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Kirche

Nach der Macht die Ohnmacht – die Rolle der Kirche neu denken

Die Landeskirchen müssen auf einschneidende Veränderungen reagieren. Ihre Macht schmilzt dahin und es braucht dringend neue Angebote, um den Mitgliederschwund aufzuhalten. Das «Forum für Universität und Gesellschaft» will diese Themen diskutieren und organisiert dazu eine Veranstaltungsreihe.

Es sieht schlecht aus für die reformierten Landeskirchen. Wenn es so weitergeht, dass sie alle zehn Jahre um rund 200 000 Mitglieder schrumpfen, dann werden im Jahr 2050 nur noch etwas mehr als eine Millionen Menschen einer reformierten Landeskirche angehören und Kirchensteuern bezahlen. 1970 waren das noch mehr als zwei Millionen. Wird man in diesem Fall noch von «Volkskirche» sprechen dürfen?  

Das Interesse an Spiritualität bleibt
Diese Fragen stellt Stefan Huber, Professor am Institut für Empirische Religionsforschung an der Universität Bern in seinem Einführungsreferat zur Veranstaltungsreihe «Kirchen zwischen Macht und Ohnmacht». «Die Kirche verliert zunehmend gesellschaftliche und staatspolitische Relevanz. Das ist bitter für die traditionsreichen Institutionen.» Huber sieht einen empfindlichen Verlust an religiöser Deutungshoheit in unserer weltanschaulich pluralen Gesellschaft. «Gleichzeitig sind die Menschen jedoch immer noch interessiert an religiösen Themen und machen spirituelle Erfahrungen. Die Frage ist also, wie geht die Kirche damit um?»

Tatsächlich hat Hubers Auswertung repräsentativer Studien ergeben, dass über 90 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz an Religiöses oder Spirituelles glauben. «Hier zeigt sich doch, dass ein grosser Bedarf an religiöser Begleitung vorhanden ist. Die Leute wollen jedoch nicht mehr von oben mit Dogmen belehrt werden, sondern sie sind daran interessiert, mit ihren persönlichen religiösen Fragen und spirituellen Erfahrungen weiter zu kommen. Sie wollen selbst über ihre Religiosität bestimmen. Darauf müssen die Glaubensvertreterinnen und -vertreter reagieren.»


Niederschwellige Angebote
Stefan Huber schlägt niederschwellige Angebote vor, wie ein Philosophisches Kaffee, wo man über Gott und die Welt diskutieren könne. Gefässe ohne Verpflichtungscharakter: jede und jeder solle kommen und gehen dürfen, wie sie oder er wolle. «Die Menschen brauchen heute diese Freiheit, sie meiden jegliche Art von Vereinnahmung. Mein Traum ist, dass die Kirche als ein Ort wahrgenommen wird, wo man etwas bekommt, ohne gleich etwas dafür geben zu müssen.»

Doch nicht nur Angebote für die «Laufkundschaft» seien gefragt, sondern auch Möglichkeiten, sich für bestimmte Anliegen zu engagieren, ohne den ganzen doktrinären Überbau übernehmen zu müssen. «Ein gutes Beispiel ist die Flüchtlingsproblematik. Sie weckt in vielen den Wunsch, sich zu engagieren. Dadurch kommen neue Ehrenamtliche zu den Kirchen. Das ist eine grosse Chance.» Hier sei es wichtig, den Engagierten Raum zu geben, indem sie sich selbst entfalten und eigene Initiativen entwickeln können. 





Katharina Kilchenmann, reformiert.info, 23. Oktober 2018

Vortragsreihe «Kirchen zwischen Macht und Ohnmacht», Infos


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