Baselland, Basel-Stadt, Luzern, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, Uri, Zug

Trotz Lockdown gemeinsam Gott feiern

min
21.01.2021
Um die Corona-Pandemie einzudämmen, befindet sich die Schweiz im zweiten Lockdown. Eine Ausnahmeregelung gilt für religiöse Feiern. Damit gehen die Gemeinschaften unterschiedlich, aber verantwortungsbewusst um.

Im zweiten Corona-Lockdown sind L├Ąden, Restaurants und Kultureinrichtungen erneut geschlossen, was grosse wirtschaftliche Not zur Folge hat. Anders als im Fr├╝hling ist es aber den Religionsgemeinschaften nun erlaubt, f├╝r Gottesdienste und religi├Âse Feiern bis zu 50 Personen unter ihrem Dach zu versammeln. In den Kantonen Nidwalden und Tessin liegt die Obergrenze bei 30.

Klar ist: Die Kirchen sind sich ihrer Verantwortung bewusst. Das zeigt ein Blick auf die Empfehlungen der kantonalen Kirchenleitungen. Synodalrat und Generalvikariat der katholischen Kirche im Kanton Z├╝rich zum Beispiel mahnen zur Zur├╝ckhaltung. Pfarreien sollen genau ├╝berpr├╝fen, ob aufgrund der Schutzkonzepte und der ├Ârtlichen Rahmenbedingungen ein Gottesdienst mit bis zu 50 Teilnehmenden noch vertretbar sei. ┬źKeine Gottesdienste um jeden Preis┬╗, heisst es in der Mitteilung.

Auch der reformierte Z├╝rcher Kirchenrat empfiehlt, in den Gemeinden sorgf├Ąltig zu pr├╝fen, ob Gottesdienste verantwortbar seien. Es gelte auch, in Erw├Ągung zu ziehen, auf die mehrfache Durchf├╝hrung von Sonntagsgottesdiensten zu verzichten oder auf Online-Angebote auszuweichen.

Wenige verzichten
Bis jetzt aber nutzen die meisten Gemeinden den vom Bundesrat gew├Ąhrten Spielraum. Dieser gilt im ├ťbrigen nur f├╝r religi├Âse Feiern. Alle anderen Aktivit├Ąten wie kirchlicher Unterricht oder Bildungsveranstaltungen sind nicht mehr m├Âglich.

┬źWir in K├╝snacht sind wohl die Ausnahme┬╗, sagt Pfarrer Andrea Marco Bianca. ├ähnliches weiss er nur von Uetikon am See. Schon im November hat die K├╝snachter Kirchenpflege beschlossen, bis Weihnachten Sonntagsgottesdienste nur noch online anzubieten. ┬źUnsere Kirche ist zwar gross und so gesehen wohl auch ziemlich sicher┬╗, bemerkt Bianca. Zum Entscheid habe aber unter anderem gef├╝hrt, dass die Leute anreisen m├╝ssten, dies im Kirchenbus nicht unbedenklich sei, und es doch recht vielen Besucherinnen und Besuchern ein Bed├╝rfnis gewesen sei, nach dem Gottesdienst noch zusammenzustehen.

Neue Erfahrungen
Nach den sieben Weihnachtsgottesdiensten in der K├╝snachter Kirche hat man angesichts immer noch hoher Fallzahlen entschieden, vorerst wieder nur online zu feiern. Negative Reaktionen habe es wenige gegeben, sagt Bianca. Wie es die Kirchenordnung vorsieht, k├Ânnen die Gemeindemitglieder nun jeden Sonntag einen Gottesdienst ihrer Pfarrerin, ihres Pfarrers erleben - per Video. Bianca ist zugleich auch Mitglied des Z├╝rcher Kirchenrates. Er zitiert aus dem f├╝r ihn entscheidenden Artikel 31: ┬źGottesdienst kann u╠łberall gefeiert werden, wo der kirchliche Auftrag wahrgenommen wird.┬╗ Dies sei im Internet, in einer diesem Medium entsprechenden Form, gut m├Âglich. ┬źJede Woche wird zudem ein Brief an Gemeindemitglieder ohne Internet-Zugang verschickt┬╗, f├╝gt Bianca an.

Er sieht in Online-Gottesdiensten auch Vorteile: ┬źEs nehmen mehr Menschen teil und ich erhalte viele Reaktionen von Leuten, die normalerweise nicht in die Kirche kommen.┬╗ Daraus entwickle sich eine neue, erweiterte Form von christlicher Gemeinschaft. ┬źEs haben sich sogar mehr Gelegenheiten f├╝r Seel- und Sozialsorge ergeben als nach einem Offline-Gottesdienst.┬╗

Wichtige Gemeinschaft
Die Berner Kirchgemeinde Frieden d├╝rfte ebenfalls eine von den wenigen im Kanton sein, die auf regul├Ąre Gottesdienste verzichtet. Die Stadtberner Kirche steht zwar Hilfe- und Trostsuchenden weiterhin offen, gefeiert wird aber nur noch online.

Ein Blick in die Region Basel zeigt ├ähnliches. Ihr sei im Moment keine Kirchgemeinde bekannt, die v├Âllig auf Online-Gottesdienste umgestellt habe, sagt Stephanie Krieger, Informationsbeauftragte der reformierten Kirche Baselland. ┬źDoch der Umgang mit der Pandemie wird bei uns laufend diskutiert.┬╗ Man nehme die Verantwortung sehr ernst und sei sich bewusst, als Kirchen im Moment ein Privileg zu haben. Krieger betont aber auch: ┬źF├╝r viele Menschen ist der Gottesdienst im Moment die einzige M├Âglichkeit, Gemeinschaft, St├Ąrkung und Trost zu erfahren.

Individuelle Schutzkonzepte
Das sieht Niklaus Peter genauso. Der Pfarrer am Z├╝rcher Fraum├╝nster sagt: ┬źIn einer Krise haben die Kirchen die Aufgabe, Orientierung und Trost zu spenden.┬╗ Diesem Auftrag freiwillig Klammern zu setzen, zeugt f├╝r ihn von einem Identit├Ątsproblem der Kirchen. Aus Erfahrung glaubt er: ┬źDie gerade in einer Ausnahmesituation so wichtige Seelsorge ergibt sich fast immer aus der Begegnung im Gottesdienst.┬╗

Peter hat sich schon im Juni, als die Kirchen nach dem ersten Lockdown wieder ge├Âffnet wurden, intensiv mit einem f├╝rs grosse Fraum├╝nster passenden Schutzkonzept befasst. Sofort hat er zum Beispiel Sonntagsgottesdienste nur auf Anmeldung, daf├╝r aber mehrfach angeboten. ┬źWir haben viel Aufwand betrieben, unser Sigristenteam zum Beispiel nimmt die Abstands- und Hygieneaufgaben enorm ernst┬╗. F├╝r ihn ist klar: Er will sich auch weiterhin vor allem an die Vorgaben des Bundesrates halten, die als generelle Regeln sinnvoll sind, aber in kleinen Kirchenr├Ąumen anders umgesetzt werden m├╝ssen, als in grossen wie im Fraum├╝nster.

FFP-2 Maskenpflicht
Wie im Fraum├╝nster mangelt es auch in der Synagoge der Israelitischen Cultusgemeinde (ICZ) in der Z├╝rcher Innenstadt nicht an Platz. Dennoch hat die Gemeinde, als die Corona-Fallzahlen und die Todesf├Ąlle Ende Oktober sehr stark stiegen, vier Wochen lang freiwillig auf Gottesdienste und Veranstaltungen verzichtet. ┬źDie Wucht der zweiten Welle hat uns erschreckt┬╗, sagt Jacques Lande, Pr├Ąsident des ICZ. Seit Dezember finden die Schabbat-Feiern wieder statt. Gemeindemitgliedern, die zur Risikogruppe geh├Âren, wird aber weiterhin empfohlen, nicht an den Gottesdiensten teilzunehmen. ┬źIm Moment kommen recht wenige Leute┬╗, berichtet Lande. Und aus Sorge angesichts von Infektionen in den eigenen Reihen gilt in der Synagoge ab sofort eine FFP-2-Maskentragpflicht. Im Gegensatz zur einfachen Hygienemaske, bietet die FFP-2 Maske ÔÇô zumindest teilweise ÔÇô auch dem Tr├Ąger Schutz vor Ansteckung.

Kurze Freitagsgebete
┬źWir sind sehr dankbar, dass wir uns zum Freitagsgebet versammeln d├╝rfen┬╗, sagt Mustafa Memeti, Imam der Muslimischen Gemeinde Bern. W├Ąhrend er regelm├Ąssig Vortr├Ąge f├╝r die Gemeinde auf Youtube stellt, sei es theologisch nicht denkbar, das Freitagsgebet nicht kollektiv und physisch versammelt zu verrichten. Durchaus m├Âglich sei aber, die Gl├Ąubigen von ihrer Pflicht zu befreien. Solche Dispense gebe es f├╝r viele F├Ąlle, berichtet Memeti. Er hat seiner Gemeinde klar kommuniziert, dass zu Pandemiezeiten niemand in die Moschee kommen muss. ┬źViele bleiben denn im Moment auch lieber zu Hause┬╗.

Statt wie normalerweise am Freitag vier- bis f├╝nfmal insgesamt bis zu 400 Leute zu empfangen, betet der Imam jetzt noch mit maximal 150 Gl├Ąubigen in drei Feiern. ┬źUnd alle sind nur kurz da┬╗, so Memeti. Genaugenommen acht Minuten lang. Sein Vortrag besteht aus ein paar S├Ątzen, die er nur auf Deutsch spricht, dann folgt das Gebet. Zudem m├╝ssen die Gl├Ąubigen ihren eigenen Gebetsteppich mitbringen, und die rituelle Waschung, die sonst in der Moschee verrichtet wird, gilt es zuvor zu Hause zu machen. Memeti sagt: ┬źDas Vertrauen des Bundesrates ehrt uns, wir setzen alles daran, sichere Bedingungen zu schaffen.┬╗

Christa Amstutz, reformiert.info

Unsere Empfehlungen

Mitglied sein oder nicht

Mitglied sein oder nicht

Die digitale Grossgruppen-konferenz der Reformierten Kirche des Kantons Luzern hat sich innert kurzer Zeit zu einem nationalen Event etabliert. Über 200 Teilnehmende aus allen Regionen und Bereichen nahmen teil und diskutierten über das Mitgliedsein.
Den Wandel meistern

Den Wandel meistern

Am 30. April stimmen die Mitglieder der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt über die Totalrevision der Kirchenverfassung ab. Für deren Annahme braucht es eine Zweidrittelmehrheit.