aXess oder Medienangebote. Dabei setzt man Akzente, die es bei anderen Angeboten nicht gibt. «Im Herbstlager verknüpfen wir Sonne und Meer mit attraktiven Inputs und versuchen, mit den Jugendlichen über den Glauben ins Gespräch zu kommen.» Jugendliche erwarten, dass man sie ernst nimmt, stellt Andreas Wurzer fest. Sie hätten durchaus religiöse Fragen. Von der kirchlichen Jugendarbeit erwarteten sie authentische Zeugnisse und vielleicht auch Antworten auf ihre Fragen.
Starke Konkurrenz
In der Pauluskirche trugen Pfarrerinnen und Pfarrer, Jugendarbeiter sowie Diakone und Freiwillige zum Erfolg des Abends bei. Erich Huber wertete den Samstag als eine positive Erfahrung. Eindrücklich waren für ihn die vielen jungen und älteren Helfer und Helferinnen.
Der Pfarrer von Wangen verfolgt seit Jahrzehnten die Jugendarbeit. «Heute schwärmt gerade die ältere Generation oft von den Zeiten der Jungen Kirche», erzählt Erich Huber. Vor sechzig Jahren zog die junge Kirche mit Gruppenabenden, Ausflügen und Lager unzählige Jugendliche an. «Damals war die Kirche mit solchen Angeboten ziemlich konkurrenzlos,» so Erich Huber.
Die gesellschaftlichen Umbrüche der Siebzigerjahre änderten dies. Die Jugendlichen wollten frei sein. Entsprechend bot nun die Kirche eine «offene» Jugendarbeit an. Für den Pfarrer war diese Entwicklung problematisch: Man sprach ein Zielpublikum an, das allmählich die kirchennahen, «braven» Jugendlichen verdrängte.
Heute sei die Jugendarbeit breit gefächert. Erich Huber befürwortet diesen Weg, auch wenn er weiss, dass die Konkurrenz gross ist. «Viele Jugendliche sind übersättigt», so Erich Huber. Manche wollten nach der Schule nur noch ihre Ruhe. Andere würden die Angebote gerne wahrnehmen und engagierten sich in der Kirche. «Für die Kirche ist dies wichtig. Denn die Jugendlichen sind die späteren Träger der Kirche», erklärt Erich Huber.
Zum Bild: Posing vor der Fotowand: Sich fotografieren lassen wie ein Star. | zuber
Tilmann Zuber
«Schön, dass du dabei bist!»