Schweizerpsalm Aufruf zu Offenheit und Toleranz
«Trittst im Morgenrot daher, seh ich dich im Strahlenmeer . . . ähm . . .?» Nach der ersten Zeile ist bei den meisten Schluss. Einer der Gründe, weshalb Lukas Niederberger, Präsident der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft SGG, eine Erneuerung der Nationalhymne fordert. «Der Text war Mitte des 19. Jahrhunderts sicher anders verankert als heute. Die jetzige Hymne ist eigentlich ein Gebet», stellt er fest. Deshalb sucht die SGG in einem Wettbewerb zurzeit eine neue Nationalhymne. Bis Mitte Mai werden daraus die drei Finalisten gekürt.
Gemeinschaft bildende Hymne
Während die Initianten die Landeshymne als «weltfremd bezeichnen, deren Text niemand kenne», erhält sie von linken und rechten Politikern Unterstützung, die den geistigen Wert des Schweizerpsalms hervorheben. Positiv wird vermerkt, dass der Text der Nationalhymne nicht von Gewalt, Kriegen und Waffengebrauch berichtet, anders als die Hymnen anderer Nationen. Die französische Marseillaise etwa ruft die Bürger zu den Waffen. Der Schweizerpsalm ist ein Versöhnungslied, geschaffen von einem Reformierten und einem Katholiken aus zwei unterschiedlichen Kantonen. Es sind dies der Urner Zisterzienserpater Alberich Zwyssig und der Zürcher Leonhard Widmer.
Die Hymne entstand im Jahre 1841, wenige Jahre vor Ausbruch des Sonderbundkrieges. 1847 kämpften die katholischen Kantone des Sonderbunds gegen die liberalen, meist reformierten Kantone auf dem Schlachtfeld. Der Eidgenossenschaft drohte die Spaltung.
In Folge setzte die junge Republik Schweiz auf neue Symbole, welche Toleranz und Einheit betonten. Sie rief den Eidgenössischen Bettag ins Leben und der Schweizer Psalm entstand. Die Versöhnung ging noch weiter: Nach seiner Uraufführung wurde er ins Französische, Rätoromanische und ins Italienische übersetzt. Der Schweizerpsalm vermittelt zwischen den Sprachregionen.
Interreligiöse Hymne
Die Initianten einer neuen Nationalhymne führen ins Feld, der Schweizerpsalm könne in einer Gesellschaft, in der Atheisten, Buddhisten und Anhänger anderer Glaubensrichtungen leben, störend wirken.
Doch auch dies zielt daneben, wie die Journalistin Rita Jost in «reformiert.» feststellt. Mit Begriffen wie Gott als «Hocherhabener, Herrlicher, Menschenfreundlicher, Liebender und Ewiger» sei der Text interreligiös. Alles Bezeichnungen, die sich auch in den «99 schönsten Namen Allahs» fänden.
Franz Osswald
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