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Kirchgemeinde Thal

Suppe als Türöffner zwischen Konfessionen

von Tilmann Zuber
min
16.09.2023
Die Kirchgemeinde Balsthal feierte das 50-Jahr-Jubiläum ihres Suppentages. Was banal klingt, ist mehr als ein ­kulinarischer Anlass. In der Ökumene war das gemeinsame Suppenlöffeln ein Türöffner.

Als die Reformierte Kirchgemeinde Balsthal zum ersten Mal Suppe sch├Âpfte, litt die Schweiz unter der ├ľlkrise, und Willy Brandt wurde Bundeskanzler. Die Reformierte Kirchgemeinde Balsthal hatte 1973 gerade ihr Kirchgemeindehaus gebaut, als der damalige Kirchgemeindepr├Ąsident Hans R├╝fenacht dem jungen Pfarrehepaar Fritz und K├Ąthy Sartorius sagte, sie sollten das Haus mit Menschen f├╝llen.

Sartorius, der gerade seine erste Pfarrstelle angetreten hatte, ├╝berlegte mit seiner Frau jeden Abend, was sie anbieten k├Ânnten. Schliesslich kam K├Ąthy auf den Suppentag, jeden ersten Mittwoch im Monat wollte man den Leuten eine Suppe serverieren.

Zu Beginn kamen nur zehn Leute, erinnert sich Annemarie Neuenschwander, die vor 50 Jahren dabei war. ┬źEs gab weder einen riesigen Suppenkessel noch einen Geschirrsp├╝ler. Die Leute brachten ihr eigenes Geschirr mit.┬╗ Blieb Suppe ├╝brig, konnten die Besucher sie kaufen und mit nach Hause nehmen. Der Erl├Âs des Suppentages kam und kommt einem wohlt├Ątigen Zweck zugute. ┬źIn all den Jahren ist nie ein Suppentag ausgefallen┬╗, erz├Ąhlt Annemarie Neuenschwander stolz. ┬źAusser w├Ąhrend der Corona-Krise.┬╗

Schnell wuchs die Anzahl der Besucher, egal ob katholisch oder reformiert, jung oder alt. Mit dem Suppentag wurden so ganz nebenbei Gr├Ąben ├╝berwunden, die in den 70er-Jahren in der Gesellschaft noch bestanden.

Heute ist der Suppentag in Balsthal eine Institution. Zum 50-Jahr-Jubil├Ąum seien 169 Personen gekommen, sagt Vreni Hofmeier, die mit ihrem Helferteam den ganzen Morgen in der K├╝che Gem├╝se r├╝stete. Der Balsthaler Pfarrer J├╝rg von Niederh├Ąusern f├╝hrte locker durch den Anlass. Und wie vor 50┬áJahren gab es Gerstensuppe mit Wienerli.

Sogar der Urvater des Suppen┬ştages, Fritz Sartorius, sass unter den G├Ąsten. Sartorius dankte allen, die sich w├Ąhrend 50 Jahren f├╝r den Suppentag eingesetzt hatten. Der 83-J├Ąhrige freute sich ├╝ber die Offenheit und den Zusammenhalt, die heute im Dorf herrschten. Der Suppentag habe die Konfessionen einander n├Ąher gebracht. Reformierte und Katholiken sassen ┬źungezwungen, frei und fr├Âhlich┬╗ bei einer Suppe zusammen. Und aus diesen Begegnungen entstanden neue ├Âkumenische Veranstaltungen wie das Abendgebet, die gemeinsame Erwachsenenbildung oder die ┬źMischehen-Gottesdienste┬╗. An diesen Sonntagen konnten katholische und reformierte Partner einmal im Monat gemeinsam einen Gottesdienst besuchen. Die Mauern zwischen den Konfessionen seien durchl├Âchert und abgebaut worden, blickt Fritz Sartorius zur├╝ck. Und vor allem eines, betont er: ┬źMan hat angefangen, sich gegenseitig den Glauben zu glauben.┬╗

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