Was wir heute festhalten, wird morgen Geschichte
Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?
Ursprünglich wollte ich nach meinem Studium der Kulturwissenschaften in einer wissenschaftlichen Bibliothek arbeiten. Ein Praktikum im Staatsarchiv Stans hat mich dann aber so begeistert, dass ich im Archivbereich geblieben bin.
Was macht ein Archivar eigentlich?
Wir kümmern uns um Unterlagen, die nicht mehr aktiv gebraucht werden. Wir entscheiden, was aufbewahrt wird und was nicht, und sorgen dafür, dass Dokumente langfristig zugänglich, lesbar und verständlich bleiben.
Was ist Ihre Aufgabe bei der Reformierten Kirche?
Da die Kirchgemeinde über ein erst in Teilen geordnetes Archiv verfügte, konnte ich – anfangs im Rahmen eines eigenen Projekts – die ganze Geschichte der Kirchgemeinde von 1863 bis 2010 quasi in einem Schlag archivisch aufarbeiten. Nun geht es um die Verzeichnung weiterer Unterlagen aus diesem Zeitraum und um die Übernahme der laufend neu fürs Archiv vorgesehenen Unterlagen.
Was begeistert Sie an Ihrer Arbeit?
Jedes Dokument im Archiv ist normalerweise ein genau einmal vorhandenes Zeugnis der Vergangenheit und macht diese unmittelbar erlebbar. Es fordert unser Vorverständnis über das, was einmal war, heraus, lässt das erahnen, was nicht dokumentiert ist, und macht so schliesslich überhaupt spürbar, was es heisst, als Gesellschaft Teil einer Geschichte zu sein.
Was bewahren Sie konkret im kirchlichen Archiv?
Zum Beispiel Kirchenbücher mit Taufen, Trauungen und Abdankungen sowie Protokolle von Behörden. Sie dokumentieren zentrale Entscheidungen und ermöglichen auch heute noch Auskünfte und Bescheinigungen.
Ihr schönstes Erlebnis?
Ein schönes Erlebnis ist es immer dann, wenn man anderen Leuten seine Arbeit präsentieren kann, sei es im Kontakt mit einer Archivbenutzerin oder einem Archivbenutzer oder im Rahmen einer kleinen Ausstellung oder Präsentation. Die ausführlichen Jahresberichte aus dem 19. Jahrhundert haben mich fasziniert – sie zeigen eindrücklich, wie sich die Kirchgemeinde als reformierte Diaspora entwickelt hat.
Welche Ausbildung braucht man?
Man hat ganz verschiedene Möglichkeiten: von der Berufslehre als Fachperson Information und Dokumentation bis zum Universitätsstudium der Geschichte oder der Informationswissenschaften. Auch Verwaltungsangestellte aus einem anderen Bereich oder Quereinsteiger mit einem Interesse für Geschichte findet man im Archiv.
Was wir heute festhalten, wird morgen Geschichte