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Leben & Glauben

Wenn Luzerner Reformierte nach Rom pilgern

500 Luzernerinnen und Luzerner nahmen Anfang Mai an den Gedenkfeierlichkeiten an der Vereidigung der Päpstlichen Schweizergarde im Vatikan teil. Darunter rund 30 Luzerner Reformierte mit Synodepräsident Fritz Bösiger und Synodalratspräsidentin Ursula Stämmer-Horst.

Der Auftakt für die Zugreisenden – dazu gehörte neben einer Gruppe der Reformierten auch eine Reisegruppe mit fünfzig Personen der Römisch-katholischen Kirche Luzern – war etwas harzig. Der Zug von Luzern nach Arth-Goldau, dem ersten Umsteigeort, fuhr aufgrund einer technischen Störung schlicht und einfach nicht ab: Wir waren gestrandet, bevor es überhaupt losging.
Diese erste Geduldsprobe kostete eine Stunde Verspätung bei der Ankunft in Roma Termini, einen Billettwechsel für einen anderen Zug ab Arth-Goldau. Aber dafür gab es viel Gesprächsstoff und hier und dort etwas Nervosität. Nun, tröstlich war es dann zu hören, dass auch das Flugzeug eine Stunde Verspätung hatte, womit die aus-gleichende Gerechtigkeit wieder hergestellt war. In Rom trennten sich die Wege der «Offiziellen» von denen der anderen. Die Delegation traf sich mit dem Kommandanten der Schweizergarde, lernte die Luzerner Gardisten, die zur Vereidigung vorgesehen waren, und die weiteren Delegierten kennen. 

Feier in sechs Akten
Für die Luzerner Schar waren die Feierlichkeiten eine Abfolge in Akten: Kranzniederlegung am Samstagabend, sonntags um 7.30 Uhr die Messe im Petersdom mit klerikalem Grossaufgebot und wunderschöner Begleitung auf der Orgel durch Wolfgang Sieber. Dann das erstklassige Konzert der Musikgesellschaft Richental-Langnau, am Mittag dann das Angelus-Gebet des Papstes auf dem Petersplatz mit dem obligaten «Buon Pranzo» zum Schluss und dann am späteren Nachmittag die feierliche Vereidigung im Hof San Damaso, gefolgt von einem Volksapéro. 
Die Zeremonie der Vereidigung war ein Schauspiel der besonderen Art. Auch wer wenig mit militärischen Auftritten anfangen kann oder wem die besondere Beziehung dieser Garde zum Katholizismus fremd ist, wurde doch in den Bann gezogen von dieser Tradition und der damit verbundenen Zeremonie, die jährlich stattfindet und in der die sogenannten «Hellebardiere» (Rekruten) die Aufnahme in die Garde zum Ziel hat. 
Umrahmt wurde die Feier von einem stramm aufspielenden Musikspiel und natürlich von der Fahne der Schweizergarde. Die Eidesformel verlas Kommandant Christoph Graf aus Pfaffnau. Der Kaplan der Garde richtete Worte an die Hellebardiere. Jeder dieser jungen Männer hatte in einem genau vorgegebenen Ritus zur Fahne zu marschieren und den Eid zu leisten. 
Die Gardisten taten dies mit ernsten Gesichtern, den Blick geradeaus gerichtet und keine Miene verziehend. Aufgelockert wurde die Szenerie durch ein kleines, etwa zweijähriges Mädchen, offenbar die Tochter eines Gardisten, das ab zu auf dem Hof herumturnte, sang und tanzte: Es entlockte manchen ein Lächeln, den Offiziellen natürlich nur auf den Stockzähnen. Kardinäle und Monsignores wohnten der Zeremonie bei: Sie durften auf gepolsterten Stühlen sitzen. Aufgefallen ist natürlich die Anwesenheit S.E. Kardinal Kurt Koch, aus Luzern stammend und vormals Bischof des Bistums Basel.Nach der Vereidigung strömte die Luzerner Gästeschar zum Volksapéro, wo es viele Wiedersehensszenen gab, wo sich alle vermischten: Luzernerinnen und Luzerner, Offizielle, Reformierte, Katholische, Christ-Katholische, Militärs, gar Zünftler, alle! Jeder und jede hatte wohl einen besonderen Grund, diese Feier mitzuerleben. Man tauschte sich im Gespräch aus und genoss die vorzüglichen Luzerner Spezialitäten.

Erheiterndes aus der Ewigen Stadt
Als sich die Synodalratspräsidentin mit dem Synodepräsidenten im Dschungel der römischen Gassen verirrte und beide etwas ausser Atem und zeitlich knapp bei der Delegation im Hotel ankamen, wartete dort Staatsweibelin Anita Imfeld schon ungeduldig auf die verlorenen «Schäfchen». Synodepräsident Fritz Bösiger war auf der Reise in seinem Element. Mit seiner Frau Pia vertrat er nicht nur die Synode, sondern auch seine Gemeinde Ufhusen. Nach einem üppigen Antipasto kämpfte er mit den Spaghetti al pomodoro, fand aber doch noch die Kraft, in der Osteria ein Lied anzustimmen. Bischof Felix Gmür gab sich wie immer volksnah. Er liess es sich nicht nehmen, mit der Delegation am Abschiedsessen eine Pizza zu teilen und mit einem Glas italienischem Roten anzustossen. Regierungspräsident Guido Graf kümmerte sich als Delegationsleiter zusammen mit dem Organisationskommitee um die Mitglieder der Delegation und stellte sicher, dass diese rechtzeitig abmarschierte und sich alle Gäste wohl fühlten. 

Papst Franziskus nimmt sich Zeit 
Der offiziellen Delegation waren einige Veranstaltungen vorbehalten, die in kleinerem Rahmen stattfanden. Am Samstag fand in der Campo Santo Teutonico eine beeindruckende Vesper statt. Die Delegation genoss das Privileg einer Führung durch die «musei vaticani». In der Sixtinischen Kapelle erklärte eine ausgezeichnet deutsch sprechende Römerin die Zusammenhänge.Anschliessend fand ein Nachtessen in einem Raffaello-Saal statt. Auch der Empfang am Sonntag beim Schweizer Botschafter am Heiligen Stuhl, Pierre-Yves Fux, im wunderbaren Garten des instituto svizzero hat Eindruck hinterlassen.
Der Höhepunkt aber war für die Delegation der Besuch von Papst Franziskus, des Heiligen Vaters, der völlig überraschend und unerwartet eine Audienz gewährte. Zwei Minuten nachdem die Delegation über diese Begegnung informiert worden war, stand der bescheiden und einfach wirkende Mann, grosse Ruhe ausstrahlend, bereits da und gab allen einzeln die Hand. Das war sicher ein einmaliges und eindrückliches Erlebnis. 

Reisen verbindet
Sonntagabend: Schon war alles zu Ende. Die meisten genossen am Abend nochmals die römische Küche und deckten sich mit Souvenirs ein: Pasta, Ansichtskarten, Kleinigkeiten. Wie alle anderen nahmen aber auch die Reformierten vor allem viele einzigartige Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen im Gepäck mit nach Hause. Es waren ausschliesslich fröhliche Gesichter zu sehen. Diese Reise wird alle ein bisschen miteinander verbinden. Und das ist gut so.

Ursula Stämmer-Horst Synodalratspräsidentin, 24. Mai 2018