«Wir akzeptieren diesen Krieg nicht»
Wenn sich am 24. Februar der Angriff auf die Ukraine zum vierten Mal jährt, wird in der Thomaskirche in Basel gefeiert. Nicht weil Krieg herrscht, sondern dem Krieg zum Trotz. Am 20. und 22. Februar finden ein Konzert und ein Gottesdienst statt, die von der Evangelisch-reformierten Kirchen Basel-Stadt und Baselland in Zusammenarbeit mit dem Pfarramt für weltweite Kirche organisiert werden.
Stromausfälle und Kälte fordern die Ukraine heraus
Die Situation in der Ukraine spitzt sich nach vier Jahren Krieg weiter zu. Das Stromnetz, das durch Raketen- und Bombenangriffe im ganzen Land zu grossen Teilen beschädigt wurde, fällt regelmässig aus. Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj nannte die Situation jüngst eine «ausserordentliche Herausforderung», besonders im Hinblick auf die zweistelligen Minustemperaturen. Fabriken, Krankenhäuser, Heizungen, ohne funktionierendes Stromnetz kommt alles zum Stehen. Die Menschen frieren – in ihren Wohnungen und an der Front.
Auch für Ukrainerinnen und Ukrainer in der Schweiz ist das Grauen nur schwer zu ertragen. Fast alle haben durch den Krieg Menschen verloren und haben Angehörige, die zurückgeblieben sind. «Die Schweiz kommt mir wie eine Parallelwelt für uns Ukrainerinnen und Ukrainer vor», sagt Halyna Ilyasevych Rauber, die im Ukraineverein tätig ist und bei den beiden Solidaritätsanlässen mitwirkt. «Hier sind wir in Sicherheit, während in der Heimat Freunde und Bekannte sterben müssen. Das zerreisst mich manchmal fast, denn ich habe zwei Pässe, zwei Heimaten und zwei Herzen, die in mir schlagen.»
Kammerorchester aus Bachmut
Die Solidaritätsanlässe gedenken der Menschen, die derzeit in der Ukraine leben, und auch derer, die für das Land gestorben sind. Eine Kollekte wird für den Verein «Ukrainehilfe mit Herz» sammeln, der regelmässig Hilfsgüter mit Lastwagen in die Ukraine bringt. Dazu gehören auch Generatoren, die unter anderem an Krankenhäuser gespendet werden, damit diese bei Stromausfall den Menschen helfen können. Neben dem Baselländer Kirchenrat Niggi Ullrich werden auch der Baselstädter Regierungsrat Kaspar Sutter sowie die Botschafterin der Ukraine in der Schweiz, Iryna Venediktova, Grussworte an die Gäste richten.
Ein kleiner Höhepunkt des Wochenendes wird das Konzert des Kammerorchesters des Ivan-Karabyts-Bachmut-Fachkollegs für Kultur und Kunst, das am Sonntag im Anschluss an den Gottesdienst auftritt und Werke ukrainischer Komponisten spielt. Das Kammerorchester kommt aus der ukrainischen Stadt Bachmut, die seit 2023 von Russland zerstört und besetzt wurde. Die Orchestermitglieder leben seit der Evakuierung der Stadt im Exil im westukrainischen Kamjanez-Podilskyj.
Für Halyna Ilyasevych Rauber haben die Veranstaltungen eine grosse Bedeutung: «Das Konzert und der Gottesdienst sind Zeichen der Unterstützung, ein Statement: Wir zeigen, dass wir diesen Angriffskrieg nicht akzeptieren.» Sie erzähle auch ihren Bekannten in der Ukraine davon. «Sie freuen sich, wenn sie hören, dass die Ukraine bei uns immer noch Thema ist und wir sie nicht vergessen haben.»
Gottesdienste und Konzerte für die Ukraine
Freitag, 20. Februar, 19 Uhr: Live-Musik, Tanz und mehr mit der Band Viazanka, Sudhaus Basel, Burgweg 7
Sonntag, 22. Februar, 10.15 Uhr: Schweizerisch-ukrainischer Gottesdienst, reformierte Kirche Gelterkinden, Kirchrain 10
Sonntag, 22. Februar, 10 Uhr: Gottesdienst, Grusswort aus Politik und Kirche. Anschl. Konzert mit dem Kammerorchester Bachmut, gemeinsames Mittagessen, Thomaskirche Basel, Hegenheimerstr. 229
«Wir akzeptieren diesen Krieg nicht»