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Trauer um die Opfer

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01.01.2016
Hunderte nahmen im Basler Münster am Gedenkgottes­dienst für die Opfer teil. Ihrer Betroffenheit gaben Regierungs­präsident Guy Morin, Kirchen­ratspräsident Lukas Kundert und Klinikdirektor Gerhard Ebner Ausdruck.

Im März erschütterten die Irrfahrt eines psychisch Kranken und das Bus­unglück im Wallis die Bevölkerung in der Schweiz. Die Amokfahrt in Basel forderte ein Menschenleben und sechs zum Teil Schwerverletzte. Beim Busunfall starben 28 Menschen, 22 davon waren Kinder. Entsprechend gross ist die Betroffenheit und das Entsetzen. Hunderte nahmen am Gedenkgottesdienst im Münster teil.
Psalmworte standen musikalisch im Zentrum des Gedenkgottesdienstes. Psalmen ­ jene Klage- und Loblieder, in denen die Menschen Gott seit Jahrtausenden Freud und Leid zugetragen haben.

Gott hat das letzte Wort
So passte an diesem Sonntag der Predigttext des Propheten Jesaja, in dem Gott der «Elenden», der Stadt Jerusalem, seinen Zuspruch und seine Barmherzigkeit verkündete, nachdem er sie «nur für einen kleinen Augenblick verlassen» hatte 48 Jahre waren es. «Eine lange Zeit», sagte Münsterpfarrer Lukas Kundert, die von den Bewohnern der Stadt, die von den Babyloniern verschleppt wurden, als Zumutung und Katastrophe empfunden worden waren.
Auch Basel wurde für einen Augenblick verlassen. Für die Betroffenen und Hinterbliebenen wird der Augenblick lange nachwirken, sehr lange, führte Kundert aus. Doch so, wie Gott dem verschleppten Volk und der elenden Stadt seine Barmherzigkeit zusicherte, so dürfen auch wir auf die Kraft jenes Gottes vertrauen, der sich im Bibelwort als «Löser» verkündet. «Erlösung hatte ursprünglich mit Rache zu tun», sagte der Münster­pfarrer, mit etwas Verletztem, das in Ordnung gebracht werden muss. Gott sei der Erlöser von Hass und Zorn. «Er ist der Löser der Opfer, das gilt auch für die Frau, die sterben musste, und für den Täter gilt das in gewissen Sinn auch.»
Wie, das entziehe sich unserer Kenntnis, so Lukas Kundert. Doch sei es auch nicht der Mensch, der es lösen müsse. Sicher sei aber, das nicht die Tat und nicht die Welt das letzte Wort hätten, sondern Gott.

Dank für die rasche Hilfe
Regierungspräsident Guy Morin verlas ein Dankschreiben von Thomas aus Deutschland, der beim Unglück verletzt worden war. Er bedankte sich für die schnelle Hilfe und die gute Umsorgung. Morin hatte aus der Bevölkerung viele Reaktionen erhalten und war dankbar, dass er an dieser Stelle die Möglichkeit erhielt, seiner Betroffenheit Ausdruck zu verleihen. Guy Morin versicherte, dass die Behörden die Fragen der Angehörigen ernst nähmen und ihnen helfen würden, wo immer sie können.
Betroffen zeigte sich auch Gerhard Ebner, Direktor der Universitären Psychiatrischen Kliniken UPK, wo der Täter in Behandlung war. Ebner sprach allen Beteiligten und Betroffenen die Anteilnahme von Mitarbei­­tenden und Patienten aus. «Gerade von diesen hörte ich, wie betroffen sie darüber seien, dass Unschuldige schwer verletzt und eine davon sogar ihr Leben verlor.» Die Kliniken übernähmen die Verantwortung für das Wohlergehen und die Sicherheit von Patienten wie der Gesellschaft. Der Direktor der UPK versicherte, dass dies auch bedeute, dass alles darauf ausgerichtet werde, dass sich ein solches Geschehen nicht mehr wiederholen könne. Es werde zudem sehr kritisch Rückschau gehalten.
In den Fürbitten richteten sich die Gedanken nochmals auf die Verstorbene, die Verletzten, die Helfenden, die Mitarbeitenden und Verantwortlichen der Klinik und an die Kinder und Erwachsenen, die beim Carunglück im Wallis verletzt wurden oder ihr Leben verloren haben.

Alle Christen zum Abendmahl eingeladen
Das alle Christen verbindende Abend­mahl stand am Schluss des Gedenk-Gottesdienstes, an dem in ökume­nischer Verbundenheit die Christkatholische Kirche vertreten war. Im Orgelausgangsspiel erklang, den Tod und das Leid der beiden schrecklichen Ereignisse in Basel und im Wallis aufnehmend, das «O Lamm Gottes unschuldig» von Johann Sebastian Bach. Es erinnert an das Leiden Jesu, der sich auch vom Vater verlassen fühlte für jenen kurzen Augenblick bis Ostern.

Franz Osswald

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