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Würde und Lebensqualität bis zum letzten Atemzug

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01.01.2016
Die Überalterung der Gesellschaft stellt den Bund vor Probleme. Darum fördert er die Palliative Care und sucht dabei die Unterstützung der Kirchen.

Schon der römische Philosoph Seneca wusste vor 2000 Jahren: Nicht nur leben, auch sterben will gelernt sein. Als Seelsorge gehört die Begleitung von Schwerkranken und Sterbenden seit jeher zu den Kernkompetenzen der christlichen Kirchen. Konkurrenz erhielten sie in neuerer Zeit von der Medizin und weiteren Fachrichtungen, die sich unter dem Schlagwort Palliative Care des Themas angenommen haben.
Doch die seelsorgerliche Begleitung von Sterbenden als Teil der Palliative Care bietet auch eine Chance, Brücken zu kirchenfernen Menschen zu bauen. Diese Erfahrung machte Pfarrerin Heidi Müller aus Luzern im Gespräch mit Patientinnen, Patienten und Angehörigen: «Klar kommen Fragen nach den letzten Dingen auf. Aber nicht alle suchen Halt in der Religion.» Deshalb sei es schön, wenn es gelinge, Vorbehalte abzubauen und zu zeigen, «dass wir offen sind für die Bedürfnisse jedes Einzelnen, egal ob gläubig oder nicht». Nicht wenige Angehörige fänden über die Sterbebegleitung wieder einen Bezug zur Kirche, erzählt Müller.

Das Leiden lindern
Unter Palliative Care versteht man gemäss der schweizerischen Fachgesellschaft «palliative ch» «alle Massnahmen, die das Leiden eines unheilbar kranken Menschen lindern und ihm so eine bestmögliche Lebensqualität bis zum Ende verschaffen». Oder wie es die Laufentaler Pfarrerin Regine Kokontis formuliert: «Bei Palliative Care geht es um die Freiheit in der Lebensgestaltung und zutiefst um würdevolles Sein bis zum letzten Atemzug.» Neben der Seelsorge tragen die Kirchen mit vielen Freiwilligen zur Palliative Care bei. Dieses Potenzial hat der Bund erkannt. Die Freiwilligen brächten nicht nur «in den oft durch Leiden und Schmerzen geprägten Alltag von Patientinnen und Patienten ein Stück Normalität zurück». Sie seien «auch aus gesundheits- sozialpolitischer und finanzieller Perspektive wichtige Akteure in der Palliative Care».
Bund und Kantone haben die Landeskirchen eingeladen, sich in die nationale Palliative-Care-Strategie einzubringen. Der Bund möchte erreichen, dass alle, die das wünschen, Zugang zur Palliative Care haben. Vor diesem Hintergrund hat eine ökumenisch zusammengesetzte Arbeitsgruppe ein Konzept zur kirchlichen Palliative Care im Kanton Baselland erarbeitet. Darin definieren die Kirchen ihre Aufgabe und schreiben: «Die Dimension der Spiritualität gehört unverzichtbar zum Ansatz und Programm von Palliative Care.»

Seelsorge und Vernetzung
Als kirchliche Angebote listet das Konzept neben persönlichen Seelsorgegesprächen unter anderem die Aufarbeitung lebensgeschichtlicher Fragen, die Begleitung von Angehörigen und die Vermittlung von Kontakten auf. Die Landeskirchen sollen zusätzlich Aus- und Weiterbildungen für Mitarbeitende und Freiwillige in der Palliative Care anbieten.
Spitalseelsorgerin Marion Klee, die zusammen mit Regine Kokontis der Arbeitsgruppe angehörte, betont, wie wichtig es sei, die Präsenz der Kirchen im Bereich Palliative Care sichtbar zu machen und alle Akteure zu vernetzen. Aus diesem Grund sieht das Konzept eine ökumenisch geführte und auf zwei Jahre befristete Koordinationsstelle vor. Seit Anfang Januar leitet für die Reformierten Pfarrerin Judith Borter die Stelle. Sie fungiert als Ansprechperson für die Kirchgemeinden mit ihren Angeboten und Freiwilligen und sie baut die lokalen Netzwerke in der Palliative Care auf und aus.
Ausserdem wollen die Kirchen die Öffentlichkeit für das Thema Palliative Care sensibilisieren. Dazu planen sie im Herbst zusammen mit «palliative bs+bl» eine Wanderausstellung mit Begleitveranstaltungen.

Karin Müller/Susanne Leuenberger

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