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Würze, Witz und eine Prise Leichtsinn

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27.06.2016
Am Bodenseekirchentag gab es am Freitagabend einen speziellen Espresso, serviert vom Schweizer Comedian Eric Wehrlin. Seine «Espresso-Bibel» war ein temporeicher Crash-Kurs für Bibelfeste und andere.

Die Bodenseekirche, gleich an der Grenze in Kreuzlingen, ist ein eher schlichtes GebĂ€ude. Steht hier wirklich ein clownesker Comedy-Abend mit dem Titel «Espresso-Bibel» auf dem Programm? Doch, wir sind hier richtig. Und schön kĂŒhl ist es auch.

Er hat tatsĂ€chlich etwas von einem Espresso – oder noch besser: von einem Schweppes: Eric Wehrlin sprudelt und trudelt durch die Bibel, hĂŒpft, turnt und spielt sich am Cello durch Altes und Neues Testament. ZunĂ€chst begrĂŒndet er die Motivation fĂŒr die Espresso-Bibel: «Woher kommen wir, wer sind wir, wohin gehen wir nachher essen?» Zudem: Wer lese sich schon gerne die Leviten?

Die ersten Lacher hat Wehrlin, der die «Scuola Teatro Dimitri» absolviert hat, damit auf sicher, und die rund 80 Zuschauer bleiben auch in den folgenden eineinhalb Stunden gut unterhalten. «Applaus ist das tĂ€glich Brot des KĂŒnstlers – deshalb bin ich so schlank», frotzelt er zum ersten Beifall.

Irgendwelche Fragen?
Wehrlin fĂ€ngt, wie könnte es anders sein, bei Adam und Eva an. Immer wieder streut er SĂ€tze ein, die verhindern, dass der Abend zur erbaulichen Bibelstunde wird: «Gott war vom Affen enttĂ€uscht und sagte sich: ‚Ich muss einen Menschen schaffen.‘» Und Eva hĂ€tte aus einem viel geschmĂ€hten Reptil besser chinesische Schlangensuppe gemacht. Die rasant und assoziativ gesetzten Pointen amĂŒsieren, auch wenn man den einen oder anderen Kalauer schon mal gehört hat. Und immer wieder streut Wehrlin treuherzig den Satz ein: «Gibt es bis hierher irgendwelche Fragen?»

Wehrlin, mit roten HosentrĂ€gern und mehrfarbigen Schuhen, wechselt flott zwischen Bayerisch, Bern- und Hochdeutsch, und sein Jona sĂ€chselt wie Olaf Schubert. Die Reise geht weiter zu Noah, dann zum Turmbau zu Babel (Â«ĂŒber diese Sache ist schon viel Schnee gewachsen»), erreicht noch vor der Pause Abraham und Isaak.

«Morgenbeleidigung»
Nach der Pause wird Wehrlin ernst: «Die Bibel ist kein Polizist. Gott will Beziehung, er will keine Gesetze.» Die Zuschauer nicken. Aber gleich flapst er wieder. Einer der SprĂŒche (Kapitel 27, Vers 14) habe es ihm angetan, die so genannte «Morgenbeleidigung»: «Wer seinem NĂ€chsten allzu laut GlĂŒck wĂŒnscht in der FrĂŒhe, dem wird es als VerwĂŒnschung ausgelegt.» Und via Psalmen hebt er ins Neue Testament ab.

Jesus spreche provokant, und wenn er sage «Folge mir!», dann klinge das wie ein Hausmeister in einem verstrahlten AKW. Auf Paulus‘ Briefe an die «Römer und Koreaner» meint Wehrlin: «Gibt es irgendwelche Fragen?» Schliesslich der «Big Finish», die Offenbarung, «die sie als 3D-Film nicht lange durchstehen wĂŒrden.» Und nach eineinhalb Stunden «kreist sich der Schliess.»

Der anschliessende Applaus lĂ€sst Wehrlin nicht verhungern, und das Verdienst seines Espressos ist, dem manchmal allzu ernsten Christentum WĂŒrze, Witz und eine Prise Leichtsinn einzuhauchen.

Weitere AuffĂŒhrungen

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».

Matthias Böhni  /ref.ch / 27. Juni 2016

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