News aus Basel-Stadt, Baselland, Solothurn, Zentralschweiz, Schaffhausen

Wie ökumenisch ist Bruder Klaus?

min
29.03.2017
Bruder Klaus schlägt Brücken zwischen den Konfessionen. Beim ökumenischen Gedenk- und Feiertag «500 Jahre Reformation – 600 Jahre Niklaus von Flüe» in Zug am 1. April bildet der Heilige die Klammer, um katholische und reformierte Christen zusammenzubringen. Ein Gespräch mit Fritz Gloor, dem Projektleiter des Ökumene-Events.

Herr Gloor, Sie sind in Kriens bei Luzern aufgewachsen? Wie haben Sie als Sch├╝ler Bruder Klaus wahrgenommen?
Ganz klar: Damals war das f├╝r mich ein katholischer Heiliger. Und das ist er letztlich auch heute noch.

Aber heute sagen Katholiken wie Reformierte unisono: ┬źSogar die Reformierten zollen Bruder Klaus ihre Hochachtung.┬╗
Dieses ┬źSogar┬╗ ist mir sehr verleidet. Und es ist auch falsch.┬á Denn Niklaus von Fl├╝e lebte vor der Glaubensspaltung. Vor allem war es f├╝r die Reformatoren Zwingli und Bullinger ganz selbstverst├Ąndlich, sich auf Bruder Klaus zu beziehen wie f├╝r die Katholiken auch.

Aber die Reformatoren beriefen sich vor allem auf ihn, weil er gegen das S├Âldnertum war und gegen den Egoismus oder wie┬á Bruder Klaus das nannte: gegen den ┬źEigennutz┬╗.
Gerade diese weit verbreitete Meinung, dass sich die Reformierten nur auf die politischen und ethischen Positionen des Eremiten vom Ranft abst├╝tzten, versuche ich in meinem soeben erschienenen Buch entgegenzutreten.

Also, was vertreten Sie in Ihrem Buch?
Wenn man Zwingli und Bullinger etwas genauer liest, wird einem v├Âllig klar: Die Reformatoren sahen die politischen Missst├Ąnde eng verbunden mit Glaubens- und Kirchenfragen. Sie wollten nicht nur die Kirche reformieren, sondern auch die gesellschaftlichen Umst├Ąnde ver├Ąndern. Und daf├╝r war ihnen Bruder Klaus eine Leitfigur, ein frommer Patriot im besten Sinne, zu dem die Schweizerinnen und Schweizer wieder zur├╝ckkehren sollten.

Sp├Ąter wurde dann Niklaus von Fl├╝e doch katholischerseits vereinnahmt und schliesslich zu der katholischen Figur, wie Sie es in ihrem Buch darstellen?
Entscheidende Z├Ąsur war das Konzil von Trient im Jahre 1545, das dem katholischen Abendmahl, der Eucharistie, eine ganz besondere Bedeutung zugemessen hat. Gerade f├╝r die gegenreformatorische Abendmahllehre kam den Katholiken Bruder Klaus zupass. Da konnte man behaupten: Schaut her, dieser Mann hat das 20-j├Ąhrige Fasten ├╝berlebt, weil ihn die Eucharistie gen├Ąhrt hat. Er musste nicht einmal die Hostie essen, sondern sie nur anschauen. Das alleine gen├╝gte schon, um ihn geistlich zu n├Ąhren.

Ganz katholisch geworden ist er aber nie: Karl Barth hat ihn auch f├╝r die reformierte Schweiz reklamiert.
Karl Barth wird st├Ąndig als Kronzeuge angef├╝hrt. Schaut man sich aber an, was er 1944 geschrieben hat, ging es ihm weniger um Bruder Klaus. Er formulierte vielmehr eine scharfe Kritik an der von ihm abgelehnten Praxis der vatikanischen Heiligsprechung.

F├╝r die reformierte Bruder-Klausen-Verehrung ist wahrscheinlich der reformierte Pfarrer und theologische Schriftsteller Walter Nigg die entscheidende Instanz?
Die konfessionellen Auseinandersetzungen haben Nigg nicht interessiert. Er hat ausdr├╝cklich darauf hingewiesen, dass er in Bruder Klaus nicht einen Heiligen nach dem Verst├Ąndnis der katholischen Kirchenlehre sah. Er stellte mehr das Mysterium, das Unerkl├Ąrliche und die besondere Aura ins Zentrum.

Heute aber sch├Ątzt man den Ranft-Einsiedler als ├Âkumenische Figur und nimmt den 600. Geburtstag von Bruder Klaus als Klammer, um dies in Zug zusammen mit 500 Jahre Reformation zu feiern.┬á Die Verkn├╝pfung der beiden Jubil├Ąen ÔÇô das war die z├╝ndende Idee von Ihnen. Wie kams dazu?
Als fr├╝herer Obwaldner Pfarrer wurde ich als reformierter Vertreter in den Tr├Ągerverein ┬źMehr Ranft┬╗ delegiert. Da ich wusste, dass der evangelische Kirchenbund SEK eine ├Âkumenische Feier zu 500 Jahren Reformation plante, lag es f├╝r mich nahe: Die beiden historischen Gedenken lassen sich kombinieren.

Liess sich das leicht durchsetzen?
Eine gewisse Skepsis gab es anf├Ąnglich sowohl beim SEK wie bei der Bischofskonferenz. Aber schliesslich haben alle Beteiligten Feuer gefangen und sich mit grossem Elan an die Vorbereitung des Anlasses gemacht.

Rechnen Sie auch beim Publikum mit einem Erfolg?
Das Echo ist ├╝berw├Ąltigend. Wir haben bereits jetzt schon so viele Anmeldungen, dass wir unsere Planung ├Ąndern mussten. F├╝r die Vortr├Ąge ist die reformierte Kirche zu klein. Deshalb werden sie per Video ins Kirchgemeindezentrum ├╝bertragen.

Die Hoffnung wird also erf├╝llt, Bruder Klaus als ├Âkumenischen Heiligen zu etablieren?
Das steht f├╝r mich nicht im Vordergrund. Zweifellos entwickelt das Gedenken an Bruder Klaus derzeit in der Innerschweiz eine besondere Anziehungskraft, weit mehr als das Reformationsjubil├Ąum. Aber daraus sollten wir Reformierten keine Prestigefrage machen.

Delf Bucher / reformiert. / 29. M├Ąrz 2017

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von ┬źreformiert.┬╗, ┬źInterkantonaler Kirchenbote┬╗ und ┬źref.ch┬╗.

Unsere Empfehlungen

Mitglied sein oder nicht

Mitglied sein oder nicht

Die digitale Grossgruppen-konferenz der Reformierten Kirche des Kantons Luzern hat sich innert kurzer Zeit zu einem nationalen Event etabliert. Über 200 Teilnehmende aus allen Regionen und Bereichen nahmen teil und diskutierten über das Mitgliedsein.
Den Wandel meistern

Den Wandel meistern

Am 30. April stimmen die Mitglieder der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt über die Totalrevision der Kirchenverfassung ab. Für deren Annahme braucht es eine Zweidrittelmehrheit.