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Gesellschaft

Einst besinnlich, heute sozial engagiert

Seit 50 Jahren unterstützt die Bettagsaktion Schaffhausen soziale Projekte mit Spenden. Seit einigen Jahren gehen die Spenden zurück.

Hilfe zur Selbsthilfe. Das ist das Konzept der Bettagsaktion Schaffhausen, die seit 1968 besteht. Damals hatte jeder Pfarrer die Aufgabe, einige besinnliche Worte zu verfassen, die man als «Bettagsbüchlein» in den Kirchgemeinden verteilte. Der ehemalige Pfarrer der Schaffhauser Zwinglikirche, Willi Helg, publizierte jedoch statt einer Andacht ein Abc der Entwicklungshilfe, das Kantonsschüler formuliert hatten. Die drei Landeskirchen nahmen den Anstoss, den Bettag mit der Entwicklungshilfe zu verbinden, positiv auf und riefen die Bettagsaktion als gemeinsame Initiative ins Leben. Bis heute übernehmen sie gemeinsam die anfallenden Kosten.
Der Eidgenössische Dank-,  Buss- und Bettag existiert seit 1832 und fällt jeweils auf den 3. Sonntag im September. Obwohl kirchlich begangen, ist er ein staatlicher Feiertag. «Die starke Trennung zwischen Kirche und Staat ist symptomatisch für unsere Zeit», sagt Marcelina Züricher, Präsidentin der Bettagsaktion Schaffhausen. «Die christlichen Grundwerte wie Menschenrechte und Humanismus kommen jedoch auch in der Politik zum Tragen. Die Bettagsaktion ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich säkulare und kirchliche Institutionen ergänzen.»

Riesiger Spendenmarkt
Hinter der Bettagsaktion Schaffhausen steht eine überkonfessionelle Arbeitsgruppe. Die Evanglisch-refomierte, die Römisch-katholische sowie die Christkatholische Landeskirche sind mit je einer Person vertreten. Das Team ist zuständig für die Auswahl der Projekte und die Sammlung. Der jährliche Sammelbetrag besteht ausschliesslich aus Spendengeldern. Der Spendenaufruf gelangt über die kirchlichen Medien als Flyer in die Haushalte der Kirchenmitglieder. Zudem sammeln die Kirchgemeinden für die Bettagsaktion über die Kollekten.

Der höchste Betrag erreichte die Sammelaktion 1974 mit 150 000 Franken für das Wohnheim Ungarbühl in Schaffhausen. Der niedrigste Betrag verzeichnete das Team 2012 mit 51 000 Franken für die Schaffhauser Beratungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht. Seither bewegen sich die jährlichen Spendengelder zwischen 60 000 und 80  000 Franken. «Die Spenden sind rückläufig», bestätigt die Präsidentin und fügt an: «Der Spendenmarkt ist riesig, von der Migros bis zur Glückskette sammeln alle Geld für gute Zwecke. Das schlägt sich in den Ergebnissen nieder.» Trotzdem setzt das Fundraising-Team jährliche Spendenziele. Im Jubiläumsjahr sollen 75 000 Franken zusammenkommen. Für zwei Schaffhauser Projekte: Den Ferienhort Schaffhausen, ein durch Spenden finanziertes Projekt der Schaffhauser Sonderschulen, insieme Schaffhausen, Pro Infirmis und der Kinder- und Jugendbetreuung der Stadt Schaffhausen. Der Leitspruch des Ferienhorts lautet «Teilhabe für alle Kinder». Er ermöglicht es Kindern mit und ohne Beeinträchtigung, gemeinsam zu spielen und an öffentlichen Freizeitangeboten teilzunehmen. 

Zwei lokale Projekte 
Das zweite Projekt ist der «Digitale Stadtplan». Er informiert mit Piktogrammen, ob ein Gebäude oder eine Anlage rollstuhlgängig ist. «Ziel ist es, dass Menschen mit einer Beeinträchtigung selbstständiger am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können», sagt Projektleiter Markus Böhni. Teams, in denen auch Betroffene mitwirken, erheben an Ort und Stelle die wesentlichen Daten zur Zugänglichkeit. Die beiden aktuellen Projekte entsprechen den Auswahlkriterien der Bettagsaktion Schaffhausen. «Projekte, die wir unterstützen, sollten möglichst einen Bezug zu Schaffhausen haben und unseren humanitären Grundwerten entsprechen. Sie müssen ein klares Konzept aufweisen und Hilfe zur Selbsthilfe leisten», sagt Marcelina Zürcher. 

Adriana Schneider  / 29.8.2018