Was sich Gotthelfs Kinder zu erzählen haben
Jeremias Gotthelf, eigentlich Albert Bitzius, hat ein literarisches Werk von Weltrang erschaffen. Der reformierte Pfarrer aus Lützelflüh hinterliess der Nachwelt 13 Romane, rund 50 Erzählungen und 100 Kalendergeschichten – und drei Kinder. Albert, Cécile und Henriette Bitzius. Von ihnen handelt das Musical «Gotthelfs Kinder», welches dieses Jahr an den Freilichtspielen Moosegg in der Emmentaler Gemeinde Lauperswil uraufgeführt wird.
«Alle drei Kinder haben als Erwachsene über ihre Kindheit geschrieben», sagt Simon Burkhalter. Er ist seit zehn Jahren Künstlerischer Leiter der Freilichtspiele Moosegg und hat das Stück zusammen mit dem Theaterautor Paul Steinmann und dem Komponisten Bruno Leuschner geschrieben.
Auch die Bücher ihres Vaters, des Schriftstellers Jeremias Gotthelf, spielen im Musical eine wichtige Rolle. | Foto: zvg
Im Musical treffen sich die Geschwister nach Jahren im Restaurant Ochsen Lützelflüh wieder. «Es ist belegt, dass die drei als Erwachsene nicht viel Kontakt zueinander hatten. So müssten sie sich viel zu erzählen gehabt haben», sagt Burkhalter zum Ausgangspunkt des Stücks.
In der Tat lebten die drei Kinder als Erwachsene in unterschiedlichen Regionen. Albert, mit sieben Jahren zur angeblichen Abhärtung ins Waisenhaus gegeben, wurde nach dem Studium in Bern Pfarrer in Twann am Bielersee. Cécile heiratete einen Pfarrer, mit dem sie im Saanenland lebte, und wurde Lehrerin an der Frauenarbeitsschule in Bern. Auch Henriette wurde Pfarrersfrau, aber im emmentalischen Sumiswald, und verfolgte unter dem Pseudonym Marie Walden eine Karriere als Schriftstellerin.
Gesang und Tanz: Die drei Hauptfiguren werden auf der Bühne von einem grossen Chor unterstützt. | Foto: zvg
Beim fiktiven Treffen im «Ochsen» kommen bei den Dreien die historisch belegten Kindheitserinnerungen wieder hoch. Dabei beleuchtet das Stück, wie Albert Bitzius als Vater war, welche Lebenswege seine Kinder einschlugen und wie es ist, wenn die Tochter eines berühmten Schriftstellers selbst Schriftstellerin werden will. Thematisiert wird auch, welche Rolle die Mutter, Henriette Bitzius-Zeender, für den literarischen Erfolg ihres Mannes spielte. «Es geht eigentlich um die Frage, was von jemandem bleibt, wenn er nicht mehr da ist, und was die Erinnerungen mit uns machen», sagt Burkhalter.
Und mag es dabei auch um Schwieriges gehen, wie etwa um die Frage, warum ein Vater sein Kind in ein Waisenhaus gibt, verspricht Burkhalter, dass im Stück die Leichtigkeit, die der Gattung Musical innewohnt, nicht zu kurz kommt. Die von Bruno Leuschner komponierte Musik spanne einen Bogen von der Volksmusik bis zum Broadway. «Manchmal klingt es nach Emmental, mal nach Disney», fasst es Burkhalter zusammen.
30 Jahre Freilichtspiele Moosegg und gleichzeitig letzte Saison
Mit dem Musical – und auch dem von Burkhalter frei nach Gotthelf geschriebenen Volksstück «Hansjoggeli!», das im Juli und August gezeigt wird – feiern die Freilichtspiele Moosegg heuer ihr 30-Jahr-Jubiläum. Zugleich ist es auch ihre letzte Saison. Der Entscheid zum Aufhören sei gefallen, weil die Finanzierung mittelfristig schwierig geworden wäre. «Wir hätten noch gut ein paar Jahre weitermachen können, haben uns nun aber entschieden aufzuhören, wenn es am schönsten ist», sagt Burkhalter.
Das Musical «Gotthelfs Kinder» läuft vom 10. Bis 24. Juni, das Volksstück «Hansjoggeli!» vom 7. Juli bis 15. August. Weitere Informationen auf der Website der Freilichtspiele Moosegg.
Was sich Gotthelfs Kinder zu erzählen haben