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Stimmen für die Volkskirche

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01.01.2016
Statt auf ein grosses Budget und viele Plakate setzen die Landeskirchen auf die Menschen als Botschafter. Sechs bekannte Persönlichkeiten sagen, weshalb sie am 24. November «Nein» stimmen.

«Die Volkskirche ist eine Ressource für das Zusammenleben», sagt Hannes Germann, Opfertshofen. «Die Kirchen sollen auch in Zukunft ihren Beitrag an ein friedliches und einvernehmliches Zusammenleben der verschiedenen Kulturen leisten können.» Denn Volkskirche geht für Germann über soziales Engagement hinaus: «Wir brauchen Orte der Stille, wir brauchen Orte zum Nachdenken über den Sinn des Lebens und die christlichen Werte», sagt Hannes Germann. Wie Hannes Germann nehmen einige politische Vertreter aus dem linken und rechten Lager Partei für die Kirchen. Sie tun dies als Kirchenmitglieder, nicht in ihrer politischen Funktion. Entsprechend sind ihre Voten vom Kirchenalltag geprägt.
«Die Kirche ist nahe bei den Menschen», sagt Iren Eichenberger, Kantonsrätin und Leiterin der Geschäftsstelle der Aidshilfe. Pfarrerinnen und Pfarrer tauften Kinder, machten Jugendarbeit, begleiteten Senioren und seien auch offen für Menschen am Rande. «Darum erkennen die Kirchen soziale Brennpunkte und werden dort aktiv», so Eichenberger. Wichtige soziale Einrichtungen wie die Drogenberatung, der Schärme, Frauenhaus, Familien- und Schwangerschaftsberatung und das Frauenhaus existierten nur dank der Aufbauarbeit der Kirche. «Ich bin überzeugt, dass der Staat einen Denkfehler macht, wenn er die Indexierung streicht und der Staatsbeitrag jedes Jahr kleiner wird», sagt Iren Eichenberger.
Andi Kunz, Leiter Abteilung Integration beim Kantonalen Sozialamt, befürchtet aus dem gleichen Grund einen «Schneeballeffekt beim Sozialabbau». Er ist auch Präsident des Fördervereins der Rechtsberatungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht. «Wenn die Unterstützung der Kirchen wegfällt, ist die Beratungsstelle existenziell bedroht.» Kunz ist besorgt, dass wenn es zu einem Einschnitt beim Staatsbeitrag komme, es den Kirchen längerfristig nicht mehr möglich sein wird, ihr soziales Engagement weiterzuführen. Die Kirche stehe auch für weitere wichtige Werte ein wie Menschenrechte und Schutz der Natur.

Falsche Politik
«Ich weigere mich, unserer Zivilgesellschaft und damit auch den Landeskirchen Mittel zu entziehen, während gleichzeitig andere sich grosszügig und steuerfrei bedienen können», sagt Marcel Wenger, Schaffhausen. Er verweist darauf, woher die Krise der Staatskasse komme: Neben der Finanzkrise sei die einseitige Reform der Unternehmenssteuer in der Schweiz eine der Hauptursachen für die Steuerausfälle. «Jetzt sollen die Defizite bei den öffentlichen Kassen mittels Einsparungen unter anderem bei der Bildung und den Landeskirchen und mittels Steuererhöhungen erfolgen.» Statt Sparen am falschen Ort, brauche es Reformen für eine bessere Steuergerechtigkeit.
«Die Landeskirchen können auf die Unterstützung vieler Freiwilliger zählen, die ihre Arbeit mit Engagement leisten, dafür aber keine finanzielle Entschädigung fordern», sagt Theresia Derksen, Kantonsrätin und Grossstadträtin Schaffhausen. «Ohne die Kirchen hätte man Mühe, Menschen zu finden, die ihre Arbeitskraft dem Staat unentgeltlich zur Verfügung stellen. Wenn die Landeskirchen geschwächt werden, indem man ihnen weniger Mittel gibt, wird dies den Staat mehr kosten.»
Die Kirchen und ihre Freiwilligen lebten Solidarität im Alltag vor, so Andreas Frei, Kantonsrat aus Stein am Rhein. Der Wert dieser Vielzahl von Dienstleistungen sei schwer zu beziffern, aber wir sollten uns bewusst sein, dass die Arbeit für eine solidarische und gerechte Gesellschaft von unschätzbarem Wert sei. «Genauso wie uns eine unbefriedigende Finanzlage Sorge bereiten muss, sollte uns die schleichende Entsolidarisierung der Gesellschaft zu denken geben», sagt Andreas Frei.

Barbara Helg

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