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Kantor Kaan Peeters

Zwischen Orgelnacht und Jazzklang

von Carole Bolliger
min
26.03.2026
Kaan Peeters ist seit einem Jahr in seiner neuen Rolle als Kantor der reformierten Kirche in Zug. Er gestaltet die Singkultur der Gemeinde mit Improvisation, spiritueller Tiefe und dem Mut, Neues auszuprobieren. 

Die Kirche ist leer. Kaan Peeters sitzt an der Orgel, die Hände auf den Manualen, die Füsse auf dem Pedal. Ein Ton füllt den Raum, dann noch einer. «Es gibt Sphären, da hören die Worte auf», sagt Peeters später, «und die Musik übernimmt.» Seit einem Jahr ist Kaan Peeters Kantor der reformierten Kirche in Zug – eine neu geschaffene Stelle. Was ein Kantor macht? «Im Kern geht es um den Gemeindegesang», sagt er. «Darum, dass gesungen wird. Und wie gesungen wird.» Und er will eine Singkultur gestalten.

Kaan Peeters ist kein klassischer Kirchenmusiker. Er hat Jazzklavier und Pädagogik studiert. Aufgewachsen ist er im Aargau, als Sohn einer türkischen Mutter und eines belgischen Vaters. Musik kam nicht aus der Familie, sie kam durch Freunde. Mit dreizehn stand er plötzlich zwischen Punkband und Heavy Metal, lernte improvisieren, schreiben, eigene Songs entwickeln.

Orchester unter den Fingern

Dass er einst Kantor werden würde, war nicht geplant. Aber die Orgel kam ins Spiel. Ein Instrument mit beruflicher Perspektive. Dann mit Faszination. «Ich durfte nachts allein in der Kirche sein, um dieses riesige Instrument zu zähmen», erzählt er. Die Orgel mit ihren unzähligen Klangfarben wurde für ihn zum kompositorischen Labor. «Sie ist wie ein Orchester unter den Fingern. Und unter den Füssen.»

In seiner Aufgabe als Kantor verbindet sich vieles von dem, was ihn antreibt: Improvisation, Spiritualität, Gemeinschaft. «Ich habe einen starken spirituellen Bezug zur Musik», sagt er. In der Kirche könne er das konkret leben. Musik sei mehr als Begleitung von Worten. Sie könne regulieren, trösten, klagen, jubeln – manchmal ganz ohne Sprache.

Seine Aufgabe in Zug ist klar formuliert: den Gemeindegesang stärken. Als Vorsänger. Einer, an den man sich halten kann. «Wenn jemand sicher und laut singt, schämt man sich weniger.» Gleichzeitig will er mit Formaten experimentieren: gemeinsames Singen im Familiengottesdienst, ein Friedenslied mit Band, meditative Taizé-Abende, bei denen sich Gesang und Stille abwechseln. «Singen ist etwas sehr Körperliches», sagt er. «Es kann eine Erfahrung sein, allein, aber be­sonders gemeinschaftlich.» Dabei bewegt er sich zwischen Generationen: Projekte für Ältere, Angebote für Jüngere. Er probiert aus. «Wir sind dran.» Das erste Jahr ist schnell vergangen. Rückmeldungen aus der Gemeinde seien positiv, sagt er. Kaan Peeters bleibt in Bewegung. Er unterrichtet Klavier, ist Organist in meh­reren Kirchen, spielt Jazz in kleinen Formationen und produziert Metal im eigenen Studio. «Alles unter einen Hut zu bekommen, ist die grösste Herausforderung.» Und trotzdem ist er sich dessen bewusst: «Ich habe ein privilegiertes Leben.»

Was treibt ihn an? Dieses Suchen nach dem, was sich nicht ganz greifen lässt. Nach dem «Bizzaren», wie er es nennt – den offenen Fragen des Lebens: Woher kommen wir? Was passiert, wenn wir sterben? «Es geht nicht darum, Antworten zu liefern, sondern sich den Fragen zu stellen.»

Für seine Arbeit wünscht er sich, «dass wir etwas bewirken können, dass Musik hilft – gerade in harten oder verwirrenden Zeiten». In der leeren Kirche klingt der letzte Ton nach. Dann Stille. Auch sie gehört dazu.

 

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